Am 22. Oktober hat eine internationale Videokonferenz, organisiert vom russischen Außenministerium und der Vertretung der Russischen Föderation bei den Rüstungskontrollverhandlungen in Wien, stattgefunden. Unter den mehr als 150 Teilnehmern aus der ganzen Welt war auch UZ. Das Thema: Die Lage in Saporoshje, eine der im September 2022 durch ein Referendum mit hoher Beteiligung neu der Russischen Föderation beigetretenen Oblaste.
Der Hauptberichterstatter, der aus Lugansk stammenden Sonderbotschafter des Außenministeriums Russlands, berichtete, derzeit befänden sich 70 Prozent des Territoriums unter russischer Kontrolle. Die ukrainischen Angriffe erfolgen derzeit vor allem mittels Drohnen. Die ukrainischen Streitkräfte sind bestrebt, den Verkehr über die Straße R-280 „Noworossija“ zu blockieren. Sie verbindet Rostow am Don mit Mariupol, Melitopol und Simferopol. Damit soll die Versorgung der Region mit Lebensmitteln und weiteren lebensnotwendigen Gütern wie Treibstoff und Medikamenten verhindert werden. Ziel von Drohnenangriffen sind nicht nur Lastwagen, sondern auch Passagierbusse des öffentlichen Verkehrs. Ein vorrangiges Ziel sind auch Versorgungseinrichtungen in den Orten wie Lebensmittelgeschäfte und Tankstellen.
Ein Offizier der russischen Streitkräfte führte aus, dass zwischen Juni und heute 25.000 bis 30.000 Drohnen pro Monat die Oblast Saporoshje angriffen. 2025 waren es noch 4.000 bis 6.000 pro Monat.
Der stellvertretende Chefarzt des Notfallzentrums in Melitopol, Dmitri Churilenko, berichtete über zahlreiche zielgerichtete Angriffe auf Krankenwagen. Bis heute wurden mehr als 30 medizinische Mitarbeiter durch Angriffe verletzt oder getötet. Viele Orte sind bei Notrufen gar nicht erreichbar.
Durch Drohnenangriffe versucht die ukrainische Armee auch, bestimmte Ortschaften vollständig zu isolieren. Dazu gehört die Stadt Energodar in unmittelbarer Nähe des Atomkraftwerks von Saporoshje. Der Bürgermeister der Stadt, Maxim Puchow, berichtete, dass sich Energodar am Rande einer humanitären Katastrophe befinde. Seit Mai habe die Zahl der Drohnenangriffe stark zugenommen. Von Mai bis Oktober wurden so mehr als 300 zivile Fahrzeuge vernichtet. Zielgerichtete Angriffe erfolgen auf die Energieinfrastruktur, also auf Transformatoren und Umspannwerke. Die Stadtteile werden derzeit nur wenige Stunden pro Tag mit Strom und Wasser versorgt. Auch die zentrale Gasleitung wurde beschädigt, sie ist seit anderthalb Monaten außer Betrieb. In der Stadt sind alle Tankstellen und fast alle Lebensmittelgeschäfte zerstört. Selbst die Müllabfuhr wird angegriffen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung von ursprünglich 52.000 Menschen hat die Stadt verlassen. Schulunterricht erfolgt online, die Kindergärten sind geschlossen.
Das Saporoshjer AKW ist derzeit nicht in Betrieb. Dort sind im Moment 50 Personen beschäftigt. Der Direktor des Kraftwerks, Juri Tschernytschuk, führte aus, dass es gezielte Angriffe auf das AKW und die Beschäftigten gebe. Dazu gehörten Angriffe auf Busse, die Beschäftigte von und zur Arbeit bringen. Mehr als 25 Mal sei die Stromversorgung des Kraftwerks ausgefallen, was zu Störfällen führen kann, wenn das AKW selbst keinen Strom liefert. Das Reparaturpersonal ist ebenfalls von Drohnenangriffen bedroht.
In diesem Zusammenhang wies der ebenfalls teilnehmende Vertreter der Russischen Föderation bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, Michail Uljanow, darauf hin, dass die westliche Seite unter allen Umständen vermeide, die ukrainischen Angriffe auf das AKW in Saporoshje als solche zu benennen.
Diese Informationen bilden nur einen Ausschnitt der mehr als drei Stunden dauernden Videokonferenz ab. Zwei besonders eindrucksvolle und berührende Aspekte seien noch genannt: An der Videokonferenz nahmen Einwohner betroffener Ortschaften teil, die verletzt wurden und Familienangehörige durch Angriffe ukrainischer Drohnen verloren haben. Sie berichteten über ihren Alltag und ihre Probleme, manchmal unter Tränen. Und es gab Solidaritätsbekundungen aus anderen, ebenfalls von der Kriegs- und Blockadepolitik des Imperialismus betroffenen Ländern: Eine Vertreterin des Außenministeriums von Nicaragua überbrachte die Solidarität mit Russland und besonders mit den Menschen in den von Terrorangriffen betroffenen Regionen. Prof. Julián Villar Barroso von der Universität Havanna, selbst Major der Reserve der kubanischen Armee, und eine weitere Wissenschaftlerin dieser Universität sprachen von Verbrechen gegen die Menschheit und von einem Krieg gegen ein Volk, das seine Identität verteidigen will.








