Die UZ-Friedenstage gehen los

Pins, Plakate und Posaunen

Da steht man im Supermarkt und schaut verdutzt bis ungläubig auf eine Packung geräucherten Fisch. Wie kann das denn sein, dass der bis nach den Friedenstagen haltbar ist? Sollte es tatsächlich schon so weit sein? Nach all den Save-the-date-Ankündigungen, all der Planung und all dem „Das entscheiden wir, wenn es soweit ist“? Tatsache, die UZ-Friedenstage sind an diesem Wochenende.

„Das geht aber nicht!“, schreit eine ziemlich laute Stimme in meinem Kopf, es ist noch viel zu viel zu erledigen bis Freitag! Und eine Zeitungsausgabe muss auch noch gemacht werden, schließlich wollen wir doch eine besonders schöne UZ bei den Friedenstagen.

Also, tief durchatmen und die To-do-Listen abarbeiten. Weiß jeder Künstler, wann er dran ist? Und wo hinterher geschlafen wird? Wird auch wirklich jeder am Flughafen abgeholt oder bin ich hinterher schuld, dass jemand dort traurig und allein wartet? Im wahrsten Sinne des Wortes bestellt und nicht abgeholt? Und wissen die Abholer, wen sie abholen müssen? (Wir wollen keine Wiederholung des Vorfalls vom Pressefest 2011, bei dem ein gewisser Axel K. aus H. um ein Haar irgendeine Band am Düsseldorfer Flughafen eingepackt hätte anstatt Banda Bassotti.)

Also schön eine Liste nach der anderen abarbeiten, jeden Punkt abhaken, und wenn gerade Ordnung im eigenen Chaos eingezogen ist, kommen die E-Mails mit Fragen, die ViKos mit den anderen Programmbereichen, und alles geht wieder von vorne los. Dazu lustige Anfragen nach noch zu besorgenden Instrumenten. Woher bekomme ich bitte bis Freitag eine Posaune? Der Schlaf wird weniger, der Notizblock für die nächtlichen Einfälle wird voller. Der Konsum an feinstem schwarzen Tee nimmt ungesunde Ausmaße an.

Auf dem Hof der Essener Hoffnungstraße kann man derweil nicht mehr treten, dort wird eingepackt was gebraucht wird und was nicht niet- und nagelfest ist. Für den Drucker muss man inzwischen Wartemarken ziehen, denn jeder möchte was: Schichtpläne, Getränkepreislisten, Ablaufpläne, Spickzettel und Redemanuskripte. Die Waschmaschine surrt, um Helferinnen und Helfer im Versorgungsbereich mit blütenreinen Schürzen und Geschirrtüchern auszustatten. Dabei fällt mir ein, dass irgendwann irgend jemand auch noch die heimische Waschmaschine anmachen muss – zumindest, wenn man angezogen bei den Friedenstagen erscheinen will. Und apropos angezogen: Wo sind eigentlich die extra früh gekauften Friedenstaube-Pins zur Finanzierung des Festes hin? Ohne die will man sich ja in Berlin nicht blicken lassen, wie sieht das denn aus? Zum Suchen ist jetzt aber wirklich keine Zeit mehr, man kann ja zum Glück einfach neue kaufen. Im Zweifel auch noch das ganze Fest lang.

Also noch die letzten Infos verschicken, Listen erst abarbeiten, dann wieder erweitern und dann wieder von vorn und sich ganz vielleicht Gedanken über die Moderation machen. Aber das geht schließlich auch noch im Auto. Schnell diese Zeilen fertig geschrieben, dann kann die UZ-Ausgabe zu den Friedenstagen in die Druckerei. Und die Redaktion macht sich auf den Weg nach Berlin. Dort ist fein dekoriert, die Berliner haben fleißig nicht nur für den Wahlkampf plakatiert, sondern auch für die Friedenstage.

Auch wenn wir vor Schlafmangel nicht so aussehen: Wir freuen uns! Denn eigentlich ist ja alles da: Ein Haus mit Räumen und eine Bühne davor, gefüllt wird das Ganze mit Referentinnen und Referenten, mit Künstlerinnen und Künstlern. Das Literaturzelt wartet mit tollem Programm, der UZ-Shop mit allem, was das Herz begehrt, auf seine Kunden, und die SDAJ ist auch am Start. Es gibt Essen, Getränke und Infostände, ein bisschen Wetter wäre noch schön, aber auch das sieht ganz gut aus. Fehlt nur noch ihr, aus den Gewerkschaften und der Nachbarschaft, aus der Friedens- und der Schulstreikbewegung, aus dem weiten Süden, dem tiefen Osten, dem hohen Norden und allem dazwischen. Denn mit euch wollen wir bei den Friedenstagen drei Tage diskutieren, feiern und Pläne für die Zukunft schmieden. Wir freuen uns auf euch!

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"Pins, Plakate und Posaunen", UZ vom 28. August 2026



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