Öl- und Gasmonopole als Profiteure des US-israelischen Überfalls auf den Iran

Blut für Öl – das schmiert die Kurse

Fracking-Öl ist erst rentabel gewinnbar, wenn der Ölpreis bei etwa 60 US-Dollar pro Barrel liegt. Es werden auch höhere, sogenannte Break-even-prices von 80 bis 90 US-Dollar genannt. Vor dem Überfall auf den Iran drohte der Ölpreis – an dem sich auch der Gaspreis orientiert – unter diese Grenze zu fallen. Große und erst recht kleinere Produzenten dieses ziemlich giftigen Gases/Öls, das vor allem als Flüssigerdgas (Liquid Natural Gas, LNG), auf den Markt kommt, waren damit in der Gefahr Pleite zu gehen.

Was ist zu tun, damit der Preis nicht weiter fällt? Die Nachfrage muss gesteigert werden. Und wenn die Konjunktur lahmt? Dann muss sich das Angebot eben bei gegebener Nachfrage vermindern. Wie geht das? Angebot/Anbieter müssen aus dem Markt genommen werden. Das geht natürlich nicht freiwillig. Aber es gibt ja Mittel und Wege: Zum Beispiel Pipelines in die Luft zu sprengen, wie im September 2022 mit Nord Stream gesehen. Oder diese und andere Pipelines zu kappen – das wirft Ungarn gerade der Ukraine vor – oder Öl-/Gasfelder zu bombardieren und Raffinerien in Schutt und Asche zu legen. Das passiert seit Wochen unter unseren Fernsehaugen – und die USA und Israel profitieren. Die USA und Israel? Da war doch noch was …

Nachhaltige Zerstörung

Am 28. Februar 2026 überfielen US- und israelische Streitkräfte die Islamische Republik Iran. Der Imperialismus legt die Maske von Demokratie, Völker- und Menschenrecht ab und zeigt ganz offen sein barbarisches Gesicht.

Von Israel wurde das größte bekannte Gasreservoir der Welt getroffen, das South-Pars-/North-Dome-Feld, das unter Wasser im Persischen Golf liegt und zum Teil dem Iran und zum Teil Katar gehört. Israel traf den iranischen Teil. Als Gegenschlag deckte Iran auch Katar mit Schlägen auf die Gasvorkommen ein. Während die Blicke auf die Sperrung der Straße von Hormus und damit auf den stockenden Abtransport bereits geförderten Öls und Flüssiggases gelenkt wurden, gingen die verheerenden Zerstörungen an den Quellen am Publikum vorbei. Die Dauer ihrer Reparatur wird von Experten auf mehrere Jahre berechnet und sie wird viele Milliarden kosten.

Aus gutem Grund steht diese „nachhaltige“ Zerstörung nicht im Blick der Öffentlichkeit. Die Spur führt nämlich zu den Kriegstreibern hinter den Kulissen, hinter den USA und Israel. Denn wer sind die wirklichen Nutznießer, wenn das Angebot sinkt und dadurch der Preis steigt? Natürlich die Energiekonzerne. Und „ganz zufällig“ sind die größten Lieferanten von Fracking-Gas (LNG) aus den USA ExxonMobil und Chevron.

ExxonMobil, Chevron & Co.

Und „ganz zufällig“ soll ab dem 2. Quartal 2026 die neuerrichtete Riesenproduktionsstätte für LNG „Golden Pass“ in Texas/USA liefern können. Die Eigentümer sind ExxonMobil (30 Prozent) und QatarEnergy (70 Prozent). Damit diese Quelle rentabel sprudelt, muss der Preis steigen, also Angebot vom Markt genommen werden. Israel bombt es weg und die dadurch provozierten Gegenschläge des Iran auf Katar bringen das gleiche Ergebnis.

Welche Dimension das hat, dazu schrieb das Internetportal thearabianpost.com: „Qatar Energy, der staatliche Energiekonzern Katars, hat nach iranischen Drohnenangriffen die Produktion in seinen Flüssigerdgas-Exportanlagen eingestellt. Dies führte zu einem massiven Anstieg der globalen Gaspreise und verdeutlichte die Anfälligkeit der Energiemärkte. Durch die Betriebseinstellung in den Industriekomplexen Ras Laffan und Mesaieed, die zusammen die größte LNG-Exportinfrastruktur der Welt bilden, fiel rund ein Fünftel der weltweiten Exportkapazität aus der globalen Lieferkette aus. … Katars LNG-Exporte machten 2025 etwa 19 bis 20 Prozent der weltweiten Seefrachten aus. … In Asien, wo Katar bis 2025 fast ein Drittel der chinesischen und einen bedeutenden Anteil der indischen und japanischen LNG-Importe geliefert haben soll, verschärft sich der Wettbewerb um alternative Lieferquellen. … Große internationale Energiekonzerne mit Beteiligungen am katarischen LNG-Sektor, darunter ExxonMobil, Shell, TotalEnergies und Eni, beobachten die Entwicklungen genau.“ Denn, muss man hinzufügen, die wirklich dicken Extraprofite machen sie, wenn sie das billig förderbare Öl/Gas aus den Ländern des sogenannten Nahen Ostens zu den inzwischen hochgetriebenen Preisen verkaufen können.

Schmiermittel für die Kurse

Und „ganz zufällig“ sind im östlichen Mittelmeer im Einflussbereich der US-Söldner-Kolonie Israel große Gasvorkommen (Felder mit den Namen Gaza Marine, Tamar, Leviathan, Aphrodite) und die dominiert ein Konzern, nämlich Chevron. Und um den Reigen der Kartellschwestern voll zu machen: BP ist seit dem Krieg von 2003 im Irak wieder maßgeblich beim größten irakischen Ölvorkommen Rumaila involviert. Der Konzern hat gerade massiv in Kirkuk investiert, im kurdischen Teil des Irak.

Selbst dieser noch ganz unvollständige Einblick in die Rolle der Öl-und- Gas-Monopole zeigt, worum es in diesem Krieg wirklich geht. Es geht nicht um einen verrückten Trump, nicht um „Mullahs“, Emire und Scheichs oder gar die immer wieder bemühten „Juden“, sondern um nackte Profitinteressen. Es geht um die Aufteilung der Energiequellen unter ein paar Riesenkonzerne, um die Kontrolle über Öl und Gas, immer noch Schlüsselfaktoren in einer vom Kapital beherrschten Weltwirtschaft.

Alle diese Konzerne verzeichnen seit Beginn der Bombardements Höhenflüge an der Börse. Blut für Öl – das schmiert die Kurse.

Katars Schaukelpolitik

Bereits vor Beginn des Kriegs in der Ukraine entstand der „Eindruck, Doha nähere sich der entstehenden Achse China-Russland an. Dieses Signal kam durch eine Reihe langfristiger LNG-Lieferverträge mit chinesischen Abnehmern. Der erste Vertrag wurde im März 2021 abgeschlossen, als Sinopec und Qatar Petroleum ein Zehnjahresabkommen über 2 Millionen Tonnen LNG pro Jahr vereinbarten. Im Dezember desselben Jahres folgte ein weiterer Vertrag, diesmal zwischen Qatar Energy und der Guangdong Energy Group Natural Gas Co., der eine Lieferung von einer Million Tonnen pro Jahr von 2024 bis 2034 mit Verlängerungsoption umfasste. Mehrere ähnlich umfangreiche Verträge wurden in rascher Folge unterzeichnet. Peking und Moskau waren lange davon ausgegangen, dass Katar sich auf ihre Seite schlagen würde, nicht zuletzt weil das Emirat gemeinsam mit Teheran, einem strategischen Partner beider Mächte, über das größte Gasvorkommen der Welt verfügt – das North Field/North Dome auf katarischer und South Pars auf iranischer Seite.“ (oilprice.com, 2. März 2026, siehe hier)

Mit dem Krieg gegen den Iran zeigt der US-Imperialismus auch dem katarischen Herrscher-Clan der Al-Thanis den „großen Stock“. Denn: „Katar geriet bald unter zunehmenden Druck aus Washington, London und Paris, seine intensivere Energiepartnerschaft mit China zu reduzieren und stattdessen langfristige Lieferverpflichtungen mit Europa, vor allem mit Deutschland, dem wirtschaftlichen Zentrum der Europäischen Union (EU), einzugehen.“ (a. a. O.) Man erinnert sich vielleicht an den Besuch des ehemaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck in Katar und seine devote Verbeugung. LNG sollte nach Deutschland fließen. Verträge wurden unterzeichnet, dass ab 2026 geliefert werden soll. 2026? Da war doch was …

Habeck? War da was?

Katar kann gerade nicht liefern, weil seine Anlagen zerstört sind und das ganze Gasfeld in seiner komplexen geologischen Struktur bedroht ist. Dafür kann jetzt Qatar Energy zusammen mit Exxon vom texanischen „Golden Pass“ aus amerikanisches Fracking-Gas zu Höchstpreisen liefern. Und kleiner „Nebeneffekt“: Da ist die Abhängigkeit der BRD vom russischen Gas und von Gazprom auf wundersame Weise ersetzt worden – nicht etwa durch Katar, sondern durch ExxonMobil und die anderen Räuberkonzerne. Und das – ganz Monopolwirtschaft – zu wesentlich höheren Preisen. Insofern wurde der „große Stock“ nicht nur den Kataris, sondern auch dem deutschen Imperialismus gezeigt.

Katar ist, insbesondere über seinen Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA), mit geschätzten Investitionen von über 25 Milliarden Euro einer der bedeutendsten ausländischen Investoren in Deutschland. Die strategischen Beteiligungen konzentrieren sich auf führende deutsche Konzerne; darunter sind beachtliche Anteile an Volkswagen (etwa 10,5 Prozent Stammaktien), RWE (etwa 9 Prozent), Deutsche Bank (6,1 Prozent), Siemens (rund 3 Prozent) und Hapag-Lloyd. Katar ist Abnehmer von Leopard-Panzern.

Um es deutlich zu sagen: Katar ist ein Marionettenstaat im Dienst der bekannten Ölmonopole, der versucht, aus einer Schaukelpolitik zwischen China/Russland und dem imperialistischen Lager und unter Ausnutzung der Differenzen zwischen den imperialistischen Ländern noch höhere Provisionen aus seinen natürlichen Reichtümern zu schlagen – zum Nutzen der halbfeudalen Herrscherfamilie und deren Kompradoren-Hofstaat. Die sind stets bereit, die Inte­ressen der arabischen „Brüder und Schwestern“ zu verkaufen – und damit würdige Partner von Monopol-Deutschland.

Als die USA und die israelische Netanjahu-Regierung am 28. Februar über den Iran herfielen, äußerte sich Kanzler Merz in denkwürdiger Weise. Merz sprach von einem „Dilemma“, weil „gegen ein Regime, das atomar aufrüstet und das eigene Volk brutal unterdrückt“, mit dem Völkerrecht „offensichtlich nichts zu bewirken ist“. Mit der Verurteilung iranischer Rechtsbrüche und mit umfangreichen Sanktionspaketen habe man über Jahrzehnte nur wenig ausrichten können, sagte Merz. „Das hat auch daran gelegen, dass wir nicht bereit waren, grundlegende Inte­ressen notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen.“ Deshalb sei nun „nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren“.

Reiche um Hilfe bitten?

Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass Ministerin Katherina Reiche den Autofahrern zu Hilfe kommt. Sie schaltet das Kartellamt ein, bekannt als zahnloser Tiger ohne Biss gegen Ölmonopole. Sie verfügt, dass die Preise nur einmal pro Tag erhöht werden. Die Konzerne folgen ihr aufs Wort – und das gewaltig, täglich mit einem Schlag. Eine „Wirtschaftsweise“ springt Reiche bei und erklärt sich gegen eine Übergewinnsteuer auf die massiven Profitsteigerungen der Konzerne und erzählt: „Die Regierung muss die Preise wirken lassen, damit die Energienachfrage sinkt.“ Die Märchenerzählerin heißt wirklich Grimm, Veronika Grimm, und steht dem Wirtschaftsrat der CDU als Beraterin bei.

Und der Mann, der die SPD an die 5-Prozent-Klausel herangeführt hat, Lars Klingbeil – gepolstert mit Kriegskrediten von einer Billion Euro –, jammert über klamme Kassen. Wie machen das nur die armen Polen, die Spanier et cetera? Die senken die Steuern, damit der Benzinpreis fast auf Vorkriegsniveau bleibt.

Wie die das machen? Preisobergrenze und Steuern auf Öl und Gas runter! In der BRD dagegen hat der Staat bei steigenden Preisen Öl und Gas erst mal zusätzlich Steuereinnahmen. Auf den Liter Benzin etwa kommen etwa 65,45 Cent Energiesteuer. Die CO₂-Abgabe nochmal 17 Cent. Und darauf, alles fein addiert, kommen dann nochmal 19 Prozent Mehrwertsteuer. Das heißt: Je höher der Preis, desto höher die Mehrwertsteuereinnahmen des Staates.

Neben den Ölmonopolen gibt es also noch einen großen Kriegsgewinnler: den deutschen Staat. Und der will ja schließlich „kriegstüchtig“ werden – bis ihm das Handwerk gelegt wird.

Dieser Beitrag erscheint in erweiterter Fassung in der KAZ Nr. 395 zum 1. Mai.

Conny Renkl schrieb mit der AG Öl der KAZ-Fraktion „Ausrichtung Kommunismus“ in Ausgabe 386 zum Thema „Was hat der Gaza-Krieg mit Öl und Gas zu tun?“. Der Artikel kann hier nachgelesen werden.

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"Blut für Öl – das schmiert die Kurse", UZ vom 17. April 2026



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