Pressemitteilung der DKP Brandenburg

Tag des Sieges auf den Seelower Höhen

Über 200 Freundinnen und Freunde des russischen Volkes kamen am 9. Mai 2021, dem Tag des Sieges der Roten Armee über den deutschen Faschismus, in der Gedenkstätte Seelower Höhen zusammen zu einer Gedenkkundgebung. Aufgerufen hatte zu der Kundgebung ein breites Bündnis regionaler Gliederungen von ISOR, RotFuchs, der Partei DIE LINKE und DKP.

Zu den Rednerinnen und Rednern zählten u.a. Anja, Mewes, Vorsitzende der Friedensglockengesellschaft Berlin e.V., Hans Bauer, Vorsitzender der GRH e.V., und Niels-Olaf Lüders, Direktkandidat für DIE LINKE bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Barnim II / MOL.

Rede von Männe Grüß, Vorsitzender der DKP Brandenburg

„[Um] Uns ein Leben aufzubauen haben wir die Herrn vertrieben
und auf unsre roten Fahnen Hammer und Sichel stolz geschrieben.
Hammer und Sichel sind unser Werkzeug
USSR was wir baun, das hält. (…)
[Aber] Hammer und Sichel sind nicht nur [ein] Werkzeug.
Wenn sie die Gewehre gegen Osten dreh’n,
wird der Hammer auf sie niedersausen, sie die Sichel niedermäh’n!“

Liebe Friedensfreunde, liebe Genossinnen und Genossen,

diese Zeilen schrieb Bertolt Brecht 1935 – also 6 Jahre vor dem Überfall des deutschen Faschismus auf die Sowjetunion, der sich dieses Jahr zum 80. Mal jährt.

Heute wissen wir: Brecht hatte Recht mit seiner Mahnung, was passieren würde, wenn die Gewehre gen Osten gedreht werden.

Wenn ich heute am Tag des Sieges vor Euch spreche, dann sind da verschiedene Gefühle in meinem Herzen.

Da ist meine Freude über einen Tag, der die Befreiung Deutschlands von der faschistischen Barbarei markiert durch den Sieg der Roten Armee – und damit die Grundlage für ein Deutschland, vor dem die Völker nicht mehr erbleichen mussten wie vor einer Räuberin.

Aber es gilt heute auch zu gedenken. Es gilt den über 27 Millionen sowjetischen Bürgern zu gedenken, die bei der Befreiung vom Faschismus ihr Leben ließen. Es gilt den Kämpfern in der Illegalität zu gedenken, in den Konzentrationslagern und in den Partisanenverbänden. Es gilt den deutschen Soldaten zu gedenken, die im Nationalkomitee Freies Deutschland ihren wertvollen Beitrag im antifaschistischen Kampf leisteten.

Ja, ich gedenke auch den deutschen Soldaten, die in einen Vernichtungskrieg für ein Regime zogen, das ihnen „Lebensraum im Osten“ versprach, die aber nur ein Raum im Osten erwartete: zwei Meter lang, sechzig Zentimeter breit und einen Meter tief.

Ihnen zu gedenken, heißt dann aber auch, eine historische Verantwortung zu übernehmen. Und diese Verantwortung lautet: Nie wieder. Nie wieder soll ein deutscher Soldat sein Gewehr gen Osten dreh’n.

Liebe Friedensfreunde, liebe Genossen,

in der Schule – Ende der 90er Jahre – habe ich im Geschichtsunterricht gelernt: Wir befänden uns in einer Nachkriegszeit.

  • Nun erlebten wir diese Woche ein Treffen der EU-Verteidigungsminister, bei dem sie berieten, wie man zusammen mit den USA das europäische Verkehrsnetz „kriegstauglich“ macht – damit also Panzer und Soldaten schneller an die russische Grenze kommen.
  • Wir erleben mit Defender 2021 jetzt gerade das größte NATO-Kriegsmanöver gegen Russland seit der Zerschlagung des Sozialismus in Osteuropa – mit Deutschland als logistische Drehscheibe.
  • Und wir haben erst letzte Woche erleben müssen, wie ein Kommentator kaltschnäuzig schreibt: Man müsse sich von der Vorstellung lösen, (Zitat) „der Frieden mit Russland (…) sei wegen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion 1941 eine moralische Pflicht.“ – ein Kommentar, der nicht aus einem Landserheft stammt, sondern aus der renommierten Wochenzeitung „DIE ZEIT“ – der größten Wochenzeitung in Deutschland.

Diese Beispiele zeigen: Mein Schulwissen stimmt nicht mehr. Wir befinden uns nicht mehr in einer Nachkriegszeit. Jede politische Analyse, die sich nicht vor der Geschichte blamieren will, jeder antifaschistischer Schwur, der auch nur einen Funken Wahrhaftigkeit in sich tragen soll, muss heute von folgendem ausgehen: Wir leben in einer VORkriegszeit – wir leben in einer Zeit der Kriegsmobilisierung.

Freunde, Genossen: Sich dieser NATO-Kriegsmobilisierung gegen Russland und China mit aller Kraft zu widersetzen – DAS muss die zentrale Konsequenz unseres Gedenkens heute sein – und das muss im Mittelpunkt unseres antifaschistischen Kampfes morgen und übermorgen stehen. Jeden zu stoppen, der unseren Söhnen, unseren Töchtern und Enkeln befiehlt, gen Osten zu marschieren – DAS ist unsere historische Verantwortung. Druschba.

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Alle Reden im Video:



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