Häuserkampf vermieden

Von Manfred Ziegler

Duma ist die größte Stadt in der Region Ghouta im Osten von Damaskus. Sie war von Anfang an ein Brennpunkt des Krieges, in dem zunächst die Organisation der Moslembrüder aktiv war und gegen die Regierung kämpfte. Über die Monate und Jahre entstand eine Vielzahl von dschihadistischen Organisationen. Sie kämpften gegen die Regierung und immer wieder gegeneinander.

Die größte dieser Organisation ist die Dschaisch al-Islam. Sie war mit Hilfe saudischer Ideologie, saudischen Millionen und Militärberatern aus Pakistan aufgebaut worden. Für Syrien, Russland, den Iran und Ägypten ist es eine terroristische Organisation. Und 2016 bezeichnete selbst der damalige US-Außenminister Kerry die Dschaisch al-Islam beiläufig als eine Untergruppe der Terroristen.

Heute ist die syrische Armee mit modernen Kommunikations- und Aufklärungsmitteln ausgestattet. Das erklärt die überaus erfolgreiche Offensive, in der sie die Dschihadisten in den Städten in Ghouta voneinander isolierte. Eine Organisation nach der anderen einigte sich mit der syrischen Regierung. Die Bewaffneten zogen mit ihren Familien in die Provinz Idlib ab, dies betraf ungefähr 40 000 Personen aus Harasta, Zamalka, Erbin, Ein Tarma und Jobar.

Für die Gruppen, die von der Türkei unterstützt werden, war das eine günstige Möglichkeit, schließlich ist die Türkei „Schutzmacht“ in Idlib. Die Dschaisch al-Islam unter der Patronage von Saudi-Arabien hatte andere Pläne.

So war der Zielort der Hauptstreitpunkt in den Verhandlungen zwischen Armee und den Islamisten in Duma, unter Vermittlung Russlands. Immer wieder erneuerte die Armee ihr Ultimatum: „Zieht ab oder macht euch zum Kampf bereit.“ Als letzte Frist galt der Abschluss des Abzugs der Dschihadisten aus den anderen Orten der Ghouta. Aber auch dieser Zeitpunkt verstrich. Die syrische Armee wollte einen blutigen Häuserkampf vermeiden.

Und dann einigten sich die beiden Seiten doch noch. Zuerst zogen die Kämpfer der Faylaq al-Rahman und ihre Familien ab. Ungefähr 1000 Personen wurden nach Idlib gebracht. Für die Dschaisch al-Islam gilt ein anderes Ziel: Sie werden nach Dscharablus überführt.

Am Montag begann der Abtransport der Dschaisch al-Islam mit einer Gruppe von 1000 Kämpfern und Familienangehörigen. Dies wird in den folgenden Tagen fortgesetzt. Womöglich gibt es auf Seiten der Dschihadisten noch Widerstand gegen die Vereinbarung.

Wie immer in solchen Fällen lässt die syrische Regierung die Tür offen für alle, die ihren Status regeln wollen, sie müssen Duma nicht verlassen. Es wird aber erwartet, dass zehntausende Personen (Kämpfer und ihre Familien) nach Dscharablus ausreisen werden.

Die Verhandlungen in Genf unter der Ägide der UN sollten zu einer politischen Lösung führen. Es war im Wesentlichen der Versuch, den Regime-Change zu organisieren – und je mehr die militärische Situation der Regierung sich stabilisierte, umso weniger Bedeutung hatten sie. Jetzt, wo die Dschihadisten aus Ghouta vertrieben sind, ist ihre Bedeutung gleich null. Andere Verhandlungsrunden, wie die in Sotschi um eine neue Verfassung, gewinnen an Bedeutung.

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"Häuserkampf vermieden", UZ vom 6. April 2018



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