Wir wollen eine Welt des Friedens, der Gerechtigkeit und der Würde

Angriffslustig

Zum 50. Jahrestag der UNO-Gründung, am 22. Oktober 1995, hielt Fidel Castro eine Rede in der er die Vorherrschaft des Imperialismus anprangerte und zugleich eine Vision für eine menschliche Zukunft entwickelt. In einer Zeit, die äußerst schwierig war für Kuba. Die Konterrevolution hatte die wirtschaftlichen Verbindungen der Insel zerschnitten. Das neue Deutschland, dass sich die DDR einverleibt hatte, dachte nicht daran, die Verträge der DDR mit Kuba weiter zu erfüllen. Die USA verschärften ihre völkerrechtswidrige Blockade. In dieser „Período especial“, der Sonderperiode in Friedenszeiten, gelang den Kubanerinnen und Kubaner ihre nationale Souveränität und die Errungenschaften der Revolution zu bewahren.

Vor einem halben Jahrhundert wurden die Vereinten Nationen gegründet, nach einem schrecklichen Krieg, in dem, während der schlimmsten Zeiten, jedes Jahr durchschnittlich 10 Millionen Menschen ihr Leben verloren. Heute sterben jedes Jahr 20 Millionen Männer, Frauen und Kinder an Hunger und Krankheiten, die heilbar sind. In einigen reichen Ländern haben die Menschen eine Lebenserwartung von bis zu 80 Jahren. Andere erreichen nicht einmal eine von 40 Jahren. Es sind Milliarden, die um einen Teil ihres Lebens betrogen werden. Wie lange wollen wir noch warten, bis dieses Blutbad ein Ende findet?

Der Kalte Krieg ist vorbei, doch das Wettrüsten geht weiter und die militärische und nukleare Hegemonie bleibt bestehen. Wie lange noch wird das völlige Verbot aller Massenvernichtungswaffen, die weltweite Abrüstung und das Ende der Gewaltanwendung, der Vorherrschaft und der Zwangsmaßnahmen in den internationalen Beziehungen auf sich warten lassen?

Das anachronistische Privileg des Vetorechts und der Mißbrauch des Sicherheitsrates durch die Großmächte inthronisieren einen neuen Kolonialismus innerhalb der Vereinten Nationen. Lateinamerika und Afrika sind nicht durch ein einziges ständiges Mitglied im Sicherheitsrat vertreten. Indien, in Asien, mit fast einer Milliarde Einwohnern, hat diese Verantwortung ebenfalls nicht inne. Wie lange werden wir noch warten, bis die Demokratisierung der UNO, die Unabhängigkeit und Souveränität der Staaten, die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten und die wirkliche internationale Zusammenarbeit Realität werden?

Die bewundernswerten Fortschritte in Wissenschaft und Technologie vervielfältigen sich täglich, doch ihr Nutzen kommt einem Großteil der Menschheit nicht zugute, sondern sie stehen weiterhin hauptsächlich im Dienste eines irrationalen Konsumverhaltens, das die beschränkten Ressourcen vergeudet und das Leben auf dem Planeten ernsthaft bedroht. Wie lange noch müssen wir warten, bis auf der Welt Vernunft, Gleichheit und Gerechtigkeit herrschen wird?

Die Wälder schwinden, die Luft wird vergiftet und die Flüsse werden verseucht. Unzählige Pflanzen- und Tierarten sterben aus, die Böden sind ausgelaugt, alte und neue Epidemien breiten sich aus, während die Bevölkerung wächst, um die Heerscharen der Besitzlosen zu vergrößern.

Werden die kommenden Generationen das vor einem halben Jahrhundert versprochene Gelobte Land je erblicken? Wieviele Hundert Millionen sind bereits gestorben, ohne es je gesehen zu haben? Wieviele sind Opfer der Unterdrückung, der Blockade, der Armut, des Hungers und von Krankheiten? Wieviele mehr werden noch sterben müssen?

Wir wollen eine Welt, frei von Hegemoniestreben, frei von Atomwaffen, ohne Interventionismus, ohne Rassismus, ohne Haß der Nationalitäten oder Religionen, ohne die Verletzung der Souveränität irgendeines Landes: eine Welt, in der die Unabhängigkeit und das Recht auf Selbstbestimmung der Völker geachtet wird, ohne allgemeingültige Modelle, die Traditionen und Kultur der einzelnen Elemente der Menschheit völlig außer Acht lassen; eine Welt ohne grausame Blockaden, die wie lautlose Atombomben Männer, Frauen und Kinder, Junge und Alte töten. Wir wollen eine Welt des Friedens, der Gerechtigkeit und der Würde, auf der alle, ohne jede Ausnahme, ein Recht auf Wohlergehen und auf Leben haben.

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"Angriffslustig", UZ vom 14. August 2026



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