Ein Blick in die (Medien-)Welt der vergangenen Woche

Auf keinen Fall gaga

Von Adi Reiher

Neue Nachrichten aus Fukushima. Ein Roboter misst in einem der havarierten Reaktoren einen Wert, der eine tödliche Dosis für alle Lebewesen bedeuten würde. Nach Medienberichten sollte selbst der Roboter da nur zwei Stunden „aushalten“ können. Aber das nur nebenbei.

Am Ende des Jahres sechs (!) der Reaktorkatastrophe fällt auf, dass der Betreiber tepco sich die Strahlenhöhe nicht erklären kann, dass er das offensichtliche Durchschmelzen des untersuchten Reaktors relativiert, dass er nicht weiß, was in den anderen Reaktoren vor sich geht und dass die geplante Bergung der geschmolzenen Reaktoren bis 2021 offensichtlich völlig illusorisch ist.

Während die Strahlung von Fukushima immer wieder auch an der Westküste von Nordamerika in der Nahrungskette nachgewiesen wird, wird in und um Fukushima wieder fleißig gefischt und Landwirtschaft betrieben. Die japanische Handelskette Lawson vertreibt Fertiggerichte mit Schweinefleisch und Gemüse aus der Region, nach Katar wird Reis aus Fukushima exportiert und in Dubai wurde ein Mineralwasser aus der Region prämiert. Na Prost, denn.

Künstlernamen sind manchmal so eine Sache. Die Dame heißt Lady Gaga. Sie tritt in der Halbzeitpause des Superbowl auf. Weltweite Aufmerksamkeit ist ihr gewiss. Vor dem eigentlichen Auftritt singt sie jeweils eine Zeile aus „God Bless America“ und „This Land Is Your Land“. Das erstere ist ein hyper-patriotisches Lied, das Irving Berlin 1918 geschrieben hat. Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges wurde es besonders populär, als es landesweit über alle Radiokanäle verbreitet wurde.

Das brachte den Folksänger Woody Guthrie, der der KPUSA nahestand, 1940 auf die Idee, eine Parodie zu schreiben. Heraus kam eben „This Land Is Your Land“. Beide Lieder wurden so etwas wie inoffizielle Nationalhymnen. Heute wird Guthries Lied bei allen Anti-Trump-Aktionen gesungen.

Ein starkes Signal von Lady Gaga, die keine Lady sein mag, aber gaga ist sie auch nicht.

Wenn sich Donald Trump mit seiner Politik durchsetzt, erleben wir einen Paradigmenwechsel. Nachdem der Neoliberalismus 2007 „seine“ Weltwirtschaftskrise ausgelöst hatte, suchte man die Lösung der Krise in einer noch stärkeren Verflechtung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen – TTIP und andere Verträge sollten dafür den Rahmen geben. Trump fordert nun einen anderen Weg, der auch nach 1929 zunehmend gegangen worden war. Währungsblöcke und multilaterale Verträge sollen durch ein Geflecht bilateraler Abmachungen, durch Beschränkung von Kapitalbewegung und Migration ersetzt werden. Auch an so etwas wie US-amerikanische Autarkie scheint Trump zu denken. Heute heißt es Brexit, America first, Frankreich zuerst usw. usf. Wie das nach 1929 endete, wissen wir.

Es war nur noch eine Frage des Wer und Wann. Es ist also Jaroslaw Kaczynski, der starke Mann in Polen, der nun von einer atomaren Supermacht Europäische Union träumt, die den USA und Russland militärisch Paroli bieten soll. Das Wann ist der Vorabend des Besuches von Frau Merkel in Polen, bei dem sie auch mit Kaczynski sprechen wird. Die Zeit wird zeigen, ob das Zufälle sind.

Der ziemlich nationalistische – man könnte auch sagen rechtspopulistische – Kaczynski hat früher kaum ein gutes Haar an Frau Merkel gefunden, der er unterstellte, nur mit Stasi-Unterstützung (!) zur Kanzlerin gewählt worden zu sein. Jetzt findet er mit Blick auf die Bundestagswahl, dass Frau Merkel „für uns das Beste“ wäre. Allerdings schränkt er ein: „Frau Merkel ist absolut die Nummer 1 in der EU, und das ist keine gesunde Situation.“ Da hat er mal so richtig recht.r

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"Auf keinen Fall gaga", UZ vom 10. Februar 2017



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