Israel setzt Krieg gegen Gaza fort um langfristige geopolitische Interessen zu sichern

Inakzeptabel und skrupellos

Nach der Aufkündigung der Waffenruhe setzt Israel den Krieg gegen Gaza fort. Während Bodentruppen weiter vorrücken, bombardiert Israel besonders den Süden Gazas. Dorthin waren – auf Anweisung der israelischen Armee – die Menschen vor den Angriffen auf den Norden geflohen. Jetzt versuchen sie auf dem dicht besiedelten Gebiet den Bomben auszuweichen – unmöglich angesichts der fast 1, 9 Millionen Menschen (etwa 80 Prozent der Bevölkerung), die inzwischen laut Angaben des Palästinenserhilfswerks UNRWA auf der Flucht sind.

Seit Kriegsbeginn sind laut Zahlen vom Montag inzwischen 15.899 Palästinenser getötet worden, darunter 6.600 Kinder und Jugendliche. 7.500 Menschen werden vermisst, mehr als 42.000 wurden verletzt.

Diesen ist inzwischen kaum noch zu helfen, es gibt große Schwierigkeiten bei der Bergung und beim Transport von Verletzten, es gibt keine sicheren Zufluchtsorte mehr. Dies beklagen übereinstimmend mehrere Hilfsorganisationen. Die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, stellte fest, dass derzeit keine angemessene humanitäre Hilfe möglich sei. Zudem sei es „inakzeptabel“, dass es für die Bevölkerung keine sicheren Zufluchtsorte gebe.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nennt diesen Mord an der Zivilbevölkerung einen „Krieg gegen die Hamas“, den man bis zum „totalen Sieg“ fortsetzen werde. Dies stellte unter anderem der französische Präsident Emmanuel Macron in Frage und kritisierte in Dubai die Fortsetzung des Bombardements und forderte eine sofortige Feuerpause.

Deutlichere Worte fand der irische Außenminister. Michéal Martin nannte es „skrupellos“, den Krieg fortzusetzen. „Wir wissen von den Bombardierungen von Nord-Gaza, dass der Schutz zivilen Lebens keine Priorität hatte und viel zu viele unschuldige Männer, Frauen und Kinder getötet wurden und nun im Süden des Gazastreifens als Ergebnis dieser Bombardierungen getötet werden“, so Martin. „Und ich verurteile das, es ist falsch.“

Und Bundeskanzler Scholz? Der pocht weiter darauf, dass das „Selbstverteidigungsrecht“ Israels den Mord an Zivilisten einschließt: „Unser Standpunkt ist, dass das eben bedeutet, dass Israel auch das Recht haben muss, die Hamas zu besiegen und daran zu hindern, solche Terrortaten weiter durchzuführen.“ Koste es was es wolle, könnte man meinen.

Wer sich fragt, warum Gaza völlig dem Erdboden gleichgemacht werden soll – etwas anderes ist die dauerhafte Bombardierung des 40 Kilometer langen Landstriches nicht – der sollte einen Blick auf die Landkarte werfen. Bereits seit den 1960er Jahren gibt es in Israel Pläne, eine eigene Verbindung vom Roten Meer (und damit dem Indischen Ozean) zum Mittelmeer zu bauen. Der Suezkanal liegt in Ägypten, dahin fließt das Geld aus der Schifffahrt, und vor allem ist das Land geopolitisch ein unsicherer Kandidat geworden. Zu gut und zu eng sind die Kontakte zu Russland und China. Also soll er nach den Nahostplänen von Netanjahu baldmöglichst Wirklichkeit werden, der Ben-Gurion-Kanal. Im Weg ist da eigentlich nur eins. Gaza, direkt am Mittelmeer.

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Über die Autorin

Melina Deymann, geboren 1979, studierte Theaterwissenschaft und Anglistik und machte im Anschluss eine Ausbildung als Buchhändlerin. Dem Traumberuf machte der Aufstieg eines Online-Monopolisten ein jähes Ende. Der UZ kam es zugute.

Melina Deymann ist seit 2017 bei der Zeitung der DKP tätig, zuerst als Volontärin, heute als Redakteurin für internationale Politik und als Chefin vom Dienst. Ihre Liebe zum Schreiben entdeckte sie bei der Arbeit für die „Position“, dem Magazin der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend.

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"Inakzeptabel und skrupellos", UZ vom 8. Dezember 2023



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