Haustarif erkämpft

Hochtief-Belegschaft stolz auf Organisationsgrad
Von Peter Köster
|    Ausgabe vom 15. Juni 2018

Nachdem der Konzern Hochtief unter der Führung der neuen Inhaber aus Spanien vor gut drei Jahren aus dem Unternehmerverband Bauindustrie ausgetreten war mit dem Ziel, die bestehenden Tarifbindungen abzuschütteln, sind nun zwischenzeitlich zwei Haustarifverträge verhandelt worden. Die Unternehmensführung provozierte mit dem Angebot 1,7 Prozent Lohnerhöhung für ein Jahr. Darauf reagierte die Belegschaft mit zahlreichen betrieblichen Aktionen, unter anderem verlängerten Mittagspausen, Protestaktionen vor und während der Arbeit auf den Baustellen und Informationsversammlungen der Tarifkommission für die Beschäftigten.
Die Nähe der gewerkschaftlichen Tarifkommissionsmitglieder zur Belegschaft gab der innerbetrieblichen Informations- und Aktionspolitik der IG BAU den entscheidenden Schub zur Mobilisierung. In fünf Verhandlungsrunden konnte „in letzter Minute“, wie die Tarifkommission es formulierte, und nach Abschluss des Tarifkampfes in der Fläche des Bauhauptgewerbes das bisher beste Ergebnis für die Hochtiefbelegschaft erreicht werden. Diese Runde verlief zeitgleich mit den Tarifverhandlungen im Bauhauptgewerbe, dem auch Hochtief weiterhin zuzuordnen ist. Die Belegschaft zeigte bis zum Ende deutlich ihre Entschlossenheit zu einem Streik im Hauskampf.
Verhandelt wurden neben einer Entgelterhöhung für Belegschaft und Ausbildung auch die Abschaffung der Entgeltdifferenzierung zu Berlin und Ost, das 13. Monatseinkommen und die Berücksichtigung der Wegezeit als Arbeitszeit. Erreicht wurde eine Erhöhung der Einkommen über 24 Monate um 7,14 Prozent. Zusätzlich gibt es Einmalzahlungen, verteilt über zwei Jahre in differenzierten Höhen für angestellte und gewerbliche Beschäftigte.
Die Ausbildungsvergütung wird um 65 Euro pro Monat erhöht. Die Fahrt- und Unterkunftskosten für Auszubildende werden vom Unternehmen übernommen. Ab dem 1. Mai 2018 gelten gleiche Tarifentgelte für West und Ost. Das 13. Monatseinkommen gilt analog des Westtarifvertrages bundesweit.
Zum Thema „Wegezeit gleich Arbeitszeit“ wurde eine technische Kommission vereinbart, die innerhalb der nächsten 15 Monate Vorschläge erarbeiten soll.
Das Tarifergebnis ist durch die deutlich angewachsene Mitgliedschaft in der Gewerkschaft, der IG BAU, möglich geworden. Darauf ist die Belegschaft zu Recht stolz.


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