Einladungen für Wladimir Putin in die USA und nach China? Da liest Johann Wadephul schnell Sergej Lawrow einen Spickzettel vor

Schocks für Kriegstreiber

An der Fortsetzung des Ukraine-Krieges haben allein die Westeuropäer aus EU und NATO unter Führung Deutschlands Inte­resse. Das zeigten die Auftritte ihrer Vertreter und der Auftritt ihrer Marionette Wladimir Selenski bei und neben der UN-Generalversammlung in New York in der vergangenen Woche. Gegen sie stehen inzwischen nicht nur die Mehrheit der UN-Mitglieder, vor allem der globale Süden, sondern auch die Großmächte. Die Kriegstreiber hatten daher einige Schocks zu verdauen. So teilte US-Außenminister Marco Rubio nach einem Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow am 23. September in New York mit, dass die USA Russlands Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel am 14. und 15. Dezember in einen Luxus-Golfklub aus dem Reich Donald Trumps nach Miami einladen. Washington hoffe, dass er annehme. Man denke, dass dies eine gute Gelegenheit sei, damit Putin nicht nur mit US-Präsident Trump, sondern auch mit anderen Staats- und Regierungschefs ins Gespräch kommen könne. Rubio behauptete außerdem, die Ukraine und Russland seien jeweils an einer begrenzten Waffenruhe interessiert. Beide Seiten hätten Inte­resse an einer Vereinbarung signalisiert, die einen Stopp der Angriffe auf Getreidelieferungen und Energieanlagen beinhalten könnte. Lawrow widersprach sofort: Nur Europa sei an einer Waffenruhe interessiert, um die Ukraine in dieser Zeit mit Waffen vollzupumpen. Moskau suche, wie von Putin gesagt, eine umfassende Regelung für ein Ende des Konflikts.

Der zweite Schock für die Kriegstreiber kam am Ende des Staatsbesuchs von Chinas Präsident Xi Jinping vom 23. bis 25. September in den USA: Xi und Trump teilten jeweils mit, man werde sich beim Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) am 17. und 18. November im südchinesischen Shenzhen und beim G20-Gipfel im Dezember wiedersehen. Zum APEC-Treffen hatte auch Putin seine Teilnahme angekündigt. Zwei Dreiergipfel sind also möglich, aber nicht bestätigt.

Aber es reichte, um in Berlin Alarm auszulösen: Deutschland und Westeuropa spielen bei Regelung globaler Probleme keine Rolle mehr. Die Deutschen meldeten sich also auf einmal zu Wort: Am Samstag kam es überraschend zu einem 22-minütigen Gespräch zwischen Außenminister Johann Wadephul und Lawrow. Der nahm in seiner traditionellen Pressekonferenz zum Abschluss der UN-Generaldebatte am Abend auch zu diesem Treffen Stellung: „Er (Wadephul) bat gestern oder vorgestern in letzter Minute um ein Treffen. Wir hatten heute Morgen vor meiner Rede vor der Generalversammlung noch einen freien Termin. Wir lassen uns keine Gelegenheit entgehen, unseren Kollegen zuzuhören – auch jenen, die Russland aller erdenklichen Sünden bezichtigen.“ Er habe bei dem Treffen Wadephul vorgeschlagen, „sein Anliegen darzulegen. Er holte seine Unterlagen hervor und verlas einen Text, der genau das wiederholte, was Deutschland täglich öffentlich und offiziell durch seine Führungskräfte kommuniziert. Darauf wies ich ihn hin. Es gab für mich nichts Neues zu hören. Der Subtext war, dass er sich angeblich herabgelassen habe, sich mit uns zu treffen, und dass wir als Gegenleistung für diese Geste des guten Willens Zugeständnisse an der Ukraine-Front machen und die Abkommen zum Schwarzen Meer sichern sollten, damit Tanker und Massengutfrachter dort ungehindert verkehren können.“ Das betreffe etwa Indien, Ägypten und die Türkei. Russland habe aber mit diesen Ländern gesprochen und die Antwort sei simpel: „Nennen Sie uns auch nur einen einzigen Vorfall, bei dem Handelsschiffe, die in ihrem Inte­resse unterwegs waren, von Russland ins Visier genommen wurden.“ Sämtliche Schäden für die Handelsschifffahrt seien „das Ergebnis ukrainischer Terrorangriffe, sowohl im Schwarzen Meer als auch im Kaspischen Meer.“

Lawrow fasste zusammen: „Ich habe ihm offen gesagt, ich hätte erwartet, dass er etwas Interessantes und Ungewöhnliches zu sagen hätte. Man hätte das Ganze auch als Telefonat führen und uns einfach auf die offiziellen Erklärungen verweisen können.“ Aber Wadephul musste seinen Spickzettel vorlesen, das nennt sich deutsche Außenpolitik.

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"Schocks für Kriegstreiber", UZ vom 2. Oktober 2026



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