Absetzbewegungen in der Polizei-„Gewerkschaft“

Wendt wirkt endlich

Von nh

Der Fall Wendt schadet endlich auch dem Ansehen der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Viele Mitglieder, vor allem im Landesverband NRW, sollen ihre Mitgliedschaft in der so genannten „Gewerkschaft“ DPolG aufgekündigt haben. In internen Briefen distanzierte sich der NRW-Landesverband deutlich von seinem Bundesvorsitzenden Rainer Wendt. DPolG-Landeschef Erich Rettinghaus war bereits in der vorigen Woche – aus Protest gegen das Verhalten des DPolG-Vorstandes in der Sache Wendt – aus dem Bundesvorstand zurückgetreten.

Wendt hatte über seine Bezüge in einem Interview mit „Report München“ gelogen, neben seiner Bezahlung als Gewerkschaftsfunktionär keinen Beamtensold zu erhalten. Kurz darauf musste er zugeben, vom Land NRW seit Jahren Bezüge als Hauptkommissar in Teilzeit zu erhalten, obgleich er keine Stunde Dienst ableisten musste. Später sprach er davon, insgesamt, also einschließlich der Aufwandsentschädigung durch die GPolG, nicht mehr als sein eigentliches Gehalt von 4 400 Euro brutto als Polizeihauptkommissar zu erhalten. Inzwischen ist bekannt, dass er noch zusätzlich kassiert hatte: Allein aus seiner Tätigkeit in mehreren Aufsichtsräten – so auch bei der französischen Versicherung Axa – erhielt Wendt mindestens 77 000 Euro im Jahr – insgesamt jährlich mehr als 124 000 Euro aus allen Einkünften. Für Axa soll er in Interviews auch intensiv für die Produkte einer Axa-Tochter geworben haben, die vor allem Beamte gegen Lebensrisiken absichert. Hinzu kamen wohl auch noch Auftrittshonorare und Einnahmen aus dem Verkauf seines Buches „Deutschland in Gefahr“, die er seinem „Arbeitgeber“ wahrscheinlich gleichfalls nicht gemeldet hat.

In Nordrhein-Westfalen steht Innenminister Jäger (SPD) nach wie vor im Mittelpunkt der Kritik. Die Linkspartei kritisiert, dass Wendt nun in den Genuss einer Beamtenpension kommen soll, noch ehe die Ergebnisse des gegen ihn laufenden Disziplinarverfahrens vorliegen. Doch der Fall Wendt ist nur die Spitze des Eisberges. Inzwischen ist bekannt, dass Funktionäre der GPolD und des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BDK) auch in anderen Bundesländern auf der Gehaltsliste von Landesregierungen stehen. Doch niemand hat offenbar so abkassiert wie Wendt. Die meisten Betroffenen gehen nach wie vor zumindest einer Teilzeitbeschäftigung als Beamte nach. Mit Hilfe der Beamtenverbandsfunktionäre soll offensichtlich der Einfluss der Gewerkschaft der Polizei im DGB eingedämmt werden.

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"Wendt wirkt endlich", UZ vom 17. März 2017



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