Die FIR wird 75 Jahre

Gegen alten Faschismus und neue Kriege

Ende Juni 2026 existiert die Fédération Internationale des Résistants (FIR; „Internationale Föderation der Widerstandskämpfer“) seit 75 Jahren. In ihrer Geschichte spiegeln sich wie unter einem Brennglas die politischen Herausforderungen und Umbrüche dieser Jahrzehnte.

Die erste Organisation der Überlebenden und politisch Verfolgten des Naziregimes entstand schon Ende 1945, als sich die ehemaligen Verfolgten in der Internationalen Föderation ehemaliger politischer Gefangener (FIAPP) vereinigten. Auch die deutsche Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) wurde 1948 als gleichberechtigtes Mitglied in diese internationale Dachorganisation aufgenommen, während deutsche Verbände aus internationalen Gremien noch ausgeschlossen waren. Diese Gemeinsamkeit, entstanden in den Lagern und im antifaschistischen Kampf, wurde jedoch schon bald durch Kalten Krieg und politische Verwerfungen belastet. Seitens der Regierungen wurden in den westlichen Ländern antikommunistische Konkurrenzorganisationen zu den FIR-Verbänden aufgebaut. Auch die Spaltung der kommunistischen Bewegung im Streit um „Titoismus“ führte zu Ausgrenzungen.

Um die Einheit der Überlebenden wieder herzustellen, wurde ein Neuanfang notwendig. Zudem war aus der Sicht der Überlebenden des Faschismus die Gefahr eines heißen Krieges so real, dass im Frühjahr 1951 auf Initiative der FIAPP ein Friedenskongress der internationalen antifaschistischen Bewegung in Wien vorbereitet wurde. Auf diesem Kongress wurde im Juni 1951 die Fédération Internationale des Résistants als parteiübergreifende Dachorganisation gegründet. Sie verband ehemalige Widerstandskämpfer, Deportierte, NS-Gegner und Aktive unterschiedlicher politischer Richtungen aus Ost und West. Der Sitz der FIR wurde in Wien eingerichtet. Als gemeinsame Basis akzeptierten alle Verbände den Schwur von Buchenwald: „Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln. Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit!“

In den folgenden Jahren unterstützte die FIR die Verfolgten des NS-Regimes in sozialen und medizinischen Belangen und setzte sich für die Erinnerung an den Kampf der Partisanen und illegalen Widerstandsgruppen in allen Ländern ein. Gegen das Wiederauftreten von Neofaschisten in verschiedenen Ländern dokumentierte die FIR die Realität der faschistischen Verbrechen. In den 1950er und 1960er Jahren organisierte die FIR Kongresse zu medizinischen, politischen und historischen Themen. Ihre Historische Kommission veröffentlichte in „Hefte der Widerstandsbewegung“ einen ersten Gesamtüberblick über den antifaschistischen Kampf in verschiedenen Ländern Europas.

Seit dem Gründungskongress 1951 war die politische Arbeit der FIR stark mit den Themen Frieden, Abrüstung, Verständigung und Zusammenarbeit der gegensätzlichen politischen Systeme verbunden. Die FIR gab dem ehemaligen Widerstand eine Stimme gegen die militärische Konfrontation. Die Mitgliedsverbände aus West- und Osteuropa starteten eigene Initiativen zur Überwindung der Konfrontationspolitik. Gemeinsam mit anderen Veteranenverbänden bereitete die FIR ein Welttreffen ehemaliger Kriegsteilnehmer für Abrüstung 1979 in Rom vor. Aufgrund solcher Aktivitäten und Initiativen für Abrüstung und internationale Zusammenarbeit wurde die FIR von den Vereinten Nationen zum „Botschafter des Friedens“ ernannt.

Das Wiederauftreten alter und neuer Nazis konnte man nicht nur an der italienischen MSI oder der deutschen NPD erleben. Ewiggestrige versammelten sich bei Treffen faschistischer Traditionsverbände wie HIAG („Hilfsgemeinschaft ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS“) und neofaschistischer Gruppen, nicht nur in der BRD. Diese Gruppen verübten Terroranschläge wie in Bologna, das Oktoberfest-Attentat in München und an anderen Orten. Die FIR war, gemeinsam mit ihren Mitgliedsverbänden, in den 1980er Jahren stark genug, in Straßburg und Köln internationale Massendemonstrationen dagegen zu organisieren, neben anderen Aktivitäten.

Die politischen Umbrüche in Osteuropa Anfang der 1990er Jahre hatten auch massive Auswirkungen auf die Arbeit dieser internationalen Dachorganisation. Die sozialen und politischen Probleme der Partisanen und Widerstandskämpfer in den ehemals sozialistischen Ländern wuchsen, die finanziellen Mittel gingen zurück, und das Durchschnittsalter der Frauen und Männer aus dem Widerstand und Opfer des Faschismus wurde immer höher. Um die Arbeitsfähigkeit der FIR zu bewahren, wurde es notwendig, die Struktur der Organisation zu erneuern, und das Büro 2003 nach Berlin zu verlegen. Dieser Prozess fand seinen Abschluss auf dem XIII. regulären Kongress in Berlin 2004, als die FIR eine neue Satzung verabschiedete, die auch die Integration junger Antifaschistinnen und Antifaschisten vorsieht. Seitdem trägt die Organisation den Namen Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten.

Gegenwärtig hat die FIR Mitgliedsverbände in über fünfundzwanzig europäischen Ländern, in Israel und Lateinamerika. Darunter sind recht aktive und mitgliederstarke Verbände wie ANPI in Italien, SUBNOR in Serbien, URAP in Portugal, die VVN-BdA in Deutschland oder die Russische Union der Veteranen. Andere Verbände haben nur wenige hundert Mitglieder und große Probleme, Angehörige jüngerer Generationen in ihre Reihen zu holen. Doch selbst wenn sich die politischen Rahmenbedingungen geändert haben: die Forderungen „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ sind geblieben.

Eine zentrale Aufgabe der FIR und ihrer Verbände, fast schon ein Alleinstellungsmerkmal, bleibt die Verteidigung der Erinnerung an den Kampf der Völker gegen die faschistische Bedrohung und die Nazi-Barbarei, die Weitergabe der historischen Wahrheit über den Widerstandskampf, über Faschismus und die Bedeutung der Anti-Hitler-Koalition an die nächsten Generationen. Angesichts des Ausscheidens der Zeitzeugengeneration ist das eine wachsende Herausforderung. Geschichtsrevisionistische Angriffe auf die Erinnerung wie die skandalöse Resolution des Europaparlaments vom September 2019 zielen darauf ab, antifaschistische Erinnerungen aus dem kollektiven Gedächtnis der Völker zu löschen, um heute „Kriegsertüchtigung“ zu schaffen. Bei dieser Erinnerung kann es nicht um ritualisiertes Gedenken gehen. Heutigen Generationen muss ein eigener Zugang ermöglicht werden. Mit gesellschaftlichen Partnern organisierte die FIR in den vergangenen Jahren Konferenzen, eine mehrsprachige Ausstellung zum „Europäischen Widerstand gegen den Nazismus“, Gedenkveranstaltungen zu Befreiungstagen und internationale Jugendtreffen – das letzte im April 2025 in der Gedenkstätte Buchenwald.

Die FIR ist auch 75 Jahre nach ihrer Gründung mit ihrem Wirken gegen den Vormarsch der extremen Rechten in Europa, gegen Neofaschismus, Antisemitismus, Rassismus und deren gesellschaftliche Wurzeln mit klaren Stellungnahmen und als Mitstreiter in Bündnissen präsent. Eine Herausforderung für die zukünftige Arbeit der FIR und ihrer Mitgliedsverbände bleibt die Übergabe des Staffelstabes an die nachfolgenden Generationen. Wie das zu organisieren ist, darüber wird der XX. FIR-Kongress im November 2026 in Lissabon beraten.

Unser Autor ist Generalsekretär der FIR

Für Interessierte an der Arbeit der FIR gibt es ein Informationspaket mit zwei Broschüren:
Gedenkstätten der FIR zu antifaschistischem Kampf und Verfolgung, 104 S., Berlin 2021
75 Jahre „Internationale des Antifaschismus“, Kurze Geschichte einer internationalen Vereinigung der Frauen und Männer aus Widerstand und Verfolgung und ihrer Verbände, 44 S., Berlin 2026
Dieses Paket wird gegen eine Spende von 10 Euro abgegeben. Lieferung erfolgt nach Eingang der Spende auf dem Organisations­konto: IBAN: DE04 1001 0010 0543 0541 07, BIC: PBNKDEFF, Kontoinhaber: FIR.
Bitte teilt per E-Mail an office@fir.at die gewünschte Lieferanschrift mit.

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"Gegen alten Faschismus und neue Kriege", UZ vom 26. Juni 2026



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