Der 30. Spieltag der Bundesliga

Kruse, Kruse, Kruse und Kruse

Von Karl Rehnagel

Nach den teils bitteren, größtenteils aber berechtigten Verabschiedungen aus Europa League und Pilzeliga (Dortmund schlecht, Bayern schlecht und verbal noch schlechter, Schalke mal ganz, ganz schlecht) ging es wieder um nationale Balltretereien.

Trotz einer gewissen Übersättigung in Sachen Livespielen und dem natürlichen Wissen, dass Fußball aber auch gar nix ist außer Geldmacherei und „Brot und Spiele fürs Volk“, trottete ich in meine Stammkneipe. Bei gefühlten 3 Grad minus ist der Schrebergarten auch nicht die wirklich spaßige Alternative. Da wir das Abendspiel bestritten, war schon so einiges passiert. Zum Beispiel Kruse, Kruse, Kruse und Kruse. Der Werderaner, den ich kürzlich noch ein wenig belächelte, machte einfach mal vier Hütten in einer Halbzeit und haute vermutlich so Ingolstadt im Alleingang in Liga zwei. Respekt.

Der HSV ist dagegen bedient: „Darmstadt hat ekelhaft gespielt, dadurch wurde es ein ekelhaftes Fußballspiel.“ (HSV-Keeper Christian Mathenia). Ja nun … nach allem was ich gesehen habe, hat der HSV eher so überhaupt nicht gespielt. Das ist nun noch schlechter als ekelhaft und ergibt dann ein 1:2 zu Hause. Respekt.

Eben selben darf man Christian Streich und seinen Freiburgern entgegen bringen. Die Werkself aus Pillenkusen zeigte mal wieder nicht wie sie Fußball spielen würde, wenn sie könnte. Oder umgekehrt. Ein Elfmeterchen von Volland, das wars. Da aber Freiburg einfach zweimal traf, darf sich Pillenkusen nun mit dem Abstiegskampf anfreunden. Mit dem Etat und der Truppe: Noch mal Respekt.

Bayern tat so, als wären sie noch im Spiel gegen Real oder eher im Kampf mit Schiedsrichter Viktor Kassai aus selbigem Spiel. Karl Heinz, der Rummenigge, ließ da noch wissen: „Wir sind beschissen worden heute Abend, im wahrsten Sinne des Wortes!“. Das hatte ich im Fernsehen nicht gesehen, weder im übertragenden, noch im wahrsten Sinne. Letzteres wäre aber auch ein bisschen ekelig gewesen. Jedenfalls: Mainz war‘s egal, ergibt ein 2:2. Frohlocken in meiner Pinte: „Die Bayern hauen wir am Mittwoch im DFB Pokal aus ihrem Stadion“. „Öhöm“, hüstele ich, gucke schnell in mein Bier und diskutiere angeregt mit der Sitznachbarin über Vor- und Nachteile von Hunden, die aus dem Tierheim kommen, um nicht meine Meinung allzu laut durch die Gegend zu werfen. Ich bin nämlich ziemlich sicher: In München haben die Dortmunder im Pokal kaum eine Chance.

Gegen Gladbach heute hingegen schon. Spinnenbeinchen Tuchel rotierte mal wieder alle Fans in den Wahnsinn, fünf raus, fünf rein und wem das nicht passte, musste neues Bier holen. Lange Schlangen an der Theke. Um es kurz zu machen: Dortmund gewann verdient, auch wenn der Elfmeter eher so im Zwölfmeterraum entstanden war und wir mit der Einwechselung des zumindest unglücklichen Merino noch alles versuchten, um dem Gegner Geschenke zu unterbreiten. Die Gladbacher wollten da nicht hinten anstehen und ließen den gefühlt 1,20 großen Guerreiro ins Tor köpfen. 3:2. Respekt.

Auf dem Nachhauseweg bin ich immer noch übersättigt, das kann aber möglicherweise auch am Bier liegen. Mittwoch geht‘s schon wieder weiter. Dann aber auf der Couch. Schließlich heißt es Donnerstag ziemlich früh wieder: Die Arbeit ruft, auf ins wunderschöne Essen. Aber, so Jens Jeremies (1860 München) „Das ist Schnee von morgen.“ Eben.

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"Kruse, Kruse, Kruse und Kruse", UZ vom 28. April 2017



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