Knapp 500 Teilnehmer haben sich am Donnerstag am Bochumer Hauptbahnhof unter dem Motto „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ zur revolutionären Vorabenddemo wenige Stunden vor Beginn des 1. Mai versammelt. Die Demo zog durch die gut frequentierte Innenstadt.
Aufgerufen dazu hatten SDAJ und DKP Bochum, die örtliche Linksjugend Solid, SDS und die Partei „Die Linke“ sowie Fridays for Future Bochum, Dyke March Ruhr, die Friedensinitiative Bochum-Ost und die NaturFreundejugend Bochum-Langendreer. Neben den Veranstaltern waren vor allem junge Aktive aus der Schulstreikbewegung gegen Wehrpflicht dabei sowie Menschen, die in den letzten Jahren in der Palästina-Solidarität aktiv geworden sind.
Aus aktuellem Anlass stand die Palästina-Solidarität im Zentrum der Demonstration. „Seit gestern Abend sind mindestens 20 Schiffe der Global Sumud Flotilla, wahrscheinlich durch die israelische Marine, abgedrängt und gekapert worden. Das ist Piraterie!“ Dieser Satz fällt oft vom Lautsprecherwagen. „Free Gaza! Free Palastine“-Rufe dominieren die Sprechchöre ebenso wie antimilitaristische Parolen aus dem Schulstreik oder mit Bezugnahme auf die Kampagne „Rheinmetall entwaffnen“.
Der Angriff auf die Hilfsmission für die Menschen in Gaza berührt die Menschen auf Bochums Straßen besonders. Seit Mitte April segelt der aus Bochum kommende Hannes in der Flotilla mit. Sein Schiff ist zum Zeitpunkt der Demonstration noch nicht „intercepted“, gekapert, worden. Er versorgt uns seit dem Auslaufen der Flotilla aus Barcelona mit Informationen aus erster Hand. Noch am Tag zuvor, bei den ersten Blockadeangriffen durch israelische Kriegsschiffe, schickt er einen Aufruf zur Unterstützung der Demonstration in Bochum. Und die Teilnehmenden und die Redebeiträge der revolutionären Vorabenddemo lassen keinen Zweifel: Sie unterstützen Hannes im Kampf für einen gerechten Frieden für alle Palästinenserinnen und Palästinenser. Für Bochum hat Hannes einen Redebeitrag verfasst, den eine Genossin vorträgt. Darin betont er, dass eine zivile, gewaltfreie, humanitäre Hilfsmission jedes Recht auf eine freie Passage durch internationale Gewässer habe und stellt fest, dass kein Staat der EU nennenswerten Widerstand gegen diesen offensichtlichen Völkerrechtsbruch Israels leistet.
Weitere Themen sind die kontinuierlichen Angriffe auf den Sozialstaat durch die massiv aufrüstende Bundesregierung und die demokratiefeindliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Ein aus dem Iran stammender Redner schildert die Hoffnungslosigkeit der iranischen Bevölkerung angesichts der Angriffe Israels und der USA. Der Redebeitrag der DKP umreißt die grundsätzlichen Ausbeutungsmechanismen im Kapitalismus und den Zwang zur kriegerischen Expansion im Imperialismus, und ruft dazu auf, im konkreten Abwehrkampf in Schule, Uni oder Betrieb die Kraft zu entfalten, die nötig ist, um die Herrschenden zumindest zeitweise von Aufrüstung und Kriegsvorhaben abzuhalten: „Frieden im Kapitalismus ist nichts Gewaltfreies, sondern muss den Herrschenden wie jedes andere soziale Recht aufgezwungen werden. In diesem Sinne sind wir sehr autoritär. Und wer in diesem Sinne nicht autoritär ist, der knickt vor den gewalttätigen menschenverachtenden Realitäten ein. Und das kommt für uns nicht in Frage!“ Der starke Applaus der Teilnehmer beweist Zustimmung und die Bereitschaft, auch in Zukunft den Kampf gegen den deutschen Militarismus aufzunehmen.
Während die Zuspitzung auf die Solidarität mit Palästina aktuellen Entwicklungen im Mittelmeer geschuldet war, war der antiimperialistische Charakter der Vorabenddemo bereits im Vorfeld verankert worden und hatte in der Region innerhalb der Linken einige Wellen geschlagen. In den letzten zehn Jahren hatten lokale Antifa-Gruppen in Bochum jeweils eine revolutionäre Vorabenddemo durchgeführt und jeweils bis zu 2.500 Menschen mobilisieren können. Allerdings war für kommunistische, sozialistische oder antiimperialistische Positionen dort zunehmend der Raum geschlossen worden. 2024 wurde ein bedeutender Teil der Demonstration vor Ort von der Teilnahme ausgeschlossen. Doch die autonomen Gruppen mobilisierten dieses Jahr in das benachbarte Witten.









