Falsch gefallen

Das Gespräch führte Christoph Hentschel

Am 12. Juli blockierten Mitglieder der DKP den Atomwaffenstandort Büchel. Unter ihnen war Marion Köster aus Essen. Sie wurde von einem Polizisten verletzt und zeigte den Beamten an. Jetzt wurde das Verfahren eingestellt.

UZ: Was geschah am 12. Juli?

Marion Köster: Meine Bezugsgruppe hatte sich auf der einen Seite der zwei Zufahrten zum Tor 1 positioniert. Wir gingen dann über die Straße. Dort standen in loser Reihe einige Polizisten. Ich wollte zwischen zwei Polizisten durchgehen, aber einer der beiden stieß mich mit beiden Händen heftig zurück. So heftig, dass ich gestürzt bin und mich am Fuß verletzt habe. Die Polizei drängte dann die Gruppe weg.

UZ: Wie ging es dann weiter?

Marion Köster: Nachdem wir die andere Straßenseite blockiert hatten und unter Androhung einer Anzeige geräumt wurden, musste ich ins Krankenhaus, da die Verletzung an meinem Fuß immer stärker schmerzte. Ich wurde behandelt und der Arzt verschrieb mir zwei Gehhilfen. Am nächsten Tag habe ich eine Anzeige wegen Körperverletzung im Amt erstattet.

UZ: Was ist aus der Anzeige geworden?

Marion Köster: Mitte der letzten Woche erhielt ich ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft Rheinland-Pfalz, in dem sie mir mitteilten, dass sie das Verfahren eingestellt haben. Sie waren der Meinung, es handle sich um keinen Straftatbestand. Es sei fahrlässige Körperverletzung im Amt. Das Abenteuerliche bei der Begründung ist, dass nicht der Stoß zu meiner Verletzung geführt haben soll, sondern der Sturz.

UZ: Man wirft dir also indirekt vor, falsch gestürzt zu sein?

Marion Köster: Ja, ich war so ungeschickt, nach dem Stoß zu stürzen. Deswegen bin ich an der Verletzung selber schuld.

UZ: Gab es keine Zeugenaussagen?

Marion Köster: Ich habe zwei Zeugen angegeben, die den Sachverhalt geschildert haben. Die Staatsanwaltschaft zweifelt unsere Aussagen an, weil diesen „jegliche Dynamik“ fehle.

Eine Person aus meiner Gruppe hatte sich die Nummer eines Beamten aufgeschrieben. Laut Staatsanwaltschaft war der Beamte mit der Nummer aber nicht beteiligt. Allerdings haben sie einen anderen ermittelt, der auch zugibt, dass er eine Frau in meinem Alter gestoßen habe.

UZ: Was war so „undynamisch“?

Marion Köster: Wir haben ausgesagt, dass wir von den Polizisten nicht zum Stehenbleiben aufgefordert wurden. Als wir uns ihnen genähert haben, haben sie mich ohne Vorwarnung gestoßen und uns zurückgedrängt.

Im Schreiben der Staatsanwaltschaft wird jedoch geschildert, die Polizisten hätten ausgesagt, dass durchaus gesagt worden sei, dass wir nicht weitergehen sollen und dass schon zwei Tore von anderen blockiert würden. Ich habe nichts gehört und meine beiden Zeugen auch nicht.

UZ: Lässt du es jetzt darauf beruhen oder willst du dich wehren?

Marion Köster: Ich glaube, es ist rausgeschmissene Zeit, sich weiter damit auseinanderzusetzen. Mir war es wichtig, dass der Vorfall dokumentiert wird und man sich nicht einschüchtern lässt.

Über den Autor

Christoph Hentschel (Jahrgang 1980) ist Politikwissenschaftler und Redakteur für „Politik“. Er arbeitet seit 2017 bei der Zeitung der DKP.

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"Falsch gefallen", UZ vom 1. November 2019



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