USA nicht unzufrieden

Von Volker Wirth, Berlin
|    Ausgabe vom 9. Februar 2018

„Erdogan wird sein Ziel, die YPG aus Afrin zu vertreiben, erreichen“, schreibt Manfred Ziegler. Doch ganz so einfach ist das nicht. Das wäre dann nur ein weiteres, diesmal dann ein nordsyrisches, Gebiet, in dem die türkische Armee in einen endlosen Kampf gegen kurdische Partisanen („Terroristen“) verwickelt wird. Das ist bisher so in „Nordkurdistan“, also dem Südosten der Türkei, und auch in den Grenzgebieten von Irakisch-Kurdistan („Südkurdistan“) zur Türkei. (Ähnlich „end- und erfolglos“ bekämpft Teheran „seine“ Kurden in den Grenzregionen zum Irak.)
In einem „ewigen“ Krieg gegen Partisanen, die „im Volk schwimmen wie die Fische im Wasser“, könnte Erdogan, wie bisher schon im Norden Kurdistans, versuchen, „das Wasser auszutrocknen“, d. h. die Bevölkerung in Lager einzusperren oder aber sie weitgehend zu vertreiben. In Nordkurdistan wurde dieser De-facto-Genozidversuch von der „internationalen Gemeinschaft“ und speziell der US-beherrschten NATO bisher ruhig hingenommen. Nicht zuletzt von der Merkel-Gabriel-Regierung.
Vorläufig sind die USA, das ist richtig, mit der Lage nicht unzufrieden: Nordostsyrien bis zum Euphrat und wegen des dortigen Straßenverlaufs auch das westlich des Flusses gelegene Manbidsch haben sie scheinbar fest in der Hand, zusammen mit der YPG, und unterbrechen so weitgehend die sogenannte „schiitische Achse“ Iran-Irak-Syrien bis hin zur Hisbollah im Libanon. Nach wie vor streben sie vor allem den Sturz des arabisch-nationalistischen Assad-Regimes an. Auch um Russland einen weiteren Dämpfer zu verpassen.
Langfristige Planungen von Stratfor und anderen US-„Thinktanks“ gehen jedoch schon – zumindest als Möglichkeit – von einem eng mit den USA verbündeten „Großkurdistan“ an der Nahtstelle (und zum Nachteil) der „Völkergefängnisse“ Iran, Irak, Syrien und Türkei aus. Jedenfalls wenn sich die Türkei weiter Russland annähert und Iran weiterhin die Hisbollah sowie die Rebellen im Jemen gegen das US-Hätschelregime in Saudi-Arabien unterstützt.


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