Aktion Absurd am Babylon

Der Kino-Streik im Babylon Berlin nimmt „absurde und äußerst fragwürdige Dimensionen an“, wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) in einer Pressemitteilung schreibt, „und das liegt nicht an den streikenden ver.di-Mitgliedern, sondern am Geschäftsführer des Babylon Berlin, Herr Grossman“. Der hatte sich am 6. Oktober als Streikender verkleidet und die Fenster des Kinos mit Davidsternen bemalt und über dem Kinoeingang ein Plakat mit der Aufschrift: „Boykott! Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht im Babylon!“ aufgehängt. Ein Video, das die Aktion zeigt, ist auf dem youtube-Kanal der Fachgruppe Medien NRW zu sehen.

Der Vorgang sei eine „völlig irrationale Aktion des Arbeitgebers“, die „den legalen Streik der Beschäftigten um höhere Löhne“ in die Nähe von „nationalsozialistischen Umtrieben, Gewaltaktionen und Pogromen“ rücke, wie ver.di mitteilte.

„ver.di distanziert sich von derlei Aktionen, die auf unerträgliche Art und Weise Aufmerksamkeit erheischen sollen“, so Andreas Köhn, der zuständige ver.di-Verhandlungsführer.

ver.di bestreikt seit dem 23. Juli 2015 das Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin.

„Der unbefristete Arbeitskampf der Beschäftigten ist notwendig, weil die Geschäftsleitung sich weigert, in Tarifverhandlungen ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen“, erläuterte Andreas Köhn. ver.di setze sich dafür ein, dass im Babylon der für kommunale Kinos maßgebende Tarifvertrag angewendet wird, denn es könne nicht sein, dass Steuergelder in ein Privatkino fließen, das Dumpinglöhne zahle.

Seit fünf Jahren gab es im Bereich der Filmvorführer (Stundenlohn 9,03 Euro) keine Entgelterhöhung mehr. Lediglich der Stundenlohn für Platzanweiser u. a. wurde zum 1. Januar 2014 auf den jetzt geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro erhöht.

Gleichzeitig sind die Eintrittspreise und die Preise für Einmietung in diesem Zeitraum um teilweise 20 Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der Besucher hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Zum 31. Dezember 2014 kündigte ver.di den bestehenden Tarifvertrag und forderte die Geschäftsführung zu Tarifverhandlungen auf. Nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden hat der Arbeitgeber bislang kein substantielles Angebot vorgelegt.

Er vertröstete die Beschäftigten auf eine mögliche Entgelterhöhung ab 1. Januar 2016, weil nach seiner Aussage aus eigenen Mitteln kein Spielraum vorhanden sei.

(Ein Interview mit Andreas Köhn zum Streik am Kino Babylon ist in der UZ-Ausgabe vom 21. August 2015 erschienen)

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"Aktion Absurd am Babylon", UZ vom 16. Oktober 2015



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