Grußwort von Dietmar Dath auf den UZ-Friedenstagen

Gegen Wahndiplomatie und Unfugplattformen

Zu den vielen Gästen, die bei den UZ-Friedenstagen Grüße überbrachten, gehörte auch Dietmar Dath. Der Schriftsteller und Journalist sprach auf der Friedensmanifestation über die Verwahrlosung der bürgerlichen Medien und sprach eine Empfehlung aus:

Ich habe einen kleinen Umweg hierher genommen, ich war fünfundzwanzig Jahre bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Jetzt bin ich hier und habe heute viele Wahrheiten gehört. Manche Wahrheiten kann man nur singen, das haben wir mit Kai Degenhardt gerade wieder erlebt. Lügen wiederum kann man drucken oder online stellen oder senden, siehe bürgerliche Medien. Auch Medien, die sich öffentlich-rechtlich nennen, sind bürgerlich, wenn ihr gesamtes Geschäft die Rechtfertigung und Dekoration der bürgerlichen Besitz- und Herrschaftsverhältnisse ist. Mein verstorbener Vater hat gern gesagt: „Ernst wird es in diesem Land dann, wenn auf dem „Spiegel“ und dem „Focus“ dasselbe steht.“ Es ist jetzt also andauernd ernst, denn es steht überall dasselbe. Das Spiel, „Die einen sind ein bisschen linksliberal, und die anderen sind ein bisschen rechtsautoritär, und dann haben wir Vielfalt“, ist kaum noch glaubhaft. Immer deutlicher wird das seit fünf, sechs Jahren, es ging noch vor 2022 los. Da schrieb etwa ein Mensch, es ist wirklich egal, wo das erschienen ist, es hätte überall sein können, auf einer angesehenen Presseplattform in diesem Land: „Der Putin ist ein Partisan, verschlagen und hinterhältig.“

In einem deutschen Leitmedium wird also der Ausdruck „Partisan“ als Beschimpfung verwendet. Da schlägt das Gewissen nicht an: Moment, was reden wir hier, wer sind wir, was für ein Echo, von wann ist das? Da ist kein Geschichtsbewusstsein übrig. Das ist wie bei dem amerikanischen Diplomaten, der gesagt hat: „Das Schreckliche an den Russen heute ist, sie sind schlimmer als Hitler, denn sie bringen Menschen um, die Russisch sprechen, und Hitler hat keine ethnischen Deutschen umgebracht.“ Die ermordeten Juden, das waren für diesen Mann keine „ethnischen Deutschen“. Da ist nicht die Karriere zu Ende: Der Herr hat für Obama gearbeitet und war auch nach diesem Satz noch tragbar, hat sich entschuldigt, kann passieren. Der sagt sowas und in Deutschland wird Putin als Partisan bezeichnet, und ein intelligenter Mensch hat hier im selben Zeitraum geschrieben: Man muss 1938 und 2022 zusammenzählen. Genau das stand da: zusammenzählen. Dann kriegt man nämlich 3960, und das ist das Geheimnis des Universums oder sowas.

Also, sie haben keinen klaren Kopf mehr beim Formulieren, kein Geschichtsbewusstsein, keinen Begriff von Zahlen und Mengen und Ursachen und Folgen und Gründen und Ergebnissen. Sie können nicht mehr überlegen, sie können nicht mehr schreiben. Es ist Verwahrlosung.

Wenn wir aber an die Geschichte des Imperialismus denken, dann können wir uns vielleicht an den englischen Imperialisten, Kapitalisten und Politiker Cecil Rhodes erinnern. Der hatte einen Freund, den Schriftsteller Rudyard Kipling. Und dem fiel auf: Der Rhodes, der kann sich überhaupt nicht ausdrücken. Und da dachte der Intellektuelle: Gut, dann formuliere ich die Dinge eben für ihn, denn er ist ein Mann der Tat. „Mann der Tat“, das übersetzen wir hier korrekt mit: blutrünstiger Idiot. Wie heute Elon Musk, der Entwicklungshilfe kürzt und damit den Tod von zahllosen Menschen verursacht. Aber Intellektuelle, die das für ihn schön formulieren, braucht niemand mehr.

Was wir brauchen, sind nicht Wahndiplomatie und Unfugplattformen, sondern eigene Medien, die dagegenhalten, die Wahrheiten formulieren und verbreiten. Ein solches Medium hat diese Veranstaltung hier möglich gemacht. Dafür danke ich, und das müssen wir unterstützen.

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"Gegen Wahndiplomatie und Unfugplattformen", UZ vom 4. September 2026



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