Es ist eine besondere Mischung aus Koks, Schlagerpop und dem Tragen enger Anzüge, die im Labor des Lebens zusammengegossen werden muss, um einen Menschen in einen Funktionär der Jungen Union zu verwandeln. Erhöht sich die Konzentration derartig entkernter Persönlichkeiten an einem Ort auf mehr als 300, wird dies als „Deutschlandtag“ bezeichnet. Am vergangenen Wochenende war es so weit. Aus dem ganzen Land waren die Sensationsmedien angereist, um den schambefreiten Voyeuren daheim die Trash-TV-würdigen Bilder alt aussehender junger Typen zu übermitteln, die über Söders Witze lachen und den möglichen Merz-Nachfolger Hendrik Wüst mit dem Songschnipsel „You are the best, more than you know“ begrüßen. Als ob das nicht unangenehm genug wäre, wurde auch noch ein Beschluss gegen das drohende rot-grün-rote Bündnis in Berlin gefasst. Mit dem Spruch „Nie wieder ist jetzt“ schafften es die intellektuellen Tiefstapler nicht nur, den Holocaust zu relativieren und der windelweichen Berlin-Koalition eine radikale Aura zu verleihen. Sie stellten mit dem Missbrauch des Antisemitismusvorwurfes auch noch zur Schau, dass ihnen die Unterstützung von Genozid und Apartheid wichtiger ist als der Schutz von Jüdinnen und Juden, die durch die Gleichsetzung von Israel und Judentum als Vorwand für koloniale Politik missbraucht werden. Alles nicht neu, aber so dämlich vorgetragen, dass es schon wieder auffällt. Auch eine Leistung.
Dämlich vorgetragen

(Screenshot: @Junge_Union / X)
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"Dämlich vorgetragen", UZ vom 23. Oktober 2026
