Vier Tatverdächtige nach Terrorakt nahe Moskau in Untersuchungshaft

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Ein Gericht in Moskau erließ am Sonntagabend Haftbefehle gegen vier Akteure des Terroranschlags auf eine Konzerthalle nordwestlich der russischen Hauptstadt. Insgesamt waren nach der Tat elf Verdächtige festgenommen worden, die vier gelten als die Todesschützen. Nach Gerichtsangaben bekannten sich zwei von ihnen zu den Taten, laut Medienberichten sind alle vier tadschikische Staatsbürger. Für sie wurde Untersuchungshaft von zwei Monaten angeordnet. In dem Veranstaltungszentrum „Crocus City Hall“ in Krasnogorsk mit tausenden Plätzen hatten am Abend des 22. März mehrere Täter wahllos auf Besucher geschossen, ehe sie das Gebäude in Brand steckten. Dabei starben mindestens 137 Menschen, die Zahl der Verletzten beträgt nach Angaben der Gesundheitsbehörden vom Montag 182. Bis Dienstag soll in den Trümmern nach weiteren Toten gesucht werden. Die Terrormiliz Islamischer Staat reklamierte die Tat für sich.

Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, äußerte sich am Montag während eines Pressebriefings nicht dazu, wer die anderen sieben festgenommenen Personen sind. Er erklärte: „Es wäre äußerst falsch, wenn die Präsidialverwaltung während der Untersuchung irgendwelche Kommentare abgäbe. Wir werden dies nicht tun.“ Die Ermittler hätten nichts Endgültiges zum Anschlag vorgelegt, einschließlich der Beteiligung des „Islamischen Staats“ (IS). Peskow forderte die Journalisten dringend auf, sich auf die Informationen der Strafverfolgungsbehörden zu stützen. Die Frage nach den Ursachen der Verletzungen, die bei den Angeklagten beim Gerichtstermin sichtbar waren, wollte Peskow nicht beantworten. Nach seinen Worten arbeiten die russischen Ermittler ohne Hilfe aus anderen Staaten. Der Kampf gegen den Terrorismus „erfordert eine vollständige internationale Zusammenarbeit“, doch diese finde „überhaupt nicht“ statt. Präsident Wladimir Putin habe keine Kontakte in den Westen, aber Telefonate unter anderem mit Belarus, Usbekistan, Tadschikistan und der Türkei geführt.

Auf die Frage, ob die USA vor Terrorakten gewarnt hätten, antwortete Peskow, solche Informationen gingen allein an die Geheimdienste und würden nie an den Kreml weitergegeben. Die Präsidialverwaltung beteilige sich gegenwärtig auch nicht an der Diskussion über die Wiedereinführung der Todesstrafe, die von russischen Politikern und Medien nach dem Anschlag begonnen worden war. Insbesondere der Vorsitzende der Fraktion „Einiges Russland“ in der Staatsduma, Wladimir Wassiljew, hatte gegenüber Reportern erklärt, das Thema werde eingehend und sinnvoll bis zu einer Entscheidung ausgearbeitet.

Die Reaktionen im Westen waren geteilt. Neben Beileidsbekundungen legten die USA sowie Politiker und Medien der NATO-Staaten großen Wert darauf, die Ukraine von jedem Verdacht freizusprechen. Bereits kurz nach den Anschlägen hatte der Sprecher des US-Sicherheitsrats, John Kirby, erklärt: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Ukraine oder Ukrainer mit den Schüssen zu tun hatten.“ Das russische Außenministerium kritisierte daraufhin, dass die USA die Ukraine sehr schnell entlastet haben. Es werfe Fragen auf, wenn Washington bereits solche Schlussfolgerungen ziehe, während die Tragödie andauere, sagte Sprecherin Maria Sacharowa im Fernsehen. Frankreich rief am Sonntagabend die höchste Alarmstufe aus.

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"Noch kein umfassendes Bild", UZ vom 29. März 2024



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