Deutschlandfunk ruft zu Kritik auf. Bitteschön

Falls mal was fehlt

Für das Sommerloch im August hat sich der „Deutschlandfunk“ etwas besonderes ausgedacht. Man kann der Nachrichtenredaktion nun direkt Lob und Kritik mitteilen, auch „falls“ einem mal was fehlt – einfach an dienachrichten@deutschlandfunk.de schicken. Als leidenschaftliche Radiohörerin bin ich natürlich entzückt. Leider habe ich aber keine Zeit, jeden Tag eine ellenlange E-Mail zu schreiben, deshalb hier zwei meiner Highlights aus diesem August:

5. August: „Großes jährliches Militärmanöver in Taiwan begonnen“, so die Überschrift der Meldung. „Das kommunistische China betrachtet das demokratische Taiwan als Teil des eigenen Staatsgebiets. Die Führung in Peking hatte den militärischen Druck auf das Land in den vergangenen Jahren verstärkt.“

Was mir fehlt? Die Einordnung in den faktischen Kontext.

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China übt seit 1945 die Hoheitsgewalt auch über Taiwan aus. Mit der Resolution 2758 der UN-Generalversammlung „Instandsetzung der Rechte der Volksrepublik China in den Vereinten Nationen“, die am 25. Oktober 1971 verabschiedet wurde, erhielt die Volksrepublik China auch die Vertretungsrechte aller Chinesinnen und Chinesen gegenüber den Völkern der Welt. Gerade mal 12 Länder unterhalten noch diplomatische Beziehungen zu Taiwan, die Bundesrepublik ist nicht darunter. Aber was interessiert die Faktenlage, wenn man gegen China stänkern kann, während Taiwan Krieg übt?

7. August: „Neue russische Angriffe auf landwirtschaftliche Anlagen – Online-Händler Wildberries meldet Brand in Logistikzentrum in Jekaterinburg“ lautet die Überschrift. „In der Region Charkiw im Osten des Landes brach in den Lagerhallen eines Agrarunternehmens ein Feuer aus, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Verletzt wurde niemand“, heißt es dann in dem Beitrag, und weiter: „Derweil meldete der russische Online-Händler Wildberries einen Brand in seinem Logistikzentrum in Jekaterinburg nach einem vermutlich ukrainischen Luftangriff.“

Warum ist der Angriff in Russland nur „vermutlich“? Weil der „Deutschlandfunk“ und seine Nachrichtenredaktion allein die ukrainischen Meldungen als bestätigte Fakten präsentiert. Und willig die Argumentation aus Kiew wiederkäut: „Die Ukraine hat bereits mehrfach Lager des Unternehmens angegriffen und dies damit begründet, Wildberries beliefere auch die russische Armee mit militärischen Gütern.“ Klar, die Bundeswehr bestellt ihr Gedöns auch bei Amazon, oder was? Recherchen sind hier wohl fehl am Platz.

Direkt im Anschluss geht es übrigens bei „Europa heute“ in gleicher Art weiter. Im Beitrag „Krieg gegen die Ukraine: Umweltschäden und fehlender Zivilschutz in Russland“ geht es um Umwelt- und Menschenschäden durch die in Russland nach ukrainischen Angriffen brennenden Ölraffinerien. Die ebenso brennenden Logistikzentren von Wildberries und Co., in denen laut Beitrag ja auch viel Plastikzeug aus China liegt, tragen zu gesundheitsgefährdender Luftverschmutzung bei. Ölregen fällt vom Himmel, nicht nur in unmittelbarer Umgebung der angegriffenen Raffinerien. Und was macht der böse Russe? Der schützt seine Bevölkerung nicht vor Ölregen und Luftverschmutzung und enthält ihr angeblich sogar die Standorte von Schutzbunkern vor – die sind schließlich geheim. Wer nicht böse ist, ist der Ukrainer. Kein Wort zu Angriffen auf zivile Infrastruktur, kein Wort zu toten Logistikarbeitern. Aber die will man ja auch nicht als Feindbild inszenieren.

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"Falls mal was fehlt", UZ vom 21. August 2026



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