Deutsche Rekrutierungsoffiziere, oder „Karriereberater“, wie es in der Bundeswehr-Sprache heißt, haben ein schweres Leben. Während die Kollegen in der Ukraine ihre Schützlinge direkt in Busse zerren und mit einem kurzen Umweg über die Front ins Massengrab kutschieren dürfen, müssen die deutschen Seelenräuber derzeit noch auf Werbung und „Coolness“ setzen. Dass der Aufwand dafür immer größer wird, zeigte sich beim Finale der deutschen Football-Bundesliga, dem „GFL Bowl“ in Dresden. Dank einer Partnerschaft zwischen der German Football League und der Bundeswehr wurde rund um das Stadion der Kriegsdienst gefeiert. Rekrutierungsstände, Panzerfahrzeuge, eine Flecktarn-Wurfwand und ausgebreitete Tarnnetze über den Sitzreihen empfingen die Sportsfreunde. Dass der Spielball dann noch mit einer Drohne eingeflogen und über dem Spielfeld abgeworfen wurde, wie es sonst mit Sprengsätzen über dem „Feind“ geschieht, rundete das Bild ab. Übrigens gewannen die gastgebenden Dresden Monarchs das Spiel mit 27 zu 19 gegen die Potsdam Royals, die anschließend eine 200 Kilometer lange Heimreise antreten mussten. Da sieht man die Parallelen: Die Verlierer landen im Bus.
Seelenräuber

(Foto: Tim Nunley)
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"Seelenräuber", UZ vom 9. Oktober 2026
