Zum geplanten Treffen Kim Jong-uns mit Donald Trump

Einladung zum Hamburger

Von Klaus Wagener

Man kann nicht gerade behaupten, dass die große Begeisterung ausgebrochen ist. „Es könnte der Super-GAU drohen: Krieg zum Zwecke der Gesichtswahrung“, argwöhnt der „Focus“. „Kim hat die Manege gebaut – Trump lässt sich hin­einführen“, moniert die „Süddeutsche Zeitung“. „Weiß Trump, worauf er sich eingelassen hat?“, fragt uns die „FAZ“. Das überraschende Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un geht nicht nur den deutschen Mainstream-Medien ganz offensichtlich gegen den Strich. „Was zur Hölle ist falsch daran zu reden?“, hatte der künftige US-Präsident schon 2016 zu einem Treffen („auf einen Hamburger“) mit dem Führer der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (KDVR) gesagt. Und sich schon damals den Argwohn der US-Kriegsfalken zugezogen.

Unbotmäßigen Sklavenvölkern droht man mit Vernichtung. Und wenn das nicht hilft, realisiert man die Drohung. Diese brutale Herrschaftsdok­trin ist so alt wie der Imperialismus. Die USA haben sich seit ihrer Existenz an diese Maxime gehalten und eine breite Blutspur durch zwei Jahrhunderte gezogen. Und nun will Trump mit Kim reden. Unglaublich. Ähnliches hatte der US-Präsident in spe ja auch schon für Wladimir Putin vorgeschlagen. Aber dann kam „Russia-Gate“. Es wird bis heute vom geheimdienstlich-militärisch-industriellen Komplex in trauter Zusammenarbeit mit den Mainstream-Medien am Kochen gehalten, als sei schon allein das Gespräch mit der russischen Seite ein Hochverrat. Durchaus mit gewissem Erfolg. Russland und die VR China gelten nun als „revisionistische“ Staaten, welche die bestehende Ordnung, die Vorherrschaft des US-Imperiums, „revidieren“ wollen.

Die KDVR war seit jeher der stalinistische Paria-Staat. Seit sie auf George W. Bushs „Achse des Bösen“ gelandet war suchte die Führung in Pjöngjang ihr Heil in einer raschen atomaren Rüstung und der Entwicklung weitreichender Trägermittel. Ein ungeheurer Kraftakt. Die US-Führung hielt dagegen mit drakonischen Sanktionen und einer gigantischen militärischen Drohkulisse bis hin zur Ankündigung der „totalen Zerstörung“, um Pjöngjang in die Knie zu zwingen. Bislang ohne Erfolg.

Auf der Basis des erreichten nuklearen Abschreckungspotentials hat Kim Jong-un nun seine diplomatische Olympia-Offensive gestartet. Die akzeptierte Einladung an Trump kann durchaus als Erfolg Pjöngjangs gelten. Wer redet, schießt nicht. Jedenfalls nicht so schnell. Die Führung der KDVR hat offenbar zugesagt, für die Dauer der Verhandlungen keine weiteren Raketentests zu veranstalten und, wie Trump twitterte, die Denuklearisierung der Halbinsel in Aussicht gestellt. Letzteres gegen entsprechende Sicherheitsgarantien, versteht sich. Sogar von einem Friedensvertrag ist nun die Rede. Die wegen der Olympischen Spiele verschobenen US-amerikanisch-südkoreanischen Großmanöver sollen allerdings stattfinden.

Die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel ist ein altes Ziel, das schon in einer gemeinsamen Erklärung von Nord- und Süd-Korea aus dem Jahre 1992 festgeschrieben ist. Die Frage ist, was genau man darunter versteht. Immerhin ist die – atombewaffnete – Streitmacht des US-Imperiums seit den 1950er Jahren in Südkorea mehr als präsent. Ihr Potential wird massiv aufgerüstet. Südkorea befindet sich unter dem „atomaren Schirm“ des Imperiums. Ohne ihren Abzug kann von wirklicher Denuklearisirung der Halbinsel keine Rede sein. Das ist natürlich nicht die Sicht des „Freien Westens“. Für seine Propagandisten hat der „Irre von Pjöngjang“ abzurüsten und sonst niemand.

Die große Sorge in den „freien Medien“ lautet, Kim könnte den tumben Trump in eine Lage bringen, in der der Druck auf die KDVR nicht mehr in dieser Form aufrecht zu halten ist. Der Rangunterschied zwischen Imperium und Paria-Staat verschwindet. Der geplante innerkoreanische Gipfel im April in Panmunjom, das Treffen im Mai mit Trump werten den nordkoreanischen Führer international auf, ob man das möchte oder nicht. Es ist eine höchstrangige De-facto-Anerkennung durch das Imperium. Kim, so der Geostrategie-Think-Tank „Stratfor“, hat Trump in eine Lage gebracht, wo er sich bewegen muss. Wo ein schlechter Deal besser aussieht als gar keiner. Das ist natürlich ungüstig, wenn man lieber auf ultimativen Forderungen beharren möchte.

Kim könnte, so die Befürchtungen, seinerseits im Mai eine Reihe unangenehmer Forderungen an die USA unterbreiten. Sicherheitsgarantien, Truppenabzug aus dem Süden, Abbau der Sanktionen und ähnliches mehr. Da mehr als zweifelhaft ist, ob das Imperium diesen Preis wird zahlen wollen, stünde Trump mit leeren Händen da und der Propagandaerfolg bliebe bei Kim.

Während vor allem Japan sich als Hardliner im Korea-Konflikt hervorgetan hat, begrüßte die VR China ebenso wie Russland die Gesprächs-Initiative von Kim Jong-un. Beide Staaten unterstützen die Forderung nach einer Denuklearisierung der Halbinsel. Sie unterstützen aber auch die nordkoreanische Forderung nach Absicherung ihrer Sicherheitsinteressen. Die konkreten Sanktionsmaßnahmen Chinas gegen die KDVR waren daher nie so, wie sie vom Imperium gewünscht waren. Peking will die vollständige Isolierung und auf jeden Fall den Kollaps der KDVR verhindern. Ein stabiles, langfristig „modernisiertes“, pekingorientiertes Nordkorea dürfte viel eher zu Xi Jinpings weitreichenden Zukunftsplänen passen als ein weiterer höriger US-Vasall, noch dazu an seiner sensiblen Nordgrenze. Wladimir Putins Pe­r­spektive dürfte eine nur graduell andere sein. Der Korea-Krieg 1950–53 war der militärische Einstieg in den Kalten Krieg. Es wäre zu hoffen, dass dem Land eine Neuauflage dieser Katastrophe erspart bleibt.

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"Einladung zum Hamburger", UZ vom 16. März 2018



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