„Perry Rhodan. Das größte Abenteuer“ feiert einen Jugendhelden

Relativ unsterblich

Auf dem Cover prangt „Die größte Science Fiction Serie“. Woche für Woche gibt es neue Abenteuer rund um den Titelhelden der, nach dem Einsatz von ein bisschen außerirdischer Technologie, nicht nur „Erbe des Universums“, sondern auch mit „relativer Unsterblichkeit“ gesegnet ist. Wer erinnert sich nicht an die silbernen Hefte, die die Nerds in der Schulhofecke kurz vor dem Alter lasen, in dem dann andere Publikationen aus der Bahnhofsbuchhandlung interessanter wurden.

Die Rede ist natürlich von „Perry Rhodan“. Selbst erwachsene Leser, die sonst ihre Nasen eher in Lenin-Bände stecken, kaufen sie noch. Selbst in der UZ-Redaktion wurde schon eins der Heftchen gesichtet. Manche haben sogar den Berufswunsch in die Tat umgesetzt, den die Hefte in ihnen geweckt haben. Bevor übrigens wieder Beschwerden kommen: Ich meine tatsächlich Leser. Ich kenne nicht eine einzige Frau, die Perry Rhodan liest.

Jetzt hat einer, der wahrscheinlich auch schon als Kind mit den Heftchen unter der Bettdecke heimlich weitergelesen hat, die Biografie von Perry Rhodan geschrieben. Und die ist gar nicht mal so schlecht, selbst wenn die Hefte einem eher nicht so zusagen. Andreas Eschbach lässt in seinem Roman „Perry Rhodan. Das größte Abenteuer“ einen Biografen die Geschichte Perry Rhodans bis zu seiner ersten Reise zum Mond und damit dem ersten Zusammentreffen von Menschen und Extraterrestriern erzählen. Perry Rhodan kann dann auch gleich den Dritten Weltkrieg verhindern. Der Fokus liegt allerdings auf dem Weg dahin, und das ist eine ziemlich gut gemachte Nacherzählung einiger geschichtlicher Höhepunkte zwischen 1930 und 1971. Da quält sich der Erzähler in ferner Zukunft zum Beispiel sehr damit, den Leserinnen und Lesern zu erklären, warum der beste Freund des kleinen Perry nicht überall dahin darf, wo Perry hin darf. Der beste Freund ist schwarz und die beiden leben in den USA der Rassentrennung. Rassismus ist halt für vernünftige Menschen eh kaum nachzuvollziehen, in einer Zukunft, in der die auf der Venus lebenden Menschen blaue Haut haben und trotzdem nicht diskriminiert werden, versteht es gleich gar keiner. Dann gibt es noch die Kuba-Krise und den Wettlauf ins All, bei dem Perry Rhodan mit ein bisschen Neid, aber vor allem mit viel Bewunderung auf Juri Gagarin guckt. Vorurteile sind halt nicht so seins, auch nicht gegen Kommunisten. Und natürlich nahm Rhodan an den Märschen der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung teil.

Wir schauen in dem sanft vor sich hinplätscherndem Roman Perry beim Aufwachsen zu, lernen, dass er ein Sofortumschalter (irgendwas mit extrem schneller Reaktionsfähigkeit) ist, ein Gerechtigkeitsfanatiker und ein Sturkopf, der auch mal die Regeln bricht. Halt all das, was man so braucht, wenn man wieder und wieder das Universum retten soll.

Für den Roman bekam Andreas Eschbach dieses Jahr den Kurt-Laßwitz-Preis für den besten Science-Fiction-Roman. Dabei waren echt bessere nominiert. Aber bei einem Preis, bei dem professionell in der Science Fiction tätige Menschen abstimmungsberechtig sind, ist man wahrscheinlich mit der Figur Perry Rhodan ganz weit vorne. Schon allein wegen der schönen Kindheitserinnerungen.

Ich bin übrigens nie Fan der Hefte gewesen. Aber ich war schon als kleines Mädchen in Juri Gagarin verknallt.

Andreas Eschbach:
Perry Rhodan.
Das größte Abenteuer.
Fischer Tor
848 Seiten, 25 Euro.

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"Relativ unsterblich", UZ vom 31. Juli 2020



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