Vor 65 Jahren scheiterten die USA mit ihrer Invasion in der Schweinebucht

72 Stunden im April

Es war ein verdammt schlechter Monat für die USA, der April vor 65 Jahren. Die kolportierte Überlegenheit bekam gleich auf mehreren Ebenen dicke Risse. Zuerst verloren die USA mehr als nur ihr Gesicht. Trotz polternder Propaganda unterlagen sie im Wettlauf ins All. Am 12. April 1961 jubelte die Welt Juri Gagarin zu, dem ersten Menschen im Weltall, einem Sowjetbürger.

Doch es kam schlimmer für den US-Imperialismus und sein regierendes Personal, selbst im zum Hinterhof degradierten Rest des Kontinents wurde endgültig nicht mehr gespurt: Am 16. April 1961 verkündete der siegreiche Revolutionär Fidel Castro, es sei eine „Tatsache, dass unsere Revolution eine sozialistische Revolution ist“.

Die USA regierten umgehend und gaben das „Go!“ für eine Invasion von Exilkubanern an der Playa Girón, der Schweinebucht. Wenn sie gewusst hätten, was ihnen bevorstand – sie hätten besser „No!“ gesagt.

Überzeugende Revolutionäre

Bereits der Versuch der Revolution in Kuba war ein Schlag ins Gesicht des US-Imperialismus, nicht nur geopolitisch. Das politische Establishment wollte die schöne Karibikinsel weiterhin ausbeuten, als Spielerparadies der Mafia und als Bordell für die Reichen und Schönen halten. Doch dann landeten bärtige Revolutionäre in einer Nussschale auf der Insel, schafften sich Stützpunkte in den Bergen, überzeugten die Bevölkerung, brachten ihr nebenher Lesen und Schreiben bei und jagten den Statthalter Fulgencio Batista, das neokoloniale Joch und die Vergangenheit davon. Am Abend des 1. Januar 1959 verkündete Fidel Castro in Santiago de Cuba den Sieg der Revolution. Am Tag darauf erreichten die ersten Rebellenverbände Havanna.

Die USA griffen zu dem Mittel, mit dem sie heute noch versuchen, die kubanische Revolution zum Scheitern zu bringen: Sie sperrten die Öllieferungen nach Kuba. Das war der Beginn der Blockade, die Not und Elend nach Kuba bringen sollte, um die Bevölkerung zu einem Aufstand gegen ihre eigne Revolution anzustacheln. Doch die So­wjet­union sprang ein, lieferte Öl an die Karibikinsel, und als sich die US-Erdölraffinerien – auf Anweisung der US-Regierung – weigerten, das sowjetische Öl zu verarbeiten, wurden sie wegen dieses eklatanten Vertragsbruchs verstaatlicht.

Putschpläne der USA

Für die USA blieb als nächste Karte die, die sie immer gezückt haben und zücken, wenn ihnen ein Staat auf der Welt, seine Regierung und seine Bevölkerung nicht passen, weil sie den Profiten und der Vorherrschaft des US-Imperialismus im Wege stehen: Militärisches Eingreifen. US-Präsident Dwight D. Eisenhower und seine Regierung beauftragten die CIA, einen Putsch in Kuba vorzubereiten. Das sich als kubanische Exilregierung ausgebende und in Florida residierende Trüppchen von Batista-Freunden (der Diktator selbst war über die Dominikanische Republik nach Portugal geflohen, wo er bis zu seinem Tod 1973 wohnhaft blieb) hätte um Hilfe rufen sollen, die USA wären ihnen mit einem Militärschlag zur Seite gesprungen, die Revolution wäre beerdigt worden – so die Pläne der USA.

Vor den Präsidentschaftswahlen in den USA im Jahr 1960 wurde das aber nicht mehr umgesetzt. Dann verlor Eisenhowers Wunschkandidat Richard Nixon die Wahl und John F. Kennedy wünschte sich eine andere Begründung für einen US-Angriff auf Kuba.

Der frisch vereidigte Kennedy wollte gern einen Militärschlag gegen eine Bedrohung der USA inszenieren. „Könnte man nicht behaupten, das eigentliche Angriffsziel wären moderne Düsenbomber und Raketen, die Amerikas Sicherheit bedrohten?“, fragte er seine Berater. Ein Schelm, wer jetzt an den US-israelischen Krieg gegen den Iran denkt.

Doch Kuba konnte man im Jahr 1961 wirklich kein hochmodernes Arsenal unterstellen. Kennedy wurde von der offensichtlichen Lüge abgeraten. Also mussten Kubaner her, die sich aus dem Exil aufmachen, um ihr Land zu retten. Denn auf der nun sozialistischen Karibikinsel ließ sich keine Opposition finden, die sich für einen Ruf nach militärischer Unterstützung durch die USA hergab.

Lügen ohne Ende

So begann die CIA Hunderte von Exilkubanern auszubilden, damit sie (dann unter dem Namen Brigade 2506) eine Invasion in Kuba beginnen konnten, die dann mit US-Unterstützung zum Erfolg geführt werden sollte. Zunächst sollten die Contras einen Guerillakrieg führen, die USA wollten sich die Hände nicht in aller Öffentlichkeit schmutzig machen, sondern als Helden zur Unterstützung eilen. Spoiler: Das ist auf allen Ebenen schief gegangen.

Kennedy, der gern als Saubermann und integrer Präsident dastehen wollte, ließ das Ausbildungslager der CIA in Guatemala nicht schließen, den Möchtegernkommandanten der Möchtegerninvasion aber mitteilen, die USA würden nicht sofort eingreifen: Erst müssten die Contras ein nennenswertes Gebiet Kubas erobern. Am 12. April 1961 (wahrscheinlich kurz vor einem Wutanfall im Oval Office ob des Allflugs von Gagarin) ließ er sich sogar noch zu der Lüge hinreißen, es werde „unter keinen Umständen eine Intervention in Kuba durch US-Streitkräfte“ stattfinden und die US-Regierung tue alles, „um sicherzustellen, dass keine Amerikaner in irgendwelche Aktionen innerhalb von Kuba involviert sind“. Selbst als die scheiternden Invasoren schon in der Schweinebucht zugange waren, schrieb Kennedy noch an Nikita Chruschtschow, die USA hätten keinerlei Absichten, in Kuba militärisch aktiv zu werden.

Bevölkerung trotzt Contras

Am 15. April bombardierten Flugzeuge der US-Air-Force – schlecht getarnt mit kubanischen Hoheitszeichen – drei kubanische Flugplätze, fünf von ihnen wurden von den Kubanern sofort abgeschossen. Das zog eine Debatte in der Vollversammlung der Vereinten Nationen nach sich, woraufhin der US-Außenminister Dean Rusk einen zweiten Luftangriff stoppen ließ. Die CIA versuchte verzweifelt Kennedy zu erreichen, der den Außenminister zur Räson bringen und ein Machtwort sprechen sollte. Doch der Präsident war ins Wochenende entschwunden und nicht greifbar. Auf die Niederschlagung der Invasion hätte aber auch eine zweite Bombardierung keinen Einfluss gehabt, Kuba hatte bewiesen, dass es in der Lage war, seinen Luftraum zu schützen.

Und dann ging alles ganz schnell: Aus dem CIA-Lager in Guatemala kommend, landeten um die 1.300 Contras unter dem Kommando von zwei CIA-Agenten mit Hilfe der US-Marine in der Playa Girón. Die Kubaner zerstörten ihre Munitionsschiffe umgehend aus der Luft. Unter Leitung ihres Comandante en Jefe, Fidel Castro Ruz, stellten sich Milizen, revolutionäre Streitkräfte und die Bevölkerung den Contras in den Weg.

Die USA bewiesen erneut, dass ihnen kein Mittel zu dreckig ist: Am 18. und 19. April schickten sie B-26-Bomber zur Unterstützung der konterrevolutionären Aggressoren, setzten das später im Vietnam-Krieg berüchtigt gewordene Napalm ein – die gefangen genommenen Besatzungen der abgeschossenen Flugzeuge entpuppten sich als US-Bürger.

Doch nach 72 Stunden war der Spuk vorbei: Die kubanische Revolution hatte ihre Angreifer erfolgreich zurückgeschlagen. Die USA kassierte die nächste Niederlage des Aprils 1961.

Bei den Angriffen der Contras verloren 176 Verteidiger der Revolution ihr Leben, über 300 wurden verletzt. Auf Seiten der Contras starben 200 Söldner, 1.192 wurden festgenommen. An den Gefangenen zeigte sich, wer dort für welche Sache kämpfte: Plantagenbesitzer, Immobilien- und Fabrikbesitzer sowie Militärs aus der Armee Batistas waren unter den gefangenen Angreifern. Gemeinsam besaßen sie vor der Revolution insgesamt 923.000 Morgen Land, 9.666 Gebäude und Mietshäuser, 70 Fabriken, zwölf Nachtklubs, zehn Werke zur Zuckerverarbeitung, fünf Bergwerke und drei Banken. Sie konnten ihre Ausbeutungsinstrumente nicht zurückerlangen.

Nicht kleinzukriegen

Die Invasion scheiterte nicht nur aus militärischen Gründen. Zwar gelang es den Exilkubanern nicht, eine Landepiste lang genug zu halten, um ihre „Regierung“ aus Miami einfliegen zu lassen und so eine Begründung für einen offiziellen militärischen Angriff der USA zu schaffen. Auch mit der Geheimhaltung haperte es, saßen doch viel zu viele Contras mit viel zu lockerem Mundwerk in den Bars von Miami. Und auch die Fähigkeiten, die sich die kubanischen Revolutionäre im Guerillakrieg angeeignet hatten, dürfen nicht unterschätzt werden. Doch vor allem war es die Bevölkerung Kubas, die sich die Errungenschaften ihrer Revolution nicht nehmen lassen wollte. Gesundheitsversorgung, Alphabetisierung, Bildung, Infrastruktur – all das war unter der Diktatur Batistas und im Dasein Kubas als Bordell der USA nur ein ferner Traum für die Bewohnerinnen und Bewohner der entlegenen Region um die Schweinebucht gewesen. Sie waren es, die bereit waren, diese Errungenschaften, ihre Freiheit und die ihrer Kinder mit der Waffe zu verteidigen. Und sie lassen sich bis heute nicht kleinkriegen.

Für die USA waren diese 72 Stunden im April 1961 eine politische Katastrophe – und eine Schmach, die sie bis heute nicht verziehen haben. In der Folge eskalierten sie nicht nur bis zur Kuba-Krise im Folgejahr, sondern arbeiteten umgehend an weiteren Operationen, um die kubanische Revolution zu Fall zu bringen. Dazu gehörten und gehören Terroranschläge auf die Zivilbevölkerung in Kuba, auf Luft- und Seefahrt, unzählige Mordversuche auf den Präsidenten Fidel Castro und vor allem eine völkerrechtswidrige, mörderische Blockade, die das kubanische Volk in die Knie zwingen soll. Und die USA legten ihre menschenverachtenden Gründe und Ziele dabei unverhohlen offen. Der Staatssekretär Lester Mallory formulierte in dem Memorandum zur Blockade: „Die Mehrheit der Kubaner unterstützt Castro. Es gibt keine wirksame politische Opposition. Das einzige Mittel, um ihm interne Unterstützung zu nehmen, ist, mittels Enttäuschung und Unzufriedenheit aufgrund wirtschaftlicher Mängel und Elends … das Wirtschaftsleben zu schwächen … und Kuba Geld und Versorgung zu rauben, um die Nominal- und Reallöhne zu reduzieren und durch Hunger und Verzweiflung den Sturz der Regierung hervorzurufen.“

Not und Elend sollen herrschen in den Straßen Havannas und aller Städte und Dörfer der sozialistischen Karibikinsel, damit sich das Volk wieder willig in Unfreiheit, Ausbeutung und Abhängigkeit begibt. Doch die Kubanerinnen und Kubaner stellen sich der Blockade bis heute so entschlossen entgegen, wie sie sich auch den Handlangern des US-Imperialismus in der Playa Girón entgegengestellt haben.

[author_box]

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"72 Stunden im April", UZ vom 17. April 2026



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Stern.



    Spenden für DKP
    Unsere Zeit