Abseits des Energie-Stadions und dem städtischem Alltag hat das selbst organisierte Pfingstcamp gegen die Wehrpflicht der ostdeutschen Landesverbände der SDAJ seine Wurzeln im Chekov/Strombad Cottbus geschlagen, mittig zwischen Berlin und Dresden. Strahlender Sonnenschein und die idyllische Badestelle an der Spree verrieten bereits zu Beginn, dass der alternative Jugendclub mit umliegendem Gelände die perfekte Atmosphäre für drei Tage voller kollektiver Bildung und Spaß schafft. Als sich die Tore am Freitagnachmittag öffneten, luden Workshop-Zelte, Bühnen und Bars, umringt von Bäumen und Vogelgezwitscher, zu einem vielversprechenden politischen Kurzurlaub ein. „Es ist so schön, das Pfingstcamp wieder in der Stadt zu wissen“, äußerten sich einige Locals, die das letzte Pfingstcamp im Chekov vor 10 Jahren erlebt hatten.
Die ostdeutschen SDAJ-Gruppen schafften es, neben der DKP vermehrt lokale Akteure einzubeziehen und so Umfeld und friedensbewegte Menschen vor Ort zu erreichen. Dem Prinzip „Von Jugendlichen, für Jugendliche“ machte die Veranstaltung mit einer beeindruckenden Anzahl von Schülerinnen und Schülern, insbesondere aus Berlin und Cottbus, alle Ehre.
Inhaltlich strahlte das Camp einen klar antimilitaristischen Charakter aus. In dem Workshop zur „Militarisierung im Krankenhaus“ sprachen Aktive der Charité Berlin über ihre antimilitaristische Praxis im Betrieb.
Markus Staiger, in der Berliner Rap-Szene und Palästina-Solidaritätsbewegung verankert, debattierte im Gespräch über Potentiale und Herausforderungen der Musikszene als Zugang zu und Verknüpfung mit politischen Themen.
Im Rahmen der Podiumsdiskussion am Samstagabend sprachen Experten aus der Friedens-AG der GEW Leipzig, ein Mitglied der SDAJ und DKP sowie einer Schülerin des Schulstreik-Komitees Cottbus über die bundesweite Schulstreik-Bewegung und brachten Perspektiven verschiedener Organisationen zusammen. Sie erläuterten, wie friedensbewegte, antimilitaristische Kämpfe insbesondere in der Jugend weiter aufleben können. Darüber hinaus gab es diverse Möglichkeiten für Schüler und Unterstützer, sich über praktische Arbeit im Streik-Komitee und an den Schulen zu beraten, über Erfahrungen und mögliche nächste Schritte auszutauschen. Spannende Einblicke teilte die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) zur Kriegsdienstverweigerung. Ein Zeitzeuge der Aktion Demokratischer Soldaten (ADS), der als Mitglied von DKP und SDAJ in der Bundeswehr aktiv war, berichtete über sein Wirken dort.
Auch der lokale Bezug kam nicht zu knapp. Die Runde „Neofaschismus in Ostdeutschland“ setzte sich mit interessengeleitetem Antifaschismus, Neofaschismus seit 1945 und den Kontinuitäten ehemaliger NS-Netzwerke auseinander. Vor dem Hintergrund, dass faschistische Ideologie und Demagogie in Ostdeutschland besonders verfängt, bot es den Aktiven die Möglichkeit, ostspezifische Erfahrungen zu teilen und über antifaschistische Kämpfe sowie der Praxis vor Ort zu sprechen. Für alle Fußballbegeisterten war „Klassenkampf im Fanblock“ Pflichtrunde.
Kulturell umrahmt wurde das Programm mit vielfältigen Angeboten wie dem Workshop „Graffiti gegen Wehrpflicht“ zum Mitmachen, Workshops über Boxen, Videoarbeit und Kräuterkunde sowie einer vielseitigen musikalischen Abendgestaltung. Rosenrausch begeisterte mit Indie-Rock, Gloom strahlte trotz kleiner Diskografie mit roher Energie.
Stimmungsvoll startete der Sonntagabend mit dem Verbandstreffen. Dort sprach Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP. Die SDAJ begrüßte ihre neuen Mitglieder. Alle Teilnehmer sprachen dem sozialistischen Kuba ihre Solidarität aus. Den musikalischen Auftakt besorgte G’emma mit Soul und Jazz, einfühlsamen Texten und einer Stimme, die eine Nähe zum Publikum schaffte, wie man sie selten erlebt. Mit dem Sonnenuntergang im Rücken und rotem Rauch auf der Freiluftbühne heizte der Berliner Rapper Masur den Massen ein, bevor es zum kollektiven Arbeiterlieder-Singen ins Chekov ging. Singend, tanzend, lachend und mit dem Klirren von Bier- und Cocktail-Gläsern im Hintergrund neigte sich Pfingsten dem Ende zu.
Das Camp gegen die Wehrpflicht setzte ein klares Zeichen in Cottbus und strahlt auf ganz Ostdeutschland aus: Der Kriegskurs, das kapitalistische System und die massiven Repressionen gegen das sozialistische Kuba machen Widerstand zu unserer Pflicht. Eine bessere Welt ist möglich – und die Jugend kämpft dafür!
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