Marx-Engels-Stiftung wählt neuen Vorstand

Generationenwechsel vorbereiten

Die Marx-Engels-Stiftung hat auf ihrer Jahresmitgliederversammlung am 28. Januar 2023 in Wuppertal einen neuen Vorstand gewählt. Abgesehen von Lothar Geisler hatten sich alle Mitglieder des bisherigen Vorstands wieder zur Wahl gestellt: Helmut Dunkhase, Raimund Ernst, Georges Hallermayer, Kai Köhler, Hermann Kopp, Peter Krämer, Jürgen Lloyd, Ursula Möllenberg, Eva Petermann, Uwe Polikeit, Arnold Schölzel, Inge Trambowsky und Werner Zimmer-Winkelmann. Alle Kandidaten wurden wiedergewählt. Neu in den Vorstand gewählt wurden Eva Niemeyer, Naisan Raji und Manfred Sohn.

Der neu gewählte Vorstand wählte auf seiner konstituierenden Sitzung einstimmig Manfred Sohn zum neuen Vorsitzenden der Stiftung. Sohn würdigte seinen Vorgänger Stefan Kühner, der im Mai 2022 verstarb, und bedankte sich bei Hermann Kopp für dessen Verdienste. Kopp, von 2012 bis 2021 Vorsitzender der Stiftung, hinterlasse große Fußstapfen, hob Sohn unter Applaus hervor. Er selbst sehe sich als Interimslösung, notwendig sei nämlich ein Generationenwechsel.

Für 2023 plant die Marx-Engels-Stiftung bislang 23 Veranstaltungen, einige mehr als im Vorjahr. Neu in diesem Jahr ist die von Hermann Kopp und Manfred Sohn geplante „Marxistische Woche zu Krieg, Frieden und Globalpolitik“, die vom 27. August bis zum 2. September 2023 in der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen stattfinden soll. Wie vor den beiden Weltkriegen sei der Diskussionsbedarf heute schlicht zu groß, um sich auf Abend- und Tagesveranstaltungen zu beschränken, begründete Sohn die einwöchige Tagung.

In der Diskussion über die Jahresplanung für 2023 betonten mehrere Teilnehmer, wie hilfreich es wäre, Treffen von MES-Mitgliedern eines Orts oder einer Region zu organisieren, um die Arbeit der Stiftung regional zu verstetigen. Das ist bisher erst in Stuttgart der Fall. Dort hat sich die Zahl der Mitglieder innerhalb von sechs Jahren vervierfacht. Eine Teilnehmerin regte an, in Präsenz stattfindende Veranstaltungen live im Internet zu übertragen, um Interessenten aus der ganzen Bundesrepublik die Teilnahme zu ermöglichen. Ein Mitglied schlug vor, Klassikertexte in Lesekreisen zu studieren. Als aktuell dringendstes Thema sahen die anwesenden Mitglieder die Weltkriegsgefahr.

Die Friedensfrage stand auch im Mittelpunkt von Jane Zahns Auftritt. Die Kabarettistin stellte ihr Programm „Zusammen aus der Fassung“ vor. „Krieg ist etwas, was erklärt werden muss, weil man ihn sonst nicht versteht. Frieden ist nichts, was erklärt werden muss, weil jeder ihn versteht“, machte Zahn deutlich.

Wie bürgerliche Medien den Stellvertreterkrieg der NATO gegen Russland in der Ukraine „erklären“, arbeitete Ekkehard Sieker in seinem Vortrag heraus. Der Fernseh- und Wissenschaftsjournalist kritisierte die „antiaufklärerische Propaganda“, die professionell arbeitende PR-Agenturen heute unter dem Euphemismus „Strategische Kommunikation“ betrieben. Eine Bewusstseinsindustrie verschiebe die Bedeutung von Worten. Der Neoliberalismus habe nach 1980 alles Herrschaftskritische beiseite gedrängt und durch die Ideologie des Postmodernismus ersetzt. Journalisten fehle heute die Weltanschauung, auf deren Basis sie Hypothesen erarbeiten könnten, welche die Grundlage für Recherchen seien. Aufgabe von Marxisten sei es, die Menschen aus der tiefen Alternativlosigkeit herauszuholen und ihnen zu zeigen, was man erreichen könne, wenn man über Dinge nachdenkt.


Die Marx-Engels-Stiftung erforscht das wissenschaftliche Werk von Karl Marx und Friedrich Engels. Auf ihrer Website informiert die Stiftung über ihr Wirken.


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"Generationenwechsel vorbereiten", UZ vom 10. Februar 2023



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