Angebot der Arbeitgeber geht viral

„Inakzeptabel“

Jutta Markowswki
Jutta Markowski aus Essen ist Ergotherapeutin und Betriebsrätin in einem Krankenhaus

Mein Handy vibriert im Sekundentakt. Die Messenger Gruppe „Streik im Krankenhaus“ explodiert. Das Angebot der Arbeitgeber geht viral. Die Kolleginnen und Kollegen haben ganz schnell erkannt, dass das, was von Mädge und Seehofer als „Angebot“ auf den Tisch gelegt wurde, eine bodenlose Unverschämtheit ist. Die Schimpfworte kann ich in einer Zeitung, die auch Kindern zugänglich ist, nicht wiedergeben und auch bei den Emojies sind die sich übergebenden Wutknubbel noch die freundlichsten.

Bei unserem letzten Streiktag antworteten die Streikenden auf ein gerufenes 0,0 Prozent mit einem lautstarken „Pfui!“ Und nichts anderes verdient das vorliegende 1-Prozent-Angebot. Die Laufzeit von 36 Monaten und der Sockelbetrag von 30 Euro sind indiskutabel, das Angebot für die Beschäftigten im Gesundheitswesen eine Unverschämtheit und die Verschlechterungen für zum Beispiel Beschäftigte in der Psychiatrie, den Rettungsdiensten und bei den Sparkassen schlagen dem Fass den Boden aus.

Die Arbeitgeberseite setzt darauf, dass die Stimmung in der Bevölkerung in der sich verschärfende Pandemie-Situation gegen die Streikenden kippt. Uns wird vorgehalten, dass die öffentlichen Kassen jetzt keine Tarifsteigerung verkraften könnten. Doch für Subventionen an große Unternehmen, die gleichzeitig Entlassungen durchführen, ist Geld da. Für exorbitante Rüstungsausgaben sowieso. Auch das gezahlte Kurzarbeitergeld ist nichts anderes, als das von uns eingezahlte Geld in die Unternehmen zu transferieren, die dadurch enorme Lohnkosten sparen. BMW zum Beispiel hatte im Frühjahr 40.000 Beschäftigte in Kurzarbeit und schüttete gleichzeitig den Geschwistern Klatten und Quandt eine Dividende von 800 Millionen Euro aus. Finde den Fehler!

Es ist Zeit für deutlich mehr Selbstbewusstsein der Beschäftigten. So wie meine Kolleginnen und Kollegen, die die einzig richtige Antwort schicken: Dienstag wird gestreikt!

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"„Inakzeptabel“", UZ vom 23. Oktober 2020



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Tasse aus.

    Vorherige

    Die Streiks ausweiten

    „Vergiftetes Angebot“

    Nächste