Es ist schon erstaunlich, was man in den bürgerlichen Medien alles nicht lesen kann. Bei den Meldungen zum fortgesetzten Desasterprojekt Stuttgart 21 sucht man vergebens den Hinweis auf die breite Bürgerbewegung, die alle Probleme vorausgesagt hat. Seit 1994, als die Idee, den Stuttgarter Kopfbahnhof tieferzulegen, vorgestellt wurde, läuft der Protest. Vor 15 Jahren analysierten die Gegner von „Stuttgart 21“, dass die Kostenprognosen der Bahn viel zu niedrig angesetzt sind. Inzwischen geht selbst die Bahn von mehr als zehn Milliarden Euro Baukosten aus. Das war allerdings noch vor der aktuellen Hiobsbotschaft: Die Inbetriebnahme, ursprünglich geplant für Dezember 2019, muss erneut verschoben werden, auf 2031. Für die Projektgegner, die im März zur 800. Montagsdemo geladen hatten, also Zeit genug, die Tausend voll zu machen. Und auch die Dauermahnwache, die seit dem 17. Juli 2010 rund um die Uhr besetzt ist, nimmt Kurs auf einen Weltrekord. Die unendliche Baustelle ist für alle Bahnreisenden in Stuttgart mehr als nervig. Allerdings sollte man um jede Verzögerung froh sein: Die Projektgegner haben auch nachgewiesen, dass der Tiefbahnhof im Brandfall zur tödlichen Falle werden kann.
Desasterprojekt Stuttgart 21

(Foto: Björn Blach)
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"Desasterprojekt Stuttgart 21", UZ vom 12. Juni 2026

