Auch Malerei unterliegt dem Klassenkampf, kann aufklären oder Irrationalismus verbreiten. Dann ist sie marktgängig und wird an Marktpreisen gemessen, das heißt: Kunst ist abgeschafft. Der Maler und Grafiker Thomas Jakob Richter formulierte das 2012 in einem „junge Welt“-Interview und fügte hinzu: „Trotzdem lebe ich hier und male Bilder. Die Frage ist: Für wen? Für mich ist das – ganz naiv gesagt – eine Klassenfrage. Meine Haltung ist in der DDR gewachsen, wo die Kunst eine andere Aufgabe hatte. Die DDR war entstanden, weil es die Überlegung gab: Wir müssen Verhältnisse herstellen, in denen Menschen leben können, also auch ein Mensch, der Bilder malt. Das hieß nicht, dass der Maler politische Bilder malen sollte, die Mehrzahl der DDR-Kunstwerke war nicht politisch, vielmehr entstand eine sehr vielfältige Kunstlandschaft. Die vermisse ich heute. Ich erlebe nur noch Ideologie als falsches Bewusstsein und sehe angeblich entgrenzte, individualistische Objekte von grenzenloser Langeweile. Ich bin nicht für diese Gesellschaft ausgebildet und hoffe, denen etwas geben zu können, die vielleicht einmal Verhältnisse herstellen, in denen Kunst erst wieder existieren kann.“
In den großformatigen Bildern Richters sieht der Betrachter oft eine geordnete, aber nicht geschlossene Welt. Getönte Erdmassen, Häuser, Himmel bilden einen Hintergrund für – zumeist – ein Menschen-, ein Liebespaar, das beieinander liegt. Meist sind zwei Menschen zu sehen, die sich physisch miteinander beschäftigen. Irgendwo flattert mindestens eine winzige rote Fahne. Man sieht ein Arkadien, das keine Schäferidylle ist, sondern ein Zusammen, das Menschheitsgeschichte, also Mühe und Übles, hinter sich hat. Richter meinte, er male die Zeit nach der Weltrevolution.
1989, schrieb er, sei ihm schlecht geworden. Da war der 1955 Geborene bereits Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Nuria Quevedo. Seit 2007 war er künstlerischer Leiter der jW-Ladengalerie und prägte das Erscheinungsbild der Zeitung bis heute und das der Rosa-Luxemburg-Konferenzen. Ein Schlaganfall zwang ihn 2015 in den Rollstuhl, aber er malte bald wieder intensiv. Am 17. Juli wurde er tot in seiner Atelierwohnung in Berlin-Friedrichshagen gefunden. Wir haben einen der scharfsinnigsten und weitblickendsten Genossen verloren.









