Volksfront- statt Burgfriedenspolitik

Betr.: Beitrag über Volksfrontpolitik, UZ vom 10.7.2015, S. 10
Von Jürgen Lloyd, Krefeld
|    Ausgabe vom 24. Juli 2015

Die UZ hat zur richtigen Zeit einen Beitrag über Kritik an der Volksfrontpolitik wiederveröffentlicht. Nicht nur, weil der 80. Jahrestag des VII. Weltkongresses naht, sondern weil es für uns und für die Arbeit jeder Kommunistischen Partei im Kapitalismus von zentraler Bedeutung ist, diese Strategie und die Fehler ihrer Kritiker zu verstehen.

Die „linke“ Kritik an der Orientierung der KI auf die Volksfrontpolitik beruht wesentlich darauf, dass diese Kritiker nicht in der Lage sind, die Differenz zwischen der kommunistischen Volksfrontpolitik und der reformistischen Burgfriedenspolitik zu verstehen. Letztere zielt darauf, im Kampf für das „kleiner Übel“ ein Bündnis mit der Bourgeoisie einzugehen. Die Volksfrontpolitik zielt im bewussten Gegensatz hierzu auf die Bekämpfung der herrschenden Monopolbourgeoisie. Diese strategische Orientierung ist undenkbar ohne das marxistisch-leninistische Verständnis von monopolkapitalistischer Herrschaft im Imperialismus. Denn die Strategie besteht darin, die politischen Kämpfe entlang dieser klassenmäßig definierten Linie zu organisieren: Die Monopolbourgeoisie auf der einen Seite – die Volksfront mit der dazu notwendig geeinten Arbeiterklasse als ihren Kern auf der anderen Seite.

Zur Ausarbeitung einer solchen Strategie war nur die in der KI organisierte Kommunistische Bewegung in der Lage. Zur Geschichte der „linken“ Kritik an der Volksfrontorientierung gehört daher nicht zufällig, dass sie von den im Artikel genannten Vertretern unter dem Zeichen des „Antistalinismus“ vorgebracht wurde. Das falsche Verständnis der Volksfrontpolitik gibt es jedoch nicht nur von „links“. Auch in unserer Partei gibt es Empfehlungen, es zu unterlassen, bürgerlichen und sozialdemokratischen Orientierungen entschieden entgegenzutreten, nicht auf „revolutionäre Kleinarbeit und Klassenkampf“ zu orientieren, sondern lieber gemeinsam mit einem „antineoliberalen Block“ den Kapitalismus zu transformieren. Zu Unrecht beruft sich dieser Opportunismus nicht selten auf die Lehren des VII. Weltkongresses. Hier zeigt sich die exakt identische Fehldeutung der Volksfrontpolitik, wie bei den „linken“ Kritikern. Beide verwechseln sie Volksfront mit Burgfrieden. Nur dass die „Linken“ eine in Bezug auf Burgfriedenspolitik berechtigte Kritik unzulässig auf die Volksfrontstrategie übertragen, während die Rechten den Burgfrieden fordern und praktizieren.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu Artikel »Volksfront- statt Burgfriedenspolitik«, UZ vom 24. Juli 2015





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.