Am Freitag kündigte Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Abschlusspressekonferenz des deutsch-französischen Ministerrats in Brühl bei Köln an: „Wir stärken die europäische Abschreckung.“ Im Herbst werden erstmals deutsche Militärs, berichtete die FAZ, „an den streng geheimen vierteljährlichen Übungen der französischen Nuklearstreitkräfte unter dem Decknamen ‚Poker‘ teilnehmen“. Im September 2025 waren bereits britische Offiziere dort, außerdem tagten seit Dezember vier gemeinsame atomare Steuerungsgruppen Frankreichs mit Großbritannien, Schweden, Polen und Deutschland, letztere Ende Mai.
Die von Emmanuel Macron 2020 verkündete und im März 2026 bekräftigte Doktrin der „Forward Deterrence“ (vorgelagerte Abschreckung) wird also bereits verwirklicht. Sie sieht nicht vor, französische Atombomben in Nachbarländern zu lagern, sondern atomwaffenfähige Kampfjets Frankreichs sollen punktuell und temporär dorthin entsandt werden.
An der „nuklearen Teilhabe“ der Niederlande, Belgiens, Italiens, der Türkei und Deutschlands mit den USA ändert das nichts. Bereits im Juni hatte der Rüstungskonzern Lockheed Martin mitgeteilt, dass die erste atomwaffenfähige F-35-Maschine am 18. September in Fort Worth, Texas, präsentiert wird. Sie soll in Büchel die „Tornados“ ersetzen. „Zeitenwende“-Erfinder Olaf Scholz bestellte 35 Exemplare für insgesamt rund zehn Milliarden Euro.
Die „vorgelagerte Abschreckung“ Frankreichs, gegen die übrigens Marine Le Pen keine Einwände erhob, ist also eine Ergänzung zum US- und NATO-Konzept der „nuklearen Teilhabe“. Begründet wird dieses Aufsatteln mit einem möglichen Rückzug der US-Atomwaffen aus Westeuropa. Dafür gibt es aber keine Anzeichen, wie die europäischen NATO-Staaten immer wieder bekräftigen.
Damit bleibt es bei der militärischen Strategie, die zur Gründung der NATO führte und bis heute gilt: Mit atomarem Erstschlag – genannt „Abschreckung“ – drohen und die Fähigkeit zum Gegenschlag beseitigen. Dem diente zuletzt die Kündigung aller Rüstungskontroll- und Abrüstungsabkommen durch die USA. Dem Angriffskonzept setzt die deutsch-französische Atomwaffenkooperation noch eins drauf. Es ist so etwas wie der I-Punkt auf der Ostausdehnung der NATO. Atomarer Wahnsinn mit Methode.


