Brandschutz ist in Griechenland schon lange dem Sparzwang zum Opfer gefallen

Ein angekündigtes Verbrechen

Griechenland brennt. Seit Wochen. Erleichterung nicht in Sicht. Am Montag dieser Woche entschuldigte sich der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bei der Bevölkerung und versprach, künftig werde „Prävention“ im Mittelpunkt stehen und nicht „Reaktion“. Er bat um Entschuldigung für alle „Schwachstellen“, die bei der Brandbekämpfung möglicherweise aufgetreten seien. Man habe es mit einer Naturkatastrophe nie dagewesenen Ausmaßes zu tun.

In Wahrheit geht es um eine hausgemachte Katastrophe, die derzeit große Flächen Griechenlands zerstört. Brandinspektor M. Michail, Brandmeister a. D., sprach von sträflichen Versäumnissen der bisherigen Regierungen. „Im Jahr 2021 wurden nur 1,7 Millionen Euro für die Verhütung von Waldbränden bewilligt. Die Kürzung der öffentlichen Ausgaben beträgt in den letzten Jahren 97 Prozent.“ Während der griechische Staat angesichts von „Sparzwängen“ mit immer weniger Geld für die Verhütung von Waldbränden auskommen will, waren 6,6 Milliarden Euro für NATO-Ausgaben, 1,9 Milliarden für den Kauf von Kampfflugzeugen oder 30 Millionen für die Bildung einer „Hochschulpolizei“ kein Problem.

Seit 1993 sind in Griechenland 700.000 Hektar Landfläche verbrannt. Dabei starben 248 Menschen, 39 von ihnen Feuerwehrleute. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) forderte in den vergangenen Jahren immer wieder mehr Brandprävention. Ihre Anträge zur finanziellen Ausstattung der Forstverwaltung zur Waldbrandverhütung, personeller Aufstockung der Berufsfeuerwehr, Erneuerung der Flotte der Löschflugzeuge und zur Planung und Finanzierung der notwendigen Infrastruktur zum Schutz der Wälder und der Ökosysteme (Erosionsschutz, Hochwasserschutz) sind alle von den Regierungen der vergangenen Jahre abgeschmettert worden.

Folgerichtig benannte auch Antonis Rallatos, Mitglied des Vorstands der „Vereinigung Griechischer Forstwissenschaftler“, in einem Interview mit dem TV-Sender „ERT“, wer schuld an der Misere ist: „,Brandstifter‘ ist die Kommerzialisierung des Bodens und die Logik der Abwägung zwischen Nutzen und Kosten bei Brandschutzmaßnahmen.“ Er wies auf die Gefahr hin, „dass es zu keiner Wiederaufforstung kommt und dass Sondernutzungsgenehmigungen erteilt werden, um Siedlungen und Hotelanlagen auf verbrannter Erde zu bauen“.

Es fehlt in Griechenland jedoch nicht nur an Prävention, sondern auch an vernünftigen Konzepten zur Bekämpfung der aktuelle Katastrophe: „Wir bitten um Feuerwehrautos, um unsere Häuser zu retten, und sie schicken uns Streifenwagen, um uns zu vertreiben … Wenn sie keine Mittel haben, sollen sie uns die Feuer löschen lassen“ – so äußerte sich ein Bewohner des brennenden Varybombi im Fernsehen. Denn sichergestellt wird nur das, was erstmal nichts kostet: Warnungen an die Menschen, die brennenden Regionen zu verlassen, und spätere Evakuierungen. Dieses „Rette sich, wer kann“ wird als „vorbildliches Management“ eines Brandes dargestellt. Kriterium ist nicht der wirksame Schutz der Bewohner, der Infrastruktur und des Eigentums, nicht, wie Städte und Waldgebiete nicht Feuer fangen und verbrennen. Kriterium aller Regierungen der letzten Jahre war, „solange wir ohne Tote davonkommen, ist alles gut“.

In der Zwischenzeit gehen die Beschwerden und dramatischen Appelle zur Verstärkung der Feuerwehrkräfte auf Euböa weiter, dessen nördlicher Teil sich in eine Flammenhölle verwandelt hat. Dort klagen Anwohner über Verzögerungen bei den Löscheinsätzen von Flugzeugen und Hubschraubern, fehlenden Strom und dadurch fehlende lebensnotwendige Kommunikation. Nach Aussagen von Einwohnern der Gemeinde Aidipsós in Istiaía fehlt es auch an Treibstoff. Die Tankstellen der Region haben geschlossen und die Bewohner, die aufgerufen werden, ihre Dörfer zu verlassen, haben Schwierigkeiten mit dem Transport. Die KKE und der kommunistische Jugendverband KNE beteiligen sich aktiv an der Brandbekämpfung und haben in Gewerkschaften und anderen Massenorganisationen Solidaritätsaktionen für die Brandopfer initiiert. So kann wenigstens für einen Teil der Betroffenen die Wasser- und Lebensmittelversorgung und die Unterbringung von obdachlos gewordenen Menschen gesichert werden.

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Über die Autorin

Melina Deymann, geboren 1979, studierte Theaterwissenschaft und Anglistik und machte im Anschluss eine Ausbildung als Buchhändlerin. Dem Traumberuf machte der Aufstieg eines Online-Monopolisten ein jähes Ende. Der UZ kam es zugute.

Melina Deymann ist seit 2017 bei der Zeitung der DKP tätig, zuerst als Volontärin, heute als Redakteurin für internationale Politik und als Chefin vom Dienst. Ihre Liebe zum Schreiben entdeckte sie bei der Arbeit für die „Position“, dem Magazin der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend.

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"Ein angekündigtes Verbrechen", UZ vom 13. August 2021



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