Amazon macht Beschäftigte krank

Arzt statt Gewerkschaft

Von Lars Mörking

Nach Berichten der britischen Tageszeitung „Morning Star“ haben am sogenannten „Black Friday“ in ganz Britannien Menschen vor den Lagerhäusern des Online-Händlers Amazon protestiert. Sie wollten damit auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen hinweisen, die zu Amazons Expansionsstrategie gehören.

Die Gewerkschaft GMB vertritt die Interessen von Amazon-Beschäftigten, wird aber – wie ver.di in Deutschland – von Amazon als Verhandlungspartner nicht anerkannt. Amazon vertritt die Auffassung, dass die Beschäftigten keine gewerkschaftliche Vertretung brauchen, weil der Konzern selbst am besten wisse, was den Beschäftigten zuzumuten ist und wie sie zu bezahlen sind.

Und was Beschäftigten bei Amazon zugemutet wird, ist offenbar mehr, als die Gesundheit zulässt: 600 Mal fuhr der Krankenwagen in den letzten drei Jahren bei Amazon in Britannien vor, um gebrochene Knochen, Stromschläge oder Brustschmerzen zu behandeln. Manchmal ging es um Menschen, die einfach kollabierten.

Auch mit dem Mutterschutz nimmt Amazon es nicht so genau. Die Gewerkschaft GMB hat einen Katalog von Zeugenaussagen von Amazon-Beschäftigten veröffentlicht. Unter ihnen ist eine schwangere Frau, die angibt, dass sie 10 Stunden ohne Stuhl stehen und arbeiten musste, obwohl bekannt war, dass sie schwanger ist. Sie sei sogar direkt aufgefordert worden, hart zu arbeiten. GMB-Generalsekretär Tim Roache sagte dazu, dass die Arbeitsbedingungen bei Amazon „offen gesagt unmenschlich“ seien.

Ein weiterer Beschäftigter schildert die Situation so: „Man kann nicht atmen oder eine Meinung äußern, man fühlt sich wie ein gefangenes Tier.“ Und ein weiterer Beschäftigter gibt an, für Amazon nur eine austauschbare Zahl zu sein: „Wenn du gesundheitliche Probleme hast, dann wirst du ausbezahlt und durch Leiharbeiter ersetzt, die zu (schlechteren) Bedingungen arbeiten.“

Arbeiter im Lager von Amazon in Rugeley in Staffordshire sollen eine „Toilettenflasche“ mitgenommen haben, weil ihnen keine Zeit für den Gang zur Toilette eingeräumt wurde.

Der Amazon-Gründer Jeff Bezos verdient mit diesen Methoden alle neun Sekunden den Jahreslohn eines mittleren Amazon-Angestellten.

  • Aktuelle Beiträge
Über den Autor

Lars Mörking (Jahrgang 1977) ist Politikwissenschaftler und Chefredakteur der UZ. Er arbeitet seit 2011 bei der Zeitung der DKP, zunächst als Redakteur für „Wirtschaft & Soziales“, anschließend übernahm er das Ressort „Internationale Politik“.

Mörking arbeitete nach seinem Studium in Peking und war dort Mitarbeiter der Zeitschrift „China heute“, die in mehreren Sprachen von der staatseigenen China International Publishing Group herausgegeben wird.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Arzt statt Gewerkschaft", UZ vom 30. November 2018



Bitte beweisen Sie, dass Sie ein Mensch sind und wählen Sie die Flagge aus.

Vorherige

„Die EU steht für Ausbeutung“

DKP: Wir brauchen die Rote Hilfe

Nächste

Das könnte sie auch interessieren