Berliner „Aufstehen“-Kongress mit großer Beteiligung

Nach vorne gerichtet

Von Wera Richter

Tot ist anders. Am vergangenen Sonntag trafen sich im Berliner „ND-Gebäude“ mehr als 300 Aktive und Interessierte zum örtlichen „Aufstehen“-Kongress. Die Grüße von Mitbegründerin Sahra Wagenknecht per Video waren schnell angehört. Sie wünschte dem Kongress Erfolg und verzichtete auf politische Botschaften. Mit dem Zustand der Sammlungsbewegung befasste sich Schauspieler Wolfgang Zarnack, Mitglied des Vorstandes des neuen Trägervereins von „Aufstehen“. Rückblickend sagte er, es sei „extrem viel schief gelaufen“. Der anfänglichen Begeisterung über den großen Zuspruch sei ebenso große Überforderung gefolgt. Nach dem Versagen der Bundesebene bestehe nun aber die Chance, dass sich die Basis die Bewegung nehme. Zarnack plädierte dafür, Auseinandersetzungen hintenan und die 80 Prozent an Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen. Als Grundkonsens nannte er die Losung „Für Frieden und soziale Gerechtigkeit“.

Der Frieden spielte in den folgenden einleitenden Beiträgen im Plenum keine Rolle, dafür gab es solide Einschätzungen zur sozialen Lage im Land. Es referierten Paul Steinhardt, neben Heiner Flassbeck, Mitherausgeber der Zeitschrift „Makroskop“, und Bärbel Lange, Mitglied des GEW-Landesvorstands und der Partei „Die Linke“. Lange erinnerte an das Grundsatzprogramm des DGB von 1996 und die politischen Aufgaben der DGB-Gewerkschaften. Wo die Einzelgewerkschaften kämpften wie seit Jahren die GEW in Berlin, so Lange, da entwickelten sich Menschen und entschieden sich auch für den weiteren Kampf.

Dem widmeten sich auch die meisten Workshops, die im Mittelpunkt der Konferenz standen. Themen waren Wirtschaft und Soziales, Frieden, Wohnen, Migration, Umwelt- und Tierschutz. Nach dem inhaltlichen Austausch ging es in der zweiten Workshop-Phase um die praktische Arbeit und gemeinsame Aktionen. Sichtbar war in der Zusammensetzung, dass hier Aktive aus unterschiedlichen Initiativen und Bewegungen und bisher Nichtorganisierte – darunter nur wenige junge – ihre Köpfe zusammensteckten.

In Berlin, so hatten die Organisatoren eingangs berichtet, seien 8 000 „Aufsteher“ registriert. Wie im Bundesgebiet, sei es auch hier nur gelungen, einen kleinen Teil der Leute zu aktivieren. Immerhin: In 19 Bezirksgruppen träfen sich regelmäßig 15 bis 40 Mitglieder. Insofern kann man auf die Ergebnisse des Kongresses und folgende Aktivitäten durchaus gespannt sein. Aus dem Friedens-Workshop gibt es zum Beispiel die Orientierung, am „Tag der Bundeswehr“ am 15. Juni dem Berliner Karrierecenter der Truppe in Berlin-Mitte (Reinhardtstraße 53) einen Besuch abzustatten.

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Über den Autor

Wera Richter, geboren 1969, ist stellvertretende Parteivorsitzende der DKP und Chefredakteurin der UZ. Die journalistische Laufbahn begann in jungen Jahren mit einem Praktikum bei der UZ mit Rolf Priemer als Chefredakteur. Damals wurde die UZ wieder Wochenzeitung. Später arbeitete die gelernte Gärtnerin im Ressort Innenpolitik der Tageszeitung junge Welt. Auf dem 20. Parteitag der DKP 2013 wurde Wera Richter zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt und übernahm die Verantwortung für die Organisationspolitik. Ein Job, den sie in der SDAJ kennen und lieben gelernt hatte. 2020 löste sie Lars Mörking als UZ-Chefredakteur ab.

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"Nach vorne gerichtet", UZ vom 3. Mai 2019



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