Russische Systeme fangen israelische Raketen ab

Luftangriffe auf Syrien

Drei Luftangriffe innerhalb einer Woche – am 20., 22. und 25. Juli –, das ist selbst im Kampf Israels gegen Syrien, andauernd mit niedriger Intensität geführt, ungewöhnlich. Zudem drei erfolglose Angriffe in Folge: bemerkenswert.

Anfang des Monats hatten Russland, die Türkei und Iran in einer gemeinsamen Erklärung die wiederholten israelischen Angriffe verurteilt. Der syrische Außenminister erklärte, als Gründungsmitglied der UN vertraue Syrien auf das internationale Recht. Die UN sollten Israel dazu verpflichten, die Resolutionen im Zusammenhang mit dem Waffenstillstandsabkommen zu respektieren. Wie wiederholt in der Vergangenheit bei ähnlichen Angriffen wurden die syrischen Beschwerden ignoriert.

Immer wieder greift die israelische Luftwaffe Ziele in Syrien an. Diese aggressiven Aktionen sind unter anderem ein Bruch des Waffenstillstandsabkommens, das seit 47 Jahren in Kraft ist. Beim Angriff auf Homs, der vom Libanon aus geführt wurde, wurden gar zwei Waffenstillstandsvereinbarungen (mit Syrien und Libanon) gebrochen.

Militärisch waren die Angriffe offenbar erfolglos. Der stellvertretende Chef des russischen Versöhnungszentrums in Syrien, Admiral Vadim Kulit, erklärte, bei einem Angriff in der Provinz Homs seien alle vier eingesetzten israelischen Raketen abgeschossen worden, bei einem Angriff auf die Provinz Aleppo seien sieben von acht israelischen Raketen abgeschossen worden. Eine Rakete habe ihr Ziel, eine Forschungseinrichtung, beschädigt.

Derartige Zahlen veröffentlicht das russische Militär zum ersten Mal seit Langem. Genauere Zahlen gab es von dort zum Beispiel nach einem Großangriff der USA, Frankreichs und Großbritanniens wegen eines angeblichen Chemiewaffeneinsatzes durch die syrische Armee im April 2018. Damals listete die russische Armee akribisch auf, wie viele angreifende Raketen und Marschflugkörper die syrische Luftabwehr abgeschossen hatte. Auch diese Aktion war letztlich ein Misserfolg für die Angreifer. Damals konnte man getrost die Frage stellen, ob die russische Armee womöglich Hilfe geleistet hatte.

In der Regel meldet das syrische, nicht das russische Militär bei israelischen Angriffen, ohne weitere Details zu nennen, „die meisten“ der angreifenden Raketen seien abgeschossen worden. Wenn die detaillierten Zahlen Admiral Kulits zutreffen, waren die russischen Luftabwehrsysteme äußerst effizient. Vielleicht war auch in diesem Falle die russische Armee behilflich.

Die syrische Luftabwehr setzte unter anderem relativ moderne Raketen vom Typ „BUK-M2“ ein. Ein anderes russisches Abwehrsystem in Syrien ist die „S-300“. Es ist in der Lage, angreifende israelische Flugzeuge zu bekämpfen, aber aus Rücksicht auf ihre vielfältigen Interessen und Beziehungen in der Region hatte die russische Regierung lange gezögert, es nach Syrien zu liefern. Erst als im Rahmen eines israelischen Angriffs die syrische Luftabwehr versehentlich ein russisches Flugzeug abschoss, änderte sich die russische Haltung. Drei „S-300“-Systeme wurden geliefert. Ob aus technischen oder politischen Gründen – sie wurden bisher nicht eingesetzt.

Dass nun ausgerechnet ein hoher russischer Militär die erfolgreichen Abschüsse mitteilte, kann durchaus als politisches Zeichen gewertet werden: eine Warnung an Israel, das bisher alle russischen Aufrufe zur Mäßigung ignoriert hat. Ebenso als Beruhigung gegenüber Syrien, das die wiederholten israelischen Angriffe ohne ausreichende Antwort hinnehmen musste.

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"Luftangriffe auf Syrien", UZ vom 30. Juli 2021



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