Ex-Amazon-Chef Bezos verkauft im großen Umfang Aktien und vermeidet durch Umzug Steuerzahlungen in Millionenhöhe

Geldgeier sind Zugvögel

Der Gründer und ehemalige Chef von Amazon, Jeff Bezos, hat sich laut Berichten des Nachrichtensenders CNBC in der vergangenen Woche von Amazon-Aktien im Wert von über zwei Millarden US-Dollar getrennt. Es ist das dritte Mal in diesem Monat, dass Bezos große Anteile des Konzerns verkauft. Insgesamt soll der Erlös bei über sechs Milliarden US-Dollar liegen. Und er plane, weitere Millionen Aktien zu verkaufen, so CNBC.

Jeff Bezos ist zwar bekannt für seine teuren Hobbys. Geldsorgen sind jedoch nicht der Grund, weshalb er jetzt in großem Umfang Aktien abstößt. Mehr als 1,5 Millionen Amazon-Beschäftigte weltweit schuften schwer dafür, dass Bezos nie das Geld ausgeht – trotz seiner bizarren Anschaffungen wie der größten Segelyacht der Welt, seiner Ausflüge in den Weltraum und dem Erwerb von absurd teuren Luxusvillen. Das Gegenteil ist der Fall: Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzte sein Vermögen im Juni 2023 auf 153 Milliarden US-Dollar. Damit ist Bezos einer der reichsten Menschen der Welt.

Nicht nur die Amazon-Arbeiterinnen und -Arbeiter haben ihren Anteil am Reichtum des Mannes, den der Internationale Gewerkschaftsbund 2014 zum schlechtesten Chef der Welt wählte. Auch Steuerzahler haben ihren Teil dazu beigetragen. Bezos soll zwischen 2014 bis 2018 – da war er noch CEO von Amazon – weniger als 1 Prozent Einkommensteuer gezahlt haben. Gleichzeitig stellte der Staat dem Monopolisten im Onlinehandel nicht nur die nötige Infrastruktur bereit, sondern subventionierte ihn kräftig. Von Amazon-Beschäftigten in den USA ist sogar bekannt, dass sie aufgrund der niedrigen Löhne auf Sozialleistungen wie Lebensmittelgutscheine zurückgreifen mussten, um über die Runden zu kommen.

Am überaus erfolgreichen Prinzip, einerseits staatliche Zuschüsse abzugreifen und andererseits kaum oder keine Steuern zu zahlen, hält Bezos auch nach seiner Zeit als Amazon-Chef fest. Durch die Anschaffung von Luxusvillen hat er vermieden, Steuerzahlungen auf die durch Aktienverkäufe erzielten Einkünfte zu zahlen. In Florida kaufte sich Bezos zwei Immobilien für 147 Millionen US-Dollar im Indian Creek Valley, einer Insel vor Miami, auf der ein paar wenige Milliardäre abgeschirmt von der restlichen Welt leben. Er gibt an, dort leben zu wollen, weil er dann näher bei seinen Eltern wohne und sich besser um das Werk seines Unternehmens „Blue Origin“ in Cape Canaveral kümmern könne. Tatsächlich aber hat er damit vor allem vermieden, Steuern zahlen zu müssen. Denn 2022 führte der Bundesstaat Washington, in dem er bisher offiziell sein Dasein fristete, eine Kapitalertragssteuer von 7 Prozent auf Gewinne von mehr als 250.000 US-Dollar ein. Eine solche Steuer gibt es in Florida nicht. Laut Berichten des „Business Insider“ könnte Bezos also durch seinen Umzug mehr als 610 Millionen US-Dollar „sparen“. Damit hat sich der Kauf der Luxus-Anwesen faktisch mehrfach rentiert.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Ex-CEO von Amazon Aktien seines Konzerns verkauft und angegeben, künftig vermehrt „philan­thropische“ Aktivitäten zu finanzieren. Von 1998 bis 2021 hatte er regelmäßig Aktien abgestoßen – also bis zur Einführung der Kapitalertragssteuer in seinem bisherigen Heimatstaat Washington. „Amazon Watchblog“ berichtet, dass Bezos die Absicht hat, weitere Aktien zu verkaufen. Einem aktuellen Unternehmensbericht sei zu entnehmen, dass Bezos im Zeitraum bis Ende Januar 2025 bis zu 50 Millionen Amazon-Aktien abstoßen wolle. Es fehlten also „nur noch“ weitere 14 Millionen Aktien, um dieses Ziel zu erreichen.

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Über den Autor

Lars Mörking (Jahrgang 1977) ist Politikwissenschaftler. Er arbeitete nach seinem Studium in Peking und war dort Mitarbeiter der Zeitschrift „China heute“.

Mörking arbeitet seit 2011 bei der UZ, zunächst als Redakteur für „Wirtschaft & Soziales“, anschließend als Verantwortlicher für „Internationale Politik“ und zuletzt – bis Anfang 2020 – als Chefredakteur.

 

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"Geldgeier sind Zugvögel", UZ vom 23. Februar 2024



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