Spanien ist Fußballweltmeister. Es hätte schlimmer kommen können, denn den Titel holte eine Mannschaft, deren herausragende Protagonisten migrantisch geprägt sind und/oder aus Katalonien und dem Baskenland kommen. Die Kollektivleistung des Teams stand in angenehmen Kontrast zur Glorifizierung einzelner Fußball-Pseudoheiliger. Hinzu kommt der Umstand, dass die sozialdemokratische spanische Regierung bei aller Unzulänglichkeit vorlebt, dass Israel-Kritik, Palästina-Anerkennung und die zumindest formale Ablehnung der NATO-Aufrüstungsorgie durchaus möglich sind.
Was von der Fußball-WM aber leider vor allem in Erinnerung bleiben wird, sind die zur Schau gestellte US-Dominanz und die alle Regeln brechende Arroganz der Macht. Fußballfans hierzulande bekamen eine kurze Ahnung davon, was es für Milliarden Menschen weltweit bedeutet, tagtäglich unter dieser ökonomischen, militärischen und kulturellen Macht zu leiden. Während sich Fußball-Europa vor allem über die peinliche Halbzeitshow, exorbitante Ticketpreise und aufgehobene Rotsperren empörte, führte die Gastgebernation USA Krieg gegen das WM-Teilnehmerland Iran. Die USA verweigerten der iranischen Mannschaft und dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan, Afrikas Schiedsrichter des Jahres, sowie tausenden weiteren Fans aus rassistischen Motiven die Einreise und setzten die Repression gegen die eigene Bevölkerung auch während der Spiele unvermindert fort. Laut „New York Times“ inhaftierte die US-Behörde ICE innerhalb von nur fünf Tagen zehntausend Menschen. Zwei von ihnen wurden allein im Juli bei ICE-Einsätzen getötet. Das WM-Gastgeberland Mexiko hat die strafrechtliche Verfolgung der Tötung von mindestens 17 seiner Staatsangehörigen durch US-Beamte angekündigt und hofft so, klaren Menschenrechtsverstößen und extralegalen Tötungen durch die US-Vollstreckungsorgane begegnen zu können.
In der Folge all dieser Ereignisse konnte US-Präsident Trump das WM-Finale nur hinter Panzerglas verfolgen und wurde beim Überreichen der WM-Trophäe unüberhörbar im Stadion ausgebuht. Trösten kann er sich mit dem Umstand, dass sein Privatvermögen im Verlauf seiner zweiten Amtszeit von 3,9 auf 7,6 Milliarden US-Dollar angewachsen ist.

Ähnlich aussagekräftig sind die Zahlen zur Entwicklung der Inflation in Deutschland seit 2020: sie lag allgemein bei 22 Prozent. Der Preisanstieg von 36,3 Prozent Teuerung bei Lebensmitteln war sogar noch deutlicher zu spüren. Der Kommentar von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zu Spritpreisen von deutlich über 2 Euro pro Liter: Gestiegene Preise sind gut, daran merken die Menschen, dass etwas knapp ist und üben sich in Zurückhaltung.
Hauptsache, die Gewinnmargen der großen Handels- und Lebensmittelkonzerne bleiben unangetastet. Dazu passt, dass der Handelsverband Deutschland als Vertretung von Aldi, Rewe, Edeka und Lidl-Schwarz, deren Einzelhandelsmarktanteil zusammen bei 87,2 Prozent liegt, die aktuellen Tarifverhandlungen mit ver.di abgebrochen hat. Mehr Geld für Beschäftigte bedeutet schließlich weniger Gewinn.
Und während wir dazu angehalten werden am Nötigsten zu sparen und mit sogenannten Reformen gegängelt werden, weil in unserem Sozialsystem angeblich das Geld fehlt, ist zum Spekulieren noch genug Geld da: Nach Recherchen von NDR, WDR und SZ haben mindesten 17 der bundesweit über 100 Krankenkassen Beitragsgelder in fragwürdige Immobilienfonds investiert – und damit mindestens 170 Million Euro Verlust gemacht! In vielen Fällen wurden über 96 Prozent der „investierten Anlagegelder“ verzockt.
In Deutschland gibt es 93 gesetzliche und 33 private Krankenversicherungen, die alle eine eigene Verwaltung und einen eigenen Vorstand auf Kosten der Beitragszahler unterhalten. Wäre es da nicht wesentlich naheliegender, den Kassen das Spekulieren mit Beitragsgeldern zu verbieten und ihre Fusion anzuordnen, anstatt an der Versorgungsqualität der Patientinnen und Patienten und der Gesundheit der Beschäftigten zu sparen?


