Über Angriffe des Kapitals in der Metall-Tarifrunde

Mit aller Kraft

Die betrieblichen Angriffe der Metallkapitalisten gehen während der Tarifrunde unvermindert weiter. Ständig werden Personalabbau, Werkschließungen und weitere Frontalangriffe angedroht. Bei VW ist es die Ankündigung von Nullrunden bis 2030, bei Bosch die Auslagerung von 62.500 Beschäftigten in neue Tochtergesellschaften, bei Mercedes soll die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich auf 40 Stunden erhöht werden. Diese betrieblichen Angriffe lenken ab vom gemeinsamen Klassenkampf um mehr Lohn. Der steht bei den Tarifverhandlungen im Fokus der Kapitalseite. „Wir brauchen eine spürbare Reduktion der Arbeitskosten – etwa durch eine deutliche Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich“, fordert zum Beispiel die Mercedes-Arbeitsdirektorin Britta Seeger.

Um die Senkung der Arbeitskosten durchzusetzen, fordern die Kapitalisten ein neues tarifliches Instrument ähnlich dem Pforzheimer Abkommen von 2004. Tausende Betriebe haben es genutzt, um betriebliche und tarifliche Standards zu schleifen. Das Argument damals: Sicherung von Arbeitsplätzen. Doch wurden sie gesichert? Natürlich nicht. Friedrich Merz, damals CDU-Fraktionsvize, forderte eine „Durchlöcherung des Tarifkartells“, andere wollten gleich die ganzen Flächentarifverträge verbrennen. Genau das soll jetzt mit einem neuen tariflichen Instrument verwirklicht werden.

Die 35-Stunden-Woche ist dem Kapital der größte Dorn im Auge. Bereits jetzt haben sie erste Vereinbarungen durchgesetzt, so beim Autozulieferer Aumovio, einer Tochter von Conti. Dort wurde vor einigen Monaten die 38-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich eingeführt. Im Artikel in „InvestmentWeek“ wird der historische Tarif-Tabubruch gelobt. Es ist die Rede von einem „radikalen Geheimplan für eine bundesweite 40-Stunden-Woche“, vom „Todesstoß für die gewohnte 35-Stunden-Woche“. Stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei Aumovio ist IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner. Es ist eine Schande, dass gerade dort ein solcher Vorstoß umgesetzt werden konnte.

In der laufenden Tarifrunde geht es um so viel wie seit Jahrzehnten nicht. Die 35-Stunden-Woche muss mit aller Kraft verteidigt werden. Fällt dieses Bollwerk, werden Ausbeutung sowie Verschleiß der Arbeitskraft extrem steigen. Das Modell Aumovio darf nicht die gesamte Metallindustrie überrollen. Notfalls muss es mit Erzwingungsstreiks verhindert werden.

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"Mit aller Kraft", UZ vom 6. November 2026



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