Kultursplitter

Wie freundlich
Der US-Präsident kann ja nicht alles wissen: Die USA haben rechtsverbindlich die „Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten“ unterschrieben, nun musste ihn das Verteidigungsministerium daran erinnern. Das Twitter-Gehacke von Donald Trump, er werde befehlen, auch kulturell bedeutende Orte anzugreifen, falls die iranische Führung zu Vergeltungsmaßnahmen greife, wurde vom Pentagon relativiert. „Wir werden die Gesetze des bewaffneten Konflikts befolgen“, hieß es bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von US-Verteidigungsminister Mark Esper und Generalstabschef Mark Milley vor wenigen Tagen. Auf die Frage, ob dies den Angriff auf Ziele mit kultureller Bedeutung ausschließe, hieß es weiter: „Das sind die Gesetze des bewaffneten Konflikts.“ Dieser Verweis auf die Konvention heißt aber auch, den Krieg will man führen, dank moderner Technik darf das eine oder andere Bauwerk bei möglichen Bombardements verschont bleiben.

Wie passend
Bayern hat zum Jahreswechsel turnusgemäß den Vorsitz der Kulturministerkonferenz übernommen und hat Pläne: Ganz dringlich ist dem bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler von der CSU, dass der Föderalismus in der Kulturpolitik von allen akzeptiert wird. Die Länder wüssten jeweils am besten, wie man Kunst und Kultur vor Ort erhalten und weiterentwickeln könne, erklärte Sibler. Der Bund könne mitmachen, aber die Länder hätten das Sagen. Bayern will den „Zugang zum kulturellen Angebot im ländlichen Raum“ stärken, das passt zur Bundeskulturtante Monika Grütters, die für „niederschwellige Angebote“ wirbt. Ansonsten tut der Bayer das, was man von ihm verlangt. Sein Wahlkreis Deggendorf profitiert besonders reichlich von den Schlüsselzuweisungen des Freistaats, in diesem Jahr fließen über 48 Milliarden Euro in Stadt und Landkreis, die höchste Summe, die ausgeschüttet wird. Ein kommender Mann?

Ein Anfang
An der Universität Lüneburg ist der bundesweit erste dauerhafte Lehrstuhl für Provenienzstudien eingerichtet worden. Bisher gab es nur vereinzelte und zeitlich befristete Dozenturen, die den umfangreichen und notwendigen Aufgaben nicht gewachsen sind. Die sogenannte „Lichtenberg-Professur“, bezahlt von der Volkswagen-Stiftung über den Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, hat jetzt die Kunsthistorikerin Lynn Rother angetreten. Sie war seit 2015 am New-Yorker Museum of Modern Art tätig, vorher schrieb sie ihre Dissertation zum Thema „Kunst und Kredit“ und war in Berliner Institutionen bereits mit den Themen beschäftigt. In ihrem ersten Forschungsprogramm will sie die Herkunft moderner europäischer Gemälde in US-amerikanischen Museen untersuchen. Ob Frau Rother sich später mit den unklaren Beständen in deutschen Museen beschäftigen will, ist noch unklar. Die Provenienzforschung befasst sich mit der Herkunft von Kunstwerken. Sie dient unter anderem zur Klärung der Eigentumsverhältnisse etwa von Raubkunst aus der NS- oder Kolonialzeit.

Hinweis
Der am Ende des Artikels von Rolf Geffken zum Bremerhavener Museumsschiff „Seute Deern“ erfolgte Hinweis auf „das Buch“ bezog sich auf den Band „Jammer & Wind“, der sich grundsätzlich mit der reaktionären Windjammerideologie befasst. Er kann zum Preis von 10 Euro unter drgeffken@drgeffken.de bestellt werden. Die im Text mehrfach in Bezug genommenen Denkschriften zum Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) sind in dem Band „Seeleute und Häfen ins Museum“ enthalten, der unter derselben E-Mail-Adresse zum Preis von 15 Euro bezogen werden kann.

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Über den Autor

Herbert Becker (Jahrgang 1949) hat sein ganzes Berufsleben in der Buchwirtschaft verbracht. Seit 2016 schreibt er für die UZ, seit 2017 ist es Redakteur für das Kulturressort.

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"Kultursplitter", UZ vom 10. Januar 2020



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