Im französischen Évian beraten die G7-Staatschefs ihre Kriegspolitik

Räubertreffen

Am Montag traf US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel ein. Die Staats- und Regierungschefs von Britannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und Kanada waren gespannt auf Details zum Abkommen der USA mit dem Iran. ARD-Korrespondentin Gudrun Engel berichtete: Trump habe beim Abendessen informiert, aber er erzähle natürlich gerne und viel. Dabei wisse man nie, ob er wiedergebe, was vereinbart wurde, oder darüber spreche, was er glaube, dass die Vereinbarungen seien.

Einmütig war die Hoffnung auf eine Öffnung der Straße von Hormus. Da würde Deutschland gerne mitspielen. Deshalb bot Bundeskanzler Friedrich Merz Hilfe beim Minenräumen an. Aber wie die anderen Europäer lässt Trump ihn anscheinend am ausgestreckten Arm verhungern. Und da es in der Räuberhöhle bei Unstimmigkeiten inzwischen immer Geschrei gibt, preschen die Sturmgeschütze des Wertewestens vor. CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter bezeichnet das unbekannte Abkommen als „Desaster“. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen poltert, dass die europäischen Sanktionen gegen den Iran nicht ohne dessen Entgegenkommen gelockert würden. Man könnte meinen, der Iran habe die USA während laufender Verhandlungen hinterrücks angegriffen, dabei große Teile der politischen Führung ermordet und nebenher die Zivilbevölkerung terrorisiert.

Am Dienstag widmeten sich die Räuberhauptmänner und -frauen einem anderen Projekt. Dafür hatten sie den ukrainischen Präsidenten Waldimir Selenski eingeladen. Dieser berichtete von einer geänderten Situation. Kiew sei in einer Position der Stärke, Russland stehe unter Druck. Die G7-Staaten pumpen deshalb weiterhin Waffen und Geld in die Ukraine. Auch habe man sich auf gemeinsame neue Sanktionen geeinigt. Die USA waren in der Folge der Ölpreissteigerungen aufgrund des Irankriegs kurzzeitig aus den Sanktionen gegen russische Energie ausgestiegen.

Vermutlich haben die Staats- und Regierungschefs der Räuberländer schon zu Mittag mit Champagner auf ihren zweiten Sieg angestoßen. Doch Trump hatte vor seiner Abreise erneut gedroht. Er teilte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit, er werde französischen Wein mit 100 Prozent Zoll belegen, sollte dieser die Digitalsteuer, die auch US-Techkonzerne betrifft, nicht abschaffen.

Wenn die Beute geringer wird oder die Beraubten sich wehren, dann schrecken die Räuber nicht davor zurück, sich gegenseitig in die Tasche zu greifen.

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"Räubertreffen", UZ vom 19. Juni 2026



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