Es gibt viele Fronten in diesem Krieg, in dem der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sich der Vision eines „Groß-Israel“ verbunden sieht. Neben dem großen Krieg gegen den Iran kämpft die israelische Armee aktuell auch in Gaza, in Syrien, im Libanon und im Westjordanland.
Im Gazastreifen fallen trotz Waffenstillstand immer wieder israelische Bomben, was das Grauen für die dort lebenden Menschen verstärkt. Immer mehr Kinder verlieren durch physische Verletzungen oder traumatische Ereignisse buchstäblich die Sprache.
Im Libanon ließ US-Präsident Trump einen Waffenstillstand zwischen der Regierung und Israel schließen – doch der gilt nicht für den Süden des Landes. Israelische Angriffe und die Antwort der Hisbollah sind dort an der Tagesordnung.
Im Westjordanland herrscht weder ein erklärter Krieg noch ein Waffenstillstand; nach wie vor herrscht der bekannte Schrecken der Besatzungspolitik. Vor mehr als einem Jahr vertrieb das israelische Militär die Einwohner des Flüchtlingslagers Dschenin; sie konnten bis heute nicht zurückkehren.
Straßensperren blockieren immer mehr den Verkehr für Palästinenser. Im Dezember 2025 zählte die UN-Organisation für humanitäre Angelegenheiten OCHA 925 Straßensperren und -blockaden; das sind 43 Prozent mehr als der Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre.
Dennoch fanden jetzt Kommunalwahlen statt – die ersten Wahlen überhaupt seit 20 Jahren. 1,5 Millionen registrierte Wähler im Westjordanland und einige in Deir el-Balah im Gazastreifen sollten ihre Stimme für Kandidaten der Autonomiebehörde oder für unabhängige Kandidaten abgeben. Kandidaten anderer Parteien oder der Hamas standen nicht zur Wahl. Dabei gibt das „Palästinensische Zentrum für Politik und Umfrageforschung“ in Ramallah an, dass die Hamas weiterhin die populärste Kraft unter allen Gruppen und Organisationen im Westjordanland und im Gazastreifen ist.
Mit den Wahlen folgt die Autonomiebehörde dem westlichen Druck, die Situation im Westjordanland zu beschönigen. Korruption und Misswirtschaft haben ihre Tätigkeit bisher geprägt. Die Wahlen sollen für einen Neuanfang und neue Legitimität stehen. Die Wahl in einem kleinen Teil des Gazastreifens soll zudem den Einfluss der Autonomiebehörde dort stärken. Bei niedriger Wahlbeteiligung wurden vor allem die Kandidaten der Autonomiebehörde gewählt. Doch in einem von der israelischen Besatzung kontrollierten Umfeld werden weder die gewählten Kandidaten noch die Autonomiebehörde dadurch mehr Einfluss gewinnen.
Schließlich hat das israelische „Sicherheitskabinett“ schon im Februar eine Entscheidung getroffen, die die Annexion des Westjordanlandes vorantreibt. Jahrzehntealte Regeln, die es israelischen Privatpersonen bisher untersagt hatten, palästinensisches Land zu kaufen, wurden gestrichen. Weitere Teile des besetzten Westjordanlandes gelten nun als „Staatsbesitz“ unter Kontrolle des israelischen Justizministers. Für den rechtsextremen Finanzminister Bezalel Smotrich sind die Änderungen eine „Siedlungsrevolution“. Sie umgehen die Militärverwaltung und behandeln die betroffenen Gebiete als souveränes israelisches Staatsgebiet.
Für Jordanien droht damit das Ende eines palästinensischen Staates – außerhalb Jordaniens. Mamdouh al-Abbadi, ein ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident, warnt vor einer Umsiedlung der Palästinenser nach Jordanien. Dabei geht es nicht nur um eine militärische Aktion. Das Leben in Palästina soll für die Palästinenser so unerträglich werden, dass sie „freiwillig“ nach Jordanien ausreisen.
Für das Königreich Jordanien, das so nahtlos in das israelisch-US-amerikanische Netzwerk eingebunden ist, wäre das eine Belastungsprobe, die es womöglich nicht überstehen würde. Für die Verwirklichung der Vision von Groß-Israel und Netanjahu wäre es durchaus ein Gewinn.









