Von Anfang an ging es im Krieg gegen Iran auch um China – nicht für Israel, aber für die USA. Der insbesondere zu Beginn verfolgte Plan der Trump-Regierung, in Teheran ein prowestliches Regime zu installieren – entweder per Regierungssturz oder auch mit einer „venezolanischen Lösung“, also per außenpolitischer Umpolung mit Hilfe einer Person aus den Reihen des alten Regimes –, zielte ganz offen darauf, der Volksrepublik nach Venezuela einen zweiten bedeutenden Kooperationspartner abspenstig zu machen. Wäre das gelungen, dann hätte Peking nicht nur Einfluss am Persischen Golf verloren, sondern auch Öl. Zuletzt hatte China rund 12 Prozent seines Ölimports aus dem Iran bezogen, 4 Prozent aus Venezuela; es ging also insgesamt um 16 Prozent der gesamten chinesischen Einfuhr. Noch deutlicher wurden die Dinge, wenn man einen Blick auf die Vorräte warf. „Venezuela und Iran besitzen 31 Prozent der Ölreserven weltweit“, erklärte der ultrarechte US-Senator Lindsey Graham im März auf „Fox News“: Dass Washington all dies unter seine Kontrolle bringen könne, sei „Chinas Albtraum“.
Nun, dazu ist es bisher nicht gekommen, und es sieht trotz aller Ungewissheiten auch nicht danach aus, dass es den USA in absehbarer Zeit noch gelingt. Selbst die Beinahesperrung der Straße von Hormus, mit der die USA zuletzt die iranischen Öllieferungen nach China unterbanden, hat das Land nicht in existenzielle Nöte gestürzt. Peking hat große Vorräte an fossilen Energieträgern angelegt, zudem hat es die Nutzung erneuerbarer Energien rasant gesteigert und es setzt nach wie vor stark auf Kohle – wie sich jetzt herausstellt eine Entscheidung, die im Konfliktfall seiner Energiesicherheit höchst nützlich ist. Andere Länder, Indien etwa, werden vom weitgehenden Ausfall der Öl- und Gasimporte vom Persischen Golf viel stärker getroffen als die Volksrepublik und selbst für die westlichen Staaten scheint der Krieg stärkere ökonomische Folgen zu haben als für China. Die chinesische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal 2026 um 5 Prozent und damit um mehr, als die Auguren prognostiziert hatten. In Deutschland wurden die Prognosen auf 0,6 Prozent halbiert.
Möglich, dass China es nicht nur vermeiden kann, aus dem Persischen Golf abgedrängt zu werden, sondern dass es ihm sogar gelingt, seine diplomatischen Positionen in der Region zu stärken. Basierend auf seinem erheblich gestiegenen Wirtschaftseinfluss auf der Arabischen Halbinsel war es ihm im Jahr 2023 gelungen, eine diplomatische Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Iran zu vermitteln. Die arabischen Golfstaaten sind im Grundsatz auf eine zumindest nicht kriegerische Zukunft angewiesen, um ihre in Gang befindliche Umstellung vom fossilen Zeitalter zur High-Tech-Wirtschaft – KI-Datencenter etwa – umzusetzen. Sofort nach dem Beginn des Waffenstillstands nahmen zuerst Saudi-Arabien, dann die Vereinigten Arabischen Emirate Gespräche mit dem Iran über einen künftigen Ausgleich untereinander auf. Quasi im selben Atemzug intensivierten sie auch ihre Gespräche mit China; Riad bat Peking explizit um erneute Vermittlung. Gelingt der anvisierte Ausgleich zwischen den arabischen Golfstaaten und dem Iran, dann hätte die Volksrepublik – als Mittlerin – ihre Stellung am Persischen Golf weiter konsolidiert.
Dabei kommt ihr zugute, dass die Trump-Regierung seit dem 28. Februar genau das tut, was sie nie tun wollte: Sie verschwendet Kraft und Material, die sie eigentlich für den großen Machtkampf gegen China sparen wollte, im Nahen Osten. Bereits Anfang März hatte der ehemalige US-Staatssekretär für die Luftwaffe Frank Kendall festgestellt, China sei „ein gewaltiger Gegner, viel gewaltiger als selbst die Sowjetunion“, was aber täten die USA? „Wir setzen schon wieder JDAM-Raketen im Nahen Osten ein.“ Und nicht nur Raketen; Trump verfeuert zweistellige Milliardenbeträge und riesige Waffenarsenale am Persischen Golf. Davon profitiert vor allem Peking: Der US-Druck, der auf ihm lastet, sinkt ein wenig – zum Vorteil der Volksrepublik.








