Ein Beitrag zur Strategiedebatte von Armin Lufer

Einheit im Friedenskampf

Armin Lufer

Das Strategiepapier der DKP und die in der UZ darüber geführte Debatte sind mir Anlass, mich zu Wort zu melden. Die Lage in der BRD und international ist für die gesamte Menschheit existenzbedrohend. Die gegenwärtig noch existierende Weltmacht USA wird von einem Präsidenten regiert, der sich offensichtlich Adolf Hitler zum Vorbild genommen hat. Der „Größte Führer aller Zeiten“ hatte angesichts der militärischen Schläge der damaligen Alliierten, insbesondere der Roten Armee, den berüchtigten „Nero-Befehl“ erteilt. Die gesamte Infrastruktur sowie politische Gegner als auch „unwerte Menschen“ sollten noch kurz vor dem Untergang des „Tausendjährigen Reiches“ vernichtet werden. US-Präsident Donald Trump führt die Kriege seiner Vorgänger fort und beginnt neue zur Aneignung und Ausbeutung sämtlicher Reichtümer fremder Länder und zur Unterwerfung der dort lebenden Menschen.

Trump ist für mich ein faschistischer Diktator, der mithilfe der US-Armee Gewalt exportiert und mit Zuckerbrot und Peitsche die „westliche Demokratie“ verbreiten will. Die ihm Paroli bietenden Staaten wie China, Kuba und die GUS-Staaten, speziell Russland und Weißrussland, bedroht er mit. Dazu nutzt er auch Stellvertreter wie die Führung der Ukraine, die ihr Land damit dem Untergang geweiht hat.

In Nibelungen-Treue agiert auch die gegenwärtige Bundesregierung mit anhaltender Hetze gegen Russland in alter Tradition. In sämtlichen Medien werden die Menschen gegen Russland eingeschworen, die Aufrüstungs- und Kriegspolitik als alternativlos präsentiert. Teile der Regierung erheben den Anspruch auf eine deutsche Führungsrolle beim Aufmarsch der NATO in Richtung Osten, die als Verteidigung verklärt wird. Dabei ist das nichts anderes als die Vorbereitung eines erneuten Überfalls auf Russland.

Die gegenwärtige Lage erinnert mich an die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges. In vielen Etappen wurde der Krieg vorbereitet, bevor dann 1941 mit dem Überfall auf die Sowjetunion die Zielrichtung auf die Vernichtung des Sozialismus genommen wurde.

Die Wirtschaft wurde seit 1933 nach und nach zur Kriegswirtschaft. Die durch die Aufrüstung geschaffenen Arbeitsplätze halfen, die Arbeitslosigkeit zu verringern, was nicht ohne Wirkung auf das Bewusstsein der Arbeiter war, deren Löhne gleichzeitig gedrückt wurden. Ideologisch wurde der Krieg mit Juden- und Russenhass sowie dem Herrenmenschentum vorbereitet. 1935 wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt, und so gelang der umfangreiche Zugriff auf die Jugend, um sie mit Kriegsfähigkeit zu verderben. Schon ein Jahr später machten die Faschisten in Deutschland und Italien mit dem Überfall auf das republikanische Spanien deutlich, dass sie Krieg wollten. Am 1. September 1939 riss die Wehrmacht die Grenzbalken zu Polen nieder und überrollte das Land in Tagen. Der Zweite Weltkrieg in Europa war begonnen.

Heute sprechen Politiker von „Kriegsfähigkeit“ und von der „Notwendigkeit“, aufzurüsten. Wieder soll es gegen Russland gehen, gegen das man sich „verteidigen“ müsse. Dabei unterstützt die Bundesrepublik Deutschland seit ihrer Gründung die US- und NATO-Kriege, vor allem auch durch den Export von Kriegs- und Vernichtungswaffen, und ist damit beteiligt an diesen völkerrechtswidrigen Kriegen der Imperialisten! Ganz in der Tradition der Hitler-Faschisten bereitet die deutsche Regierung auch den Krieg gegen die Opposition intensiv vor.

Seit Ende letztes Jahres soll mit der Musterung Jugendlicher für den Wehrdienst die Bevölkerung auf die Führung eines dritten Weltkriegs vorbereitet werden. In den Schulen treten dazu mehr und mehr sogenannte „Jugendoffiziere“ als Werber für den Kriegsdienst ein.

Das erinnert mich an meine Schulzeit im Jahre 1943, als nach der deutschen Niederlage in Stalingrad immer mehr Kanonenfutter für die deutsche Wehrmacht gebraucht wurde. Ich habe darüber in meinen Zeitzeugenberichten an Schulen in Berlin und Brandenburg berichtet. In meiner Breslauer Mittelschule sollte ich damals für den Kriegsdienst als Freiwilliger geworben werden. Im August 1944 wurde ich dann für den Stellungsbau eingezogen. Erst später öffneten mir die Frontbeauftragten des Nationalkomitees Freies Deutschland die Augen und halfen mir, vom Hitlerjungen zum Antifaschisten zu werden.

Ohne Wenn und Aber beantworte ich die Fragen der Schülerinnen und Schüler zur Gegenwart. Die Zusammenhänge von Kriegen und Frieden versuche ich mit dem Verweis auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts plausibel zu erklären. Ich verweise hier immer auf Thomas Mann: „Die Grundtorheit des 20. Jahrhunderts war der Antikommunismus und der Antisowjetismus!“

Ich sage, dass auch heute Russenhass und Antikommunismus sowie die Hetze gegen China uns einem Krieg gefährlich nahebringen. Den Völkermord gegen das palästinensische Volk vergleiche ich mit dem von der BRD nicht anerkannten Völkermord in Leningrad zwischen 1941 und 1943 durch die faschistische Wehrmacht! Deutliche Worte verwende ich für den Völkermord an den europäischen Juden.

Am 15. März 2026 konnte ich auf meine 80 Jahre währende Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zurückblicken. Geworben wurde ich von zwei Genossen, einem Kommunisten und einem Sozialdemokraten. Sie hatten gemeinsam zwölf Jahre im Nazi-Konzentrationslager gesessen. Mit gegenüber beteuerten sie, dass sie gelernt hatten, dass die Spaltung der Arbeiterklasse den Nazis die Machtübernahme ermöglicht hatte.

Im Rückblick auf die Geschichte, auf meinen politischen Werdegang in der antifaschistisch-demokratischen Ordnung der Sowjetischen Besatzungszone, auf die Zeit in der Deutschen Demokratischen Republik und auf die Rückwende zum Kapitalismus durch die Konterrevolution sowie die anschließend einsetzende Osterweiterung von NATO und EU leite ich anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung von Faschismus und Krieg folgende Schlussfolgerungen ab:

  1. Im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Kräfte werde ich auch im Jahr 2026 in Zeitzeugengesprächen zur Verhinderung eines bedrohlich nahestehenden dritten Weltkriegs beitragen und auf der Grundlage meiner Erfahrungen über Ursachen und Schlussfolgerungen für die Gegenwart informieren. In den schwieriger werdenden Zeiten ist mein Ziel, möglichst viele Jugendliche von der Verweigerung des Kriegsdienstes in der Bundeswehr zu überzeugen.
  2. Wir sollten alle Möglichkeiten nutzen, um über die Machenschaften der heutigen Faschisten in Nadelstreifen zu informieren. Besonders ihrer Geschichtsklitterung an historischen Orten, etwa dem der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation der faschistischen Wehrmacht in Berlin-Karlshorst, müssen wir entgegentreten und die Gedenkstätten verteidigen vor der Umschreibung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges.
  3. Wir brauchen die Einheit aller antifaschistisch-demokratischen Kräfte, um den dritten Weltkrieg zu verhindern. Zentral dabei sind der Kampf gegen die Wehrpflicht und die Verhinderung der weiteren Aufrüstung. Voraussetzung dafür ist, dass zuallererst die Aktionseinheit der in der BRD in mehreren Parteien und Splittergruppen organisierten Kommunisten dadurch hergestellt wird, dass die Vorstände dieser getrennt agierenden Organisationen nicht nur miteinander reden, sondern sich zu gemeinschaftlich organisierten Aktionen verabreden. Das Gemeinsame muss an die Spitze des Handelns gestellt werden. Das Trennende gehört ad acta gelegt, denn für theoretische Wortklaubereien sind die Kräfte der Kommunisten zahlenmäßig zu gering! Die vereinten Kommunisten können nur im Bündnis mit anderen Antifaschisten der Erhaltung des Friedens dienen durch die Zurückdrängung der imperialistischen Gegner im eigenen Lande. Das Beispiel der Bildung und des Wirkens der Kräfte im Rahmen des Nationalkomitees Freies Deutschland hat nach wie vor Gültigkeit.
  4. Der 80. Jahrestag der Vereinigung der beiden deutschen Arbeiterparteien, der KPD und der SPD, am 21. und 22. April 1946 zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist und bleibt ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung! Die von mir beklagte Spaltung der Arbeiterklasse, der kommunistischen Bewegung hat den Spaltern im Lager der Sozialdemokratie, den Imperialisten geholfen, ihre volksfeindlichen Absichten und Pläne zu verwirklichen! Deshalb hat die damalige Losung in Vorbereitung der Vereinigung: „Einheit – Einheit – Einheit!“ im 21. Jahrhundert ihre Gültigkeit keinesfalls eingebüßt, sie bleibt Ziel unserer marxistischen Klassiker und politischen Vorkämpfer.

Auch wenn mein Beitrag mit Lücken behaftet ist, möge er ein Beitrag zur Strategie der Partei in existenzbedrohlicher Lage sein, auch bei Beachtung der erforderlichen Sicherheitsbedürfnisse in der Periode einer Noch-Legalität!

Über seine Erfahrungen hat Armin Lufer im UZ-Interview berichtet.

[author_box]

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.



Spenden für DKP
Unsere Zeit