Die Katastrophe regiert

Anna Pha, „Guardian“, Australien Übersetzung und Bearbeitung: Lars Mörking

Der katastrophale Verlauf der Buschbrände hätte aller Wahrscheinlichkeit nach verhindert oder abgeschwächt werden können, wenn die australische Regierung auf das gehört hätte, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagen. Stattdessen wurden gerade jenen Organisationen die Mittel gekürzt, die für vorbeugende Maßnahmen entscheidend sind. Wechselnde australische Regierungen – ob konservativ oder sozialdemokratisch – haben nur symbolische Schritte unternommen. Bereits in den 1980er Jahren prognostizierte die nationale Forschungseinrichtung „Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation“ (CSIRO) die katastrophalen Brände, die durch den Klimawandel entstehen würden.

In den 1980er Jahren untersuchte Dr. Tom Beer, Meteorologe am CSIRO, wie der Klimawandel sich auf Buschbrände auswirken könnte. Die Studie über die Buschbrandgefahr in Australien unter den sich verändernden klimatischen Bedingungen wurde 1988 veröffentlicht. Beer und sein damaliger Chef, Graeme Pearman, hinterfragen heute, warum die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht zum Handeln geführt haben. Pearman hatte die Ergebnisse unzähligen Politikern und Organisationen vorgestellt. Darunter befanden sich die Premierminister Bob Hawke, Paul Keating und John Howard. Alle erfuhren während ihrer Amtszeit von den Ergebnissen.

„Ich würde das meiste der Lobbyarbeit zuschreiben“, sagte Pearman gegenüber „Guardian Australia“. „Diese Lobbyarbeit ist in einem Land, das vom Rohstoffsektor wie Uran, Kohle und Gas geprägt ist, sehr einflussreich gewesen. (…) Diejenigen, die in fossile Brennstoffe investieren, haben emsig versucht, Maßnahmen zur Emissionsreduzierung zu unterbinden“, sagt Pearman.

Insbesondere die Regierungen von Abbott, Turnbull und Morrison haben Mittel für wichtige Forschungseinrichtungen und die Feuerwehr gekürzt.

Ministerpräsident Scott Morrison, der inzwischen eingestehen musste, dass Größe und Intensität der Buschbrände mit dem sogenannten Klimawandel zusammenhängen, versucht, den Schwerpunkt von der direkten Bekämpfung des Klimawandels zu verlagern. Er will „Anpassung und Widerstandsfähigkeit“, nicht Prävention.

Er weicht damit der dringenden Notwendigkeit eines Ausstiegs aus dem Einsatz fossiler Brennstoffe aus. Da die Auswirkungen des Klimawandels immer stärker zu spüren sind, zeichnen sich erneut Spaltungen innerhalb der Regierungspartei ab.

Australien hat einen Premierminister, der Kohle verehrt und sich für Wunder statt für Wissenschaft und Planung entscheidet. Wir haben einen stellvertretenden Premierminister, der sagt, dass Menschen, die katastrophale Buschbrände mit dem Klimawandel in Verbindung bringen, „verrückte Wahnsinnige Städter“ sind und dass der Beginn der Brandsaison im September „ein bisschen früh“ war.

Es ist kurzsichtige Kopf-in-den-Sand-Haltung des Kapitalismus, die zur gegenwärtigen Krise geführt hat, aber auch zu trockenen Flusssystemen, toten Fischen, Staubstürmen, aufsteigenden Ozeanen und extremen Wetterereignissen. Sie sind ein Vorgeschmack auf die Dinge, die uns noch bevorstehen.

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"Die Katastrophe regiert", UZ vom 7. Februar 2020



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