Die Regierung Trump verschärft die mörderische Blockade gegen das sozialistische Kuba immer weiter. Der US-Präsident selbst träumt von einer sofortigen Übernahme der Insel. Im Berliner Kino Babylon wollen der Musiker Pablo Miró und die Schauspielerin Jutta Kausch mit einem Solidaritätskonzert nicht nur ein Zeichen gegen die Blockade setzen, sondern auch eine Landkooperative in Pinar del Rio mit einer Solaranlage versorgen. UZ sprach mit ihnen über Kuba, das Konzert und die Bedeutung von Solidarität.
UZ: Ihr plant für den 22. Mai ein Konzert unter dem Titel „Canto por Cuba“ im Berliner Kino Babylon. Warum ausgerechnet Kuba?
Pablo Miró: Kuba zu unterstützen ist für mich eine Ehre. Die imperialistischen Mächte belasten seit Jahrzehnten mit Blockaden und Sanktionen die gesamte Wirtschaftsentwicklung Kubas. Die Anstrengungen des Westens und vor allem der USA, Kuba daran zu hindern, dass es sich entfaltet, dass es sich würdig und souverän in allen gesellschaftlichen Bereichen entwickeln darf, sind enorm. Kein nichtkapitalistisches Land darf sich zu einem Beispiel einer gerechten, armutslosen, klassenlosen, alle einbeziehenden Gesellschaft entwickeln. Es macht mich so glücklich zu wissen, dass Kuba trotz der aufgezwungenen Zwangsjacke das Unmögliche tut, um eine gesundheitliche Versorgung, Bildung, alle Basisbedürfnisse der Bevölkerung zu garantieren. Kuba wäre sicherlich einer der glücklichsten Staaten der Welt, wäre es all diese Jahrzehnte frei von diesen erstickenden Sanktionen gewesen. Der Kapitalismus lässt glückliche Alternativen nicht zu. Historisch gesehen ist Kuba die Alternative weltweit, die am längsten und schwersten gehindert wird, sich selbst voll und ganz zu verwirklichen.
Jutta Kausch: Schon seit 1960 versuchen die USA alles, um Kuba in die Knie zu zwingen, aber mit dem totalen Ölembargo seit 29. Januar diesen Jahres sowie den neuen, am 1. Mai in Kraft getretenen Durchführungsvorschriften des dem Größenwahn verfallenen Trump zielt die US-Regierung nun auf den Kollaps Kubas bis zur physischen Vernichtung der Bevölkerung durch Hunger und Krankheiten. Dem müssen sich Menschen, die noch einen Funken Anstand besitzen, entgegenstellen. Inge Viett schrieb in ihrem Buch „Cuba libre bittersüß“: „Wer mit Kuba nicht solidarisch sein kann, dem unterstelle ich, keine Liebe, keine Leidenschaft, keinen Widerstand gegen die imperialistische Weltordnung zu haben. Ich meine, Kuba ist keine Angelegenheit von Ideologie, wenigstens nicht als erstes und nicht jetzt. Es ist eine Angelegenheit des Herzens.“
UZ: Welches konkrete Projekt unterstützt ihr?

Jutta Kausch: Die Freundschaftsgesellschaft Berlin Kuba (FBK), deren Vorsitzende ich seit vielen Jahren bin, ist schon seit den 1990er Jahren in Pinar del Rio solidarisch aktiv. Heute geht es in Kuba ums nackte Überleben. Deshalb haben wir uns entschlossen, eine Landkooperative in Pinar bei der Finanzierung einer Solaranlage zu unterstützen. Sie wird sowohl für die Bewässerung der Felder durch Betreibung von Wasserpumpen benötigt, als auch für die Weiterverarbeitung und Kühlung der geernteten Früchte. Außerdem wollen wir die 17 Familien der Kooperative mit dem nötigen Strom versorgen, den man zum täglichen Leben braucht. Zudem wollen wir ein Schulungszentrum mit dem nötigen Strom versorgen. Zur Realisierung werden etwa 45.000 US-Dollar benötigt. Wir möchten mit diesem Konzert den Startschuss einer großen Spendensammlungskampagne geben.
UZ: Ist das angesichts der immer schärfer werdenden Aggressionen der USA nicht ein Tropfen auf dem heißen Stein?
Pablo Miró: „Not in our name“ war die Aussage von Schauspieler Sean Penn, als er gegen den Irak-Krieg demonstrierte. Passivität und Beobachtung, ohne sich zu engagieren, ist das Dulden des Bösen. Jeder kann etwas tun, jeder muss etwas tun, jeder soll etwas tun. Ansonsten gehört man zu der breiten Schicht dieser passiven Beobachter. Ich kann nicht verstehen, dass diese brutalen Angriffe auf Kuba, auf Palästina und so weiter das Gewissen der Menschen nicht genügend empören und verletzen und nicht dazu animieren, unbedingt etwas tun zu wollen. Für Jutta und für mich war es überhaupt keine Frage, das zu tun, was wir können, nämlich dieses Konzert zu organisieren. Für Kuba und die Kubanerinnen und Kubaner ist unsere Solidarität, egal in welcher Größenordnung, Leuchtturm der Hoffnung, kraftschöpfend.
Viele Menschen hier in Deutschland möchten ihre Solidarität und Empörung ebenfalls ausdrücken. Dieses Konzert bietet jedem, der Solidarität zeigen möchte, eine Möglichkeit. Jeder kann vor Ort spenden oder mit seiner Unterschrift Projekte unterstützen.
UZ: Musikalischer Hochgenuss oder politische Veranstaltung – was erwartet das Publikum an dem Abend?

Pablo Miró: Es ist tatsächlich hauptsächlich eine musikalische Veranstaltung, von engagierten Künstlerinnen und Künstlern getragen. Im Namen aller, die auftreten werden, erlaube ich mir zu behaupten: Wir werden aus ganzem Herzen und mit voller Hingabe musizieren und singen. Wir werden unsere besten musikalischen Fähigkeiten zum Klingen bringen, mitreißende Rhythmen aus Kuba, besinnliche Lieder von Victor Jara und Mercedes Sosa, viele selbst komponierte, die Nueva Trova Cubana, all dies und viel mehr wollen wir mit allen teilen, die kommen.
Jutta Kausch: Ja, neben Pablo, Nicolás Miquea und dem Nicky-Márquez-Trio, die aus dem lateinamerikanischen kulturellen Füllhorn schöpfen, werden noch konTa, den einige vielleicht auch als Jamal Kamano kennen und der als Kind mit seinen Eltern aus Guinea über mehrere Länder nach Deutschland kam, sowie Caro Kunde vermutlich eher deutschsprachige Musik präsentieren, Rap vom Feinsten von konTa und melodiöse, kraftvolle Songs von Caro Kunde.
Ich werde vielleicht auch ein Lied singen, aber ansonsten rezitieren.
UZ: Wie wichtig ist es eurer Ansicht nach, dass die Solidarität mit Kuba nicht nur aus politischen Stellungnahmen besteht, sondern auch kulturelle Events umfasst?
Pablo Miró: Engagierte Lieder und Künstlerinnen und Künstler beziehen mit dem Herzen Stellung, sie ergänzen nicht nur das politische Verständnis, sondern stärken das Mitgefühl, die Empörung, den Willen und die Freude zum Widerstand auf einer emotionalen Ebene.
Jutta Kausch: Ja, Kultur ist mehr als ein Pausenfüller im Politzirkus. Kunst selbst ist politisch, sie berührt oftmals Menschen, gibt Denkanstöße und öffnet neue Sichtweisen, sodass sie daraus Kraft schöpfen, um politisch aktiv zu werden.
UZ: Ihr werdet beide auch an den UZ-Friedenstagen teilnehmen, bei denen es auch eine große Manifestation der Solidarität mit dem sozialistischen Kuba geben wird. Was bewegt euch dazu, beim Fest von UZ und DKP dabei zu sein?
Pablo Miró: Die Beweggründe sind genau die gleichen, die uns zur Organisation dieses Konzertes geführt haben. Es freut mich sehr, am UZ-Fest teilzunehmen, um auch dort unsere gemeinsamen Überzeugungen und Empörungen, die Lust auf eine gerechte Welt ohne Klassengesellschaften, ohne Elend, ohne Armee und ohne Kriege auch mit Hilfe meines musikalischen Beitrages unterstützen zu dürfen.
Jutta Kausch: Dem ist nicht hinzuzufügen.
Solidaritätskonzert
„Canto por Cuba“
Freitag 22 Mai, 19:30 Uhr
Kino Babylon, Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
Karten hier zu kaufen.
Mehr Infos zum Konzert.








