Schon 2012 warnten die Vereinten Nationen, Gaza wäre in wenigen Jahren kein „bewohnbarer Ort“ mehr, wenn nicht dringend benötigte Abhilfe geschaffen würde. Mit dem Krieg wurde aus dem einstigen „Freiluftgefängnis“ ein Trümmerberg. Kein Trinkwasser, ein Niedergang des Gesundheits- und Bildungswesens, die Vorstellung von Elektrizität für alle nur noch eine schwache Erinnerung. Nach mehr als 70.000 Toten starben seit Beginn des „Waffenstillstandes“ weitere fast 1.000 Menschen durch israelische Bomben. Israels Armee weitet die Kontrolle über Gaza über vereinbarte Grenzen hinweg aus.
Tom Fletcher, zuständig bei den UN für humanitäre Angelegenheiten und Koordinator für Katastrophenhilfe, beschrieb die Situation in Gaza: Manches habe sich gebessert. Es drohe keine Hungersnot mehr, sondern nur noch eine schwere Ernährungskrise. Doch die Menschen hätten keine feste Unterkunft, noch immer halte Israel einen Teil der Hilfslieferungen zurück. Komplizierte Zollbestimmungen und Einschränkungen für Waren, die militärisch und zivil genutzt werden können („dual use“), erschweren Hilfslieferungen. Zu Zeiten hat Israel auch Prothesen zu diesen „Dual-use“-Waren gerechnet. Die Palästinenser werden zusammengedrängt auf einer immer kleiner werdenden Landfläche, so Fletcher.
Israel entscheidet, welche Hilfsorganisationen in Gaza tätig sein dürfen. Der größte Feind für Israel ist die UN-Organisation UNRWA. Sie ist seit Jahrzehnten zur Unterstützung der Palästinenser tätig. Israelischen Behörden ist die Zusammenarbeit mit ihr verboten und sie ist konfrontiert mit einer massiven Kampagne. Immer wieder werden von Israel Vorwürfe lanciert: Viele ihrer Mitarbeiter seien Unterstützer der Hamas. 12 von 18.000 Mitarbeiter wurden von Israel konkret beschuldigt, bei acht von ihnen bestanden möglicherweise Kontakte zu Hamas. Vor allem am symbolischen tausendsten Tag nach dem 7. Oktober wurden die Vorwürfe gegen UNRWA erneuert. Selbst der Generalsekretär der UN, Antonio Guterres, gibt sich entsetzt über die Verleumdungskampagnen und gesetzgeberische Maßnahmen gegen die Hilfsorganisation. Die deutsche „Jüdische Allgemeine“ fasst die Vorwürfe in einem Punkt zusammen: „Die UNRWA … sei ein Synonym für das Recht auf Rückkehr … Es macht alle politischen Lösungen nahezu unmöglich.“ Tatsächlich vertritt die UNRWA als Organisation der UN mit dem „Recht auf Rückkehr“ nur eine immer wieder bestätigte Forderung der UN-Generalversammlung.
Auch Trumps „Board of Peace“ will die UNRWA verdrängen. Sie habe keinen Platz in Gaza und die Menschen dort hätten etwas Besseres verdient. Das „Board of Peace“, das die höheren Weihen des UN-Sicherheitsrates erhalten hatte, hat ansonsten wenige Aktivitäten vorzuweisen. Hauptsächlich plant es, Gelände in Gaza zu erhalten, sucht offenbar juristische Immunität für seine Mitglieder und beteiligt sich an der Propagandakampagne gegen UNRWA. Gelder des „Board of Peace“ gehen auf ein intransparentes Konto bei J. P. Morgan.
Mittlerweile nimmt Israel immer größere Teile von Gaza in Besitz. Mit dem sogenannten Waffenstillstandsabkommen vom Oktober 2025 erhielt Israel die „vorläufige“ Kontrolle über 53 Prozent von Gaza. Durch Verschiebung der „gelben Linie“ sind es mittlerweile 60 Prozent, zuletzt gab Benjamin Netanjahu dem Militär Anweisung, die Kontrolle auf 70 Prozent des Gazastreifens auszuweiten. Mehr soll folgen. Weiterhin bombardiert Israel Gaza und sprengt noch bestehende Gebäude.
Das Leiden und Sterben in Gaza wurde vom Krieg gegen Iran vollständig in den Hintergrund gedrängt. „In Gaza nichts Neues“, so kann man in Anlehnung an Remarques Roman die Situation in Gaza beschreiben.









