Jugend berät über den Kampf gegen Krieg und Aufrüstung

Nach Hause fahren und aktiv werden

Die SDAJ veranstaltet am 23. April gemeinsam mit verschiedenen Jugendorganisationen eine Anti-Kriegs-Jugendkonferenz in Frankfurt am Main. UZ sprach mit Joscha Mecke von der SDAJ, der den Kongress mit vorbereitet.

UZ: Die Mehrheit der Erstwähler hat bei der Bundestagswahl Grüne und FDP gewählt, weil sie ihren Versprechen glaubten. Wie ist zur Zeit die Stimmung bei der Jugend?

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Joscha Mecke: Die Stimmung in der Jugend ist im Augenblick von Angst vor einem Krieg geprägt. Wir müssen mit den Jugendlichen in Schule und Betrieb diskutieren und die falschen Wahlversprechen der bürgerlichen Parteien entlarven. Gerade die beiden genannten Parteien stehen für einen deutlich schärferen Eskalationskurs in der aktuellen Situation. Das Wichtigste ist jetzt in Aktion zu treten und sich nicht auf irgendwelche Wahlen zu verlassen. Die Jugendlichen müssen jetzt für ihre Interessen, für den Frieden, auf die Straße gehen.

UZ: Neben den rund 50 Milliarden Euro Rüstungsetat hat die Bundesregierung 100 Milliarden Euro für die Aufrüstung beschlossen. In eurem Aufruf zur Konferenz schreibt ihr, dass die Leidtragenden die lernende und arbeitende Jugend sein wird. Wie äußert sich das?

Joscha Mecke: Das äußert sich auf ganz verschiedene Weise. Wir erleben zum einen, dass kulturelle Einrichtungen wie Sport- oder Jugendvereine, öffentliche Infrastruktur, wie Schwimmbäder, in den letzten Jahren abgebaut wurden. Das wird sich jetzt nochmal deutlich verschärfen. Zum anderen ist das Bildungssystem massiv unterfinanziert. Der Investitionsstau liegt jetzt schon bei ungefähr 50 Milliarden Euro. Wir merken das als Jugendliche tagtäglich in der Schule – wenn die Schultoiletten unzumutbar sind, wenn der Putz von der Decke fällt, wenn die Fenster nicht mehr auf und zu gehen oder wenn es sogar ins Klassenzimmer regnet. Das heißt, wir müssen für Investitionen in die Bildung und nicht in die Rüstung auf die Straße gehen.

Die letzten zwei Jahre haben uns drastisch vor Augen geführt, was es bedeutet, wenn nicht genug Geld in das Gesundheitssystem fließt. Das ist eine Gefahr für uns alle. Entlastung für die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsbereich rückt umso weiter in die Ferne, umso mehr Geld für die Rüstung ausgegeben wird. Zudem ist es lächerlich, wie viel Geld der Bund für Klima- und Umweltschutz ausgibt. Obendrein sollen dann auch noch die Verursacher der Klimakrise diese lösen.

UZ: Als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine und den Aufrüstungswahn in Deutschland habt ihr auf eurem Bundeskongress eine Anti-Kriegs-Jugendkonferenz beschlossen. Wie weit sind die Vorbereitungen?

Joscha Mecke: Wir haben die Anti-Kriegs-Jugendkonferenz ins Leben gerufen, weil wir eine Antwort auf die Angst vor einem Krieg geben wollen. Wir konnten viele Bündnispartner für die Konferenz gewinnen, zum Beispiel die DIDF-Jugend, den SDS-Bundesvorstand, einige Solid-Gliederungen, Gewerkschaftsjugenden, die Naturfreundejugend NRW und viele mehr. Weil wir alles recht kurzfristig organisieren, stehen noch einige Antworten aus.

Mit unseren Bündnispartnern haben wir uns darauf geeinigt, uns den deutschen Imperialismus genauer anzuschauen. Wir konnten dazu verschiedene Experten gewinnen. Zum Beispiel den Journalisten Jörg Kronauer über die Verfasstheit des deutschen Imperialismus, Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung über 100-Milliarden-Aufrüstung und Horst Schmitthenner von der IG Metall zum Thema Rüstungskonversion. Daneben wird es Workshops von den Erstunterzeichnern und uns geben.

Eine Woche vor dem Kongress finden die Ostermärsche statt. Wir haben mehr Arbeit in die lokalen Jugendbündnisse der Ostermärsche gesteckt als sonst. Wir wollen mit der Jugend in Diskussion kommen und mit ihnen dann zum Kongress fahren, Erfahrungen sammeln und dann nach Hause fahren, um gemeinsam weiter vor Ort antimilitaristische Arbeit gegen Aufrüstung und einen drohenden Krieg aufzurichten.

Mehr Informationen unter jugendgegenkrieg.info

Über den Autor

Christoph Hentschel (Jahrgang 1980) ist Politikwissenschaftler und Redakteur für „Politik“. Er arbeitet seit 2017 bei der Zeitung der DKP.

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"Nach Hause fahren und aktiv werden", UZ vom 15. April 2022



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