Unterstützung für den Streik der Beschäftigten bei den Vivantes-Töchtern

Solidarität von Kollegen und Crowd

Die Beschäftigten der Vivantes-Servicegesellschaften befinden sich seit vier Wochen im Erzwingungsstreik. Seit dem 15. April sind Hunderte aus den Bereichen Logistik, Reha und Reinigung im Streik. Der Arbeitskampf für eine volle Angleichung an den im Konzern geltenden TVöD läuft seit März.

Die Geschäftsführung hatte ein unzureichendes Angebot vorgelegt, das sie im April wieder zurückgezogen hat. Sie begründet dies mit den anstehenden Kürzungen bei der Refinanzierung des Klinikpersonals, die im vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegten Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge vorgesehen sind.

Seitdem gab es keinerlei Bewegung im Verhandlungsprozess. Am 29. April gab es jedoch einen gemeinsamen Protest von Klinikbeschäftigten vor dem Bundeskanzleramt. Diese Solidarität hat inzwischen eine neue Dimension erreicht. Und sie ist nötig, denn die finanzielle Belastung der Streikenden ist enorm. Da sie nur 60 bis 70 Prozent ihres ohnehin niedrigen Lohns als Streikgeld erhalten, reicht das Geld vielen von ihnen nicht zum Leben.

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(Foto: Sebastian Richter)

ver.di hat deshalb beschlossen, den Streikenden ab dem zehnten Streiktag 100 Prozent ihres Lohns zu zahlen. Damit soll mehr Beschäftigten die Beteiligung am Streik ermöglicht werden. Für diejenigen, die noch keine zehn Tage gestreikt haben, werden weiterhin Spenden gesammelt. Die Internet-Plattform „GoodCrowd“ meldete in der vergangenen Woche, dass bereits über 20.000 Euro für die Streikenden gesammelt wurden. Auch beim Streik der Beschäftigten der Charité-Tochter CFM war eine Crowdfunding-Kampagne Teil des erfolgreichen Arbeitskampfes. Bei anderen Streikbewegungen dienten Spenden dagegen vorwiegend zur Finanzierung der Öffentlichkeitsarbeit. Die große Solidarität ist ein Achtungserfolg im Arbeitskampf bei den Vivantes-Tochterunternehmen. Die Gewerkschaft kündigte an, dass es Solidaritätsstreiks im Konzern geben könnte, schwerpunktmäßig in den Operationssälen.

Spendensammlungen können jedoch nur als zusätzliche Absicherung der Streikenden dienen. Eine Ausnahme war der Streik des OP-Personals in Portugal im Jahr 2019: Das Pflegepersonal der OP-Bereiche in öffentlichen Kliniken führte damals einen sogenannten wilden Streik durch, der komplett durch Crowdfunding finanziert wurde. Hunderttausende Euro kamen damals zusammen. In der Öffentlichkeit wurde jedoch spekuliert, woher dieses Geld kam. Arbeitskämpfe sollten nicht von Spendensammlungen abhängig sein. Solche Aktionen können nur ergänzend unterstützen.

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"Solidarität von Kollegen und Crowd", UZ vom 15. Mai 2026



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