„Strategische Partnerschaft“ mit der Ukraine statt friedlicher Lösung

Gedenken stört Kriegsertüchtigung

Am 81. Jahrestag der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation der faschistischen Wehrmacht, der das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa bedeutete, war es wieder einmal verdächtig still in fast allen westlichen Medien – zumindest zu diesem Thema. Nicht gedenken sollte man der sowjetischen Befreier der Hauptstadt Berlin, und wer sich dennoch nicht davon abhalten ließ, sah sich erneut massiven Einschränkungen ausgesetzt. Fahnen und jegliche Symbole der Armee der Befreier waren streng verboten – ausgenommen die der westlichen Alliierten, die jedoch ebensowenig erwähnt wurden.

Das Gedenken stört ganz offensichtlich die massive Propagandamaschinerie zur Herstellung von „Kriegstüchtigkeit“ und die sich zuspitzende Fixierung auf den Gegner Russland. Noch klarer als der deutsche Kriegsminister Boris Pistorius kann man es kaum zum Ausdruck bringen. Der Sozialdemokrat betonte am Montag bei einem Besuch in Kiew die „strategische Partnerschaft“ mit der Ukraine. Es gehe um die gemeinsame Entwicklung „modernster unbemannter Systeme in allen Reichweiten, gerade auch im Bereich Deep Strike“, sagte Pistorius, also der Fähigkeit, „wichtige Angriffsziele“ weit im Hinterland eines gegnerischen Landes zu zerstören. Pistorius und der ukrainische Kriegsminister unterzeichneten eine Absichtserklärung über Zusammenarbeit bei der Aufrüstung. Der „strategische Partner“ berichtete dem Gast über den Kriegsverlauf in der Ukraine und betonte stolz: „Die Russen werden zermürbt.“

Bei all dieser Kriegsertüchtigung wäre es durchaus kontraproduktiv, daran zu erinnern, dass es die Rote Armee der So­wjet­union war, die vor 81 Jahren Berlin befreite, eine Armee, der Menschen aller Völker der So­wjet­union angehörten, auch der Ukraine. Oder daran, dass die So­wjet­union den höchsten Blutzoll entrichtete für die Zerschlagung der faschistischen Bestie. 27 Millionen Sowjetbürger fielen dem Krieg zum Opfer, darunter waren sehr viele Ukrainer, die nicht selten von eigenen Landsleuten dahingemetzelt wurden, von Ukrainern, die sich den deutschen Faschisten angedient hatten – und die in der heutigen Ukraine, dem „strategischen Partner“, offiziell als „Helden“ verehrt werden.

Für die meisten Anführer der europäischen NATO-Staaten gilt nach wie vor die Devise, dass man Russland eine „strategische Niederlage“ beibringen müsse. Die einzige realistische Chance auf eine dauerhafte Lösung, nämlich die Schaffung einer neuen Sicherheitsarchitektur, in der die Sicherheitsinteressen aller Staaten berücksichtigt werden, wird nicht einmal in Erwägung gezogen. „Europa“ wolle mit am Tisch sitzen, heißt es aus Brüssel, aber eine Regelung zur Beendigung des Krieges darf aus Brüsseler Sicht auf keinen Fall auch im Inte­resse des strategischen Gegners Russland sein.

Bei all dieser Kriegsertüchtigung hat ehrenvolles Gedenken an die Befreier keinen Platz.

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"Gedenken stört Kriegsertüchtigung", UZ vom 15. Mai 2026



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